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»Am Ende bleibt immer etwas übrig«

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Irene Edenhofer-Welzl zeigt ihr Bild »Traumbild oder ein Sprung ins Wasser?« in Bad Reichenhall.

Vielfältig ist die aktuelle Ausstellung in der Städtischen Galerie im Alten Feuerhaus Bad Reichenhall. Und der Titel »Am Ende bleibt immer etwas übrig« ist zunächst etwas enigmatisch. Er überlässt es dem Betrachter, was für ihn oder sie am Ende übrig bleibt. Das dürfte tatsächlich eine ganze Menge sein, denn die zwölf Teilnehmer der Meisterklasse von Professor Heribert C. Ottersbach »sind keine Anfänger, sie haben jahrzehntelange künstlerische Praxis, sowie Lehr- und Lebenserfahrung«, betont der Kursleiter. »Sie malen aus einer inneren Notwendigkeit heraus.«


Neben der Sprache, der Musik und der Gestik diene auch das Bild der Kommunikation. Und wenn jemandem die Sprache weg bleibe, könne er sich immer noch ein Bild machen. So seien ganz unterschiedliche Werke mit politischen, psychologischen, konzeptuellen oder malerischen Implikationen entstanden, die nicht auf einer von außen gestellten Aufgabe beruhten.

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Heribert Ottersbach und seine Assistentin Sophie Loth gaben den Teilnehmern aus Deutschland, Österreich, Island und der Schweiz, die in unterschiedlichsten Berufen beheimatet sind, nicht nur den künstlerisch wertvollen Rahmen mit Theorie und Praxis, sondern auch den nötigen Freiraum. Diese Ausstellung ist das vierte Modul einer Kursreihe. »Machen Sie sich ein Bild der Gegenwart« stand als Impuls über den vier Modulen. Die Fragestellung dahinter richtete sich auf die Art der Beziehung von Fotografie, Film und digitalen Medien zur Malerei und umgekehrt.

Eindrücklich blickt dem Besucher schon beim Eintreten ein grinsender Donald Trump entgegen, neben ihm – wie die Handpuppe eines Bauchredners – mit roten Rüssellippen ein Schweinchen, dessen Augen und Ohren mit einem Kopfhörer bedeckt sind. Das Wort »Fake« prangt über dem Paar und steht diagonal dem kleiner erscheinenden Wort »real« gegenüber. Die anderen Wörter sind teilweise verdeckt, so zum Beispiel »America«, von dem nur »erica« zu sehen ist. Dementsprechend heißt dieses Bild von Gabriele Riedel »Who the f*ck is erica?«

In der Ausstellung sind auch andere großformatige Bilder zu sehen, die durch die Bewegung ihrer Farben und Formen sprechen. Für Johanna Thorhallsdottir spiegeln diese Werke Musik wider, die aus ihr spreche. Unterhalb steht ein Alltagsgegenstand – ein Stuhl mit seinem Schatten in der Gegenläufigkeit, sowie andere Arten von Spiegelungen von Gisela Fuchs.

An der Körperlichkeit von Bäumen ist Katharina Grünwald interessiert, während das Thema Klimawandel für Hildegard Becker wichtig ist und in ihrem Bild »Aussichten« auftaucht. Renate Keim-Schmahl geht es um räumliche Darstellung. Das Bild werde durch Gegenstände bestimmt, die den Raum spürbar machen, erklärt sie.

Für Roland Milkau geht es nicht um das perfekte Bild, sondern um dessen emotionalen Entstehungsprozess. Von ihm ist ein Selbstbildnis zu sehen sowie die Darstellung einer Teekanne und zweier Thermosflaschen.

Räumlichkeit auf der Fläche einer Leinwand will Bernd Sedlmeier erzeugen. Zwei Bilder von ihm zeigen Teile eines jeweils anderen Abbruchhauses. Während sich auf dem in Blau gehaltenen Bild eine Perspektive nach innen öffnet, wo zerbrochene Betonplatten frei im Raum zu schweben scheinen, zeigt das zweite, vorwiegend in Gelbtönen gemalte, Bild eine Abbruchkante – ein Symbol für den Bruch in unserer Zeit, wie der Künstler erklärt.

Josef Thallinger hat ein gegenständliches Bild des zentralen Busterminals in Wien mit wartenden Reisenden gemalt. Ihn habe die anonyme Betriebsamkeit und die Kommunikationslosigkeit dort angesprochen. Weiterhin begeistern ein Traumbild von Irene Edenhofer-Welzl und »Personen im Boot« von Margarete Baumgartner sowie lyrische Farbstudien in Grau von Silvia Hintermann Huser.

Die Ausstellung in der Städtischen Galerie ist noch bis Freitag täglich von 15 bis 18  Uhr geöffnet. Brigitte Janoschka

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