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Amore und felicitá

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Viel Musik gibt es in Andreas Gergens Umsetzung von »Viel Lärm um nichts«, die gerade am Salzburger Landestheater zu sehen ist. (Foto: Landestheater/Löffelberger)

Vielleicht sollte man so einige aus dem Ensemble des Salzburger Landestheaters zum European Song Contest schicken. Sie würden dort keine schlechte Figur machen. Der Beweis: Andreas Gergen verordnet Shakespeares »Viel Lärm um nichts« viel, viel, viel Musik.


Das Premierenpublikum hat ihm die Zustimmung nicht versagt zu einem Musik-Sammelsurium vorwiegend aus der Welt des Schlagers, in dem sich andauernd amore auf felicitá reimt. Sogar Verdis »La donna e mobile« wird einmal recht witzig paraphrasiert. Wer also einen heiteren Musikabend anstrebt, darf sich diesmal sehr willkommen fühlen im Landestheater.

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Shakespeare-Stoffe sind schon oft für Musical-Plots verwendet worden. Und Schauspieler im Elisabethanischen Zeitalter waren natürlich auch in der Musik firm. So wie in dieser Aufführung Georg Clementi, der als Gitarrist, Sänger und Schauspieler (in Nebenrollen) mit einer Cellistin die Musik in Gang hält. Das ganze Ensemble macht die Chor-Refrains der Schnulzen. Axel Meinhardt, der den Vater beziehungsweise Onkel der zu verheiratenden jungen Damen spielt, kann auch Saxofon spielen. Das alles hat Schwung und nicht wenig Qualität.

Shakespeare hat es zwischen so viel Musik nicht wirklich leicht, aber erweist sich als widerstandsfähig. Die Handlung selbst greift der Regisseur nicht an, auch wenn er die Geschichte im Cosa-nostra-Milieu ansiedelt. Coole Typen mit Sonnenbrillen tauchen da auf im Dorf. Gott sei Dank nimmt man auch Berufsschurken Liebesgefühle ab.

Claudio (Hanno Waldner) schwärmt also für Hero (Nikola Rudle), wogegen sich Beatrice (Sophie Berner) und Benedikt (Sascha Oskar Weis) Wortgefechte liefern und sich ihre Ur-Sympathie partout nicht eingestehen wollen. Die Intrigen lässt Andreas Gergen lustvoll ausspielen. Benedikt verbirgt sich im Neptun-Brunnen, wenn er vermeintlich geheim das mithört, was ohnedies nur für seine Ohren bestimmt ist. Echte Gerüchte hört man auch mit dem Kopf unter Wasser.

Der Tiefsinn ist nicht beheimatet in dieser Umsetzung von »Viel Lärm um nichts«. Das liegt wohl auch daran, dass Sophie Berner wohl ihrer Gesangsfähigkeiten wegen gecastet worden ist. Was sie als Beatrice zu sagen hat – im Schlagabtausch mit Benedikt nämlich – kommt schon sehr gestelzt daher. Sascha Oskar Weis, als eigenwillige Mischung aus Mafia-Bursche und Dandy, ist sprachlich schon ein anderes Kaliber.

»Der Mensch ist ein wandelbares Geschöpf, und damit ist's gut.« Den Satz aus Benedikts Mund hat man als so wichtig erachtet, dass er gleich auf der ersten Programmheftseite vorkommt. Mit den wandelbaren Geschöpfen ist man im Landestheater nicht so wirklich gesegnet. Von Marco Dott (Don Pedro) über Tim Oberließen (Don Juan), Axel Meinhardt (Leonato) bis Georg Clementi (in vielen Rollen) haben die Zuschauer den Eindruck, dass sie alle irgendwie ganz sie selbst (und sich selbst überlassen) sind auf dieser Shakespeare-Bühne – gute Typen, einer wie der andere, aber ein Schauspiel aus einem Guss ist das nicht. Viel zum Lachen allemal, also ein programmierter Publikumserfolg.

Aufführungen gibt es bis zum 10. Mai, Karten im Internet unter www.salzburger-landestheater.at Reinhard Kriechbaum