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Alte Musik in neuem, »blechernem« Gewand

Ein Silvester-Special unter dem Titel »Das alte Jahr legt seinen Mantel ab« präsentierte die an diesem Abend in 5-köpfiger Besetzung angetretene Formation Chiemgau-Brass unter der Leitung von Georg Holzner in der sehr gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS. Holzner, der auch mit launigen Worten durch das Programm führte, und seine Kollegen Josef Neuner (zweite Trompete), Florian Kosatschek (Horn), Uwe Heymann (Posaune) und Michael Nußdorfer (Tuba) boten dabei im ersten Teil unter dem Motto »Ankunft« als Auftakt das Stück »Domine ad adjuvandum« von Claudio Monteverdi, gefolgt von einer »verschlimmbesserten«, wahrlich schrägen Version des Bayerischen Defiliermarschs, der hierzulande ja auch bei jeder Politiker-Ankunft erklingt.

Mut zum Neuen, Ungewohnten bewiesen die fünf Blechbläser von Chiemgau-Brass im NUTS. Foto: Heel)

Passend dazu stand als Nächstes eine sehr gewagte Bearbeitung von »Denn es ist uns ein Kind geboren« aus Georg F. Händels »Der Messias« auf dem Programm, ein Stück, das normalerweise nach einem Massen-Chor und vielen Streichern verlangt, aber auch blechern interpretiert seinen ganz eigenen Reiz hatte. Dass man selbst einem Weihnachtslied wie »Jingle Bells«, das man eigentlich gar nicht mehr hören mag, neue (und vor allem ungewohnte) Töne abgewinnen kann, bewiesen die fünf Musiker mit einer Version, die Holzner als »Schiene Apokalypse Moik« bezeichnete. Sehr ansprechend auch Mozarts Alleluja aus »Exultate Jubilate« in der Bearbeitung von Josef Neuner, ursprünglich geschrieben für Kastraten und Orchester. Und mit Einführungen zu Leporello, Don Ottavio und Don Giovanni bekamen drei Figuren aus »Don Giovanni« ihr musikalisches Gesicht, ebenso die Kokotte Musetta aus »La Bohème« mit »Musettas Walzer«.

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Nach der Pause ging es mehr in Richtung jazzige Gefilde, zunächst mit »Just A Closer Walk«, einem traditionellen Gospelsong, gefolgt von Henry Mancinis unverwüstlichem »The Pink Panther«. Mit »The Livery Stable Blues« erklang dann ein Traditional aus dem Jahr 1917, das erste Musikstück übrigens, das auf Schellackplatte herausgekommen ist. Nach »High Society«, einem schnellen, jazzigen Marsch von 1901, kam mit »España Cañí« noch ein spanischer Zigeunertanz, der Elemente des Stierkampfs und des Flamencos in sich vereint, zur Geltung, ehe zum Abschluss mit »The Saint's Halleluja« der Klassiker »The Saints go marchin' in« geschickt mit Händel verwoben wurde. Zwei Zugaben rundeten das Programm ab, bei dem Holzner zwischendurch mit amüsanten Geschichten das Publikum zusätzlich unterhielt.

Kurzum, ein überaus unterhaltsamer Abend, der wieder einmal klarstellte, dass alte Musik in neuem, »blechernem« Gewand noch immer gut ankommt. Wolfgang Schweiger