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Analyse: Anschläge auf Boston-Marathon fordern Obama heraus

Washington (dpa) – Die Toten und Verletzten vom Boston Marathon waren kaum geborgen, da begannen die Spekulationen. Unfall oder Terroranschlag? Nicht einmal ein paar Stunden dauerte es, bis sich der Verdacht auf Terror erhärtete.

Obama telefoniert mit FBI-Chef Mueller
US-Präsident Barack Obama telefoniert nach den Bostoner Anschlägen mit FBI-Direktor Robert Mueller. Foto: (White House/Pete Souza) Foto: dpa

Der erste schwere Anschlag seit dem 11. September erschüttert die Amerikaner. Schon am Montagabend (Ortszeit) zeichnete sich ab: Barack Obama steht womöglich vor der schwersten Herausforderung seiner Amtszeit.

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In einer eilig anberaumten Rede an die Nation warnte Obama am Abend (Ortszeit) vor voreiligen Schlüssen und vermied es, von einem Terroranschlag zu sprechen. Zugleich ließ er keinen Zweifel, dass die USA diesen Schlag nicht hinnehmen werden. «Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen», sagte Obama in Washington.

Über das US-Fernsehen flimmerten weiter die Bilder, die Millionen Amerikaner nie wieder sehen wollten: Dicke Rauchsäulen, die hinter der Zuschauertribüne in Boston aufsteigen. Menschen in panischer Angst und verzerrten Gesichtern, die das Weite suchen. Rettungskräfte, die Verletzte auf Tragen wegschaffen.

«Ich habe zwei Explosionen gesehen. Die erste war direkt hinter der Ziellinie. Ich habe einen lauten Knall gehört und dann Rauch aufsteigen sehen», sagte Chris Cassidy, junger Reporter der Lokalzeitung «Boston Herald», der selbst beim Marathon mitlief.

Über elf Jahre lang hatten die Amerikaner derartiges Grauen nur aus weiter Ferne verfolgt. Der Terror fand vor allem in Nahost und Afrika statt, in Asien oder Russland. Die weltweit agierenden Terroristen hatten sich «weiche Ziele» in anfälligen Ländern ausgesucht - die USA mit ihren immensen Sicherheitsmaßnahmen, superstrengen Einreisekontrollen und hochgerüsteten Geheimdiensten blieben verschont.

Als erster sprach laut CNN Vizepräsident Joe Biden von Bomben. Dann überschlugen sich die Nachrichten.  

Bis zum Montagabend nahmen die Behörden zwar das entscheidende Wort Terrorismus offiziell nicht in den Mund. Doch die Gegenmaßnahmen sprechen Bände: Die Flugsicherheit FAA verhängte zeitweise ein Flugverbot über Boston, in Washington wurden die Sicherheitsmaßnahmen um das Weiße Haus und in den U-Bahnen verschärft - das ganz große Besteck, wie es in der Polizeisprache heißt. Obama wurde umgehend informiert und zog sich  mit seinen Sicherheitsberatern ins Oval Office zurück.

Nicht nur die Amerikaner hatten seit dem 2001 in Sachen Terrorismus Glück gehabt - auch Obama selbst. Er konnte Erfolge feiern und ließ Osama bin Laden zur Strecke bringen. Auch ein Erfolg, der ihm zur Wiederwahl im Vorjahr verhalf. Terroristen wurden zudem weltweit mit tödlichen Drohnenattacken unter Druck gesetzt.

Bis zum Abend waren die genauen Hintergründe der Anschläge unklar. Es gab zunächst auch kein Festnahmen. Terrorismusexperten warnten: Falls es ein Angriff einer organisierten Gruppe wie Al-Kaida oder der pakistanischen Taliban gewesen sei, bestehe die Möglichkeit weiterer Angriffe in Boston und anderen größeren Städten, erklärte die Analysten des US-Instituts IntelCenter. Aber es könnte sich auch um inländische Gruppen handeln. Nur eines steht fest: Für Obama steht eine schwere Zeit bevor.  

Twitterfeed der Boston POlizei

Artikel im «Boston Globe»

Video von der Explosion bei Vine

Bericht bei Fox News

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