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Analyse: Alptraum BER

Berlin (dpa) - Die neuerliche Hiobsbotschaft kam buchstäblich aus dem Dunkeln: Die Eröffnung des pannenträchtigen Hauptstadtflughafens Berlin Brandenburg muss tatsächlich schon wieder verschoben werden - zum mittlerweile vierten Mal.

Technikchef des Hauptstadtflughafens Horst Amman
Der Geschäftsführer Technik des Flughafens, Horst Amann. Foto: Bernd Settnik/ Archiv Foto: dpa

Dass nun auch der angepeilte Termin 27. Oktober 2013 nicht mehr zu halten ist, verkündete aber nicht die Flughafengesellschaft. Auch Berlin, Brandenburg und der Bund als Eigentümer blieben vorerst stumm. Nach offensichtlich trügerischer Ruhe über die Festtage sickerte die desaströse Erkenntnis am späten Sonntagabend einfach durch. Das einstige Vorzeigeprojekt entwickelt sich immer mehr zum milliardenteuren Alptraum - Ende ungewiss.

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Völlig überraschen konnte die erneute Notbremsung allerdings auch nicht. Nach immer neuen, hartnäckigen Technik-Schwierigkeiten und monatelang stockenden Arbeiten auf der Großbaustelle in Schönefeld waren die Zweifel am Zeitplan des Flughafen-Managements mehr und mehr gewachsen. Zwischen den Jahren warnte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU): «Der Miteigentümer Bund sieht Anzeichen dafür, dass der Eröffnungstermin am 27. Oktober 2013 möglicherweise nicht gehalten werden kann.»

Bedeutsam scheint eine Ortsbegehung am 18. Dezember gewesen zu sein. Damals hatte sich der als Hoffnungsträger geholte neue Technikchef des Flughafens, Horst Amann, mit Vertretern der Firmen getroffen, die die komplexe Brandschutzanlage installieren und nun nachbessern sollen - sie ist das größte Sorgenkind im Terminal. Nach Informationen der «Bild»-Zeitung schloss Amann noch am selben Tag in einer vertraulichen Besprechung aus, dass es mit einer Eröffnung in diesem Jahr noch etwas werden könne. Hauptproblem: Beim Brandschutz sei abweichend von der Baugenehmigung gebaut worden.

Wie ein neuer Zeitplan aussehen könnte, ist vorerst völlig offen - auch, ob überhaupt noch ein konkreter neuer Termin genannt wird. Denn im Terminal gibt es noch andere Probleme: bei der Kühlung des zentralen Computersystems, bei Rolltreppen, der unterirdischen Betankungsanlage. Amann hatte dies zuletzt aber als «nicht terminkritisch» eingestuft. Die Fluggesellschaften - allen voran Air Berlin, die am neuen Airport mit dem weltweiten Kürzel BER etliche Umsteigeflüge anbieten will - brauchen irgendwann Planungssicherheit. Eigentlich sollte er schon im Oktober 2011 in Betrieb gehen.

Endgültig eng werden dürfte es nun für Flughafenchef Rainer Schwarz. Ramsauer hatte dem Manager bereits ungeschminkt das Misstrauen ausgesprochen, im Aufsichtsrat stützten ihn bisher aber die größeren Flughafengesellschafter Berlin und Brandenburg. Ein neuer Chef brauchte allerdings Einarbeitungszeit. Und auch Ober- Kontrolleur Klaus Wowereit dürfte unter immer größeren Druck geraten. Die Fraktionschefin der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Ramona Pop, kündigte noch für diese Woche einen Misstrauensantrag gegen den Regierenden Bürgermeister an.