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»Alpine Pearls« vor ungewisser Zukunft

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Für sanften Urlaub in den Alpen werben die »Alpine Pearls« auf ihrer Homepage. Dennoch ist vielen nicht klar, was die Kooperation genau macht. (Screenshot: Ulli Kastner)

Berchtesgaden – Nachhaltige Tourismusangebote sind das Markenzeichen der »Alpine Pearls«. Wie nachhaltig die 2006 gegründete Kooperation von 19 Tourismusgemeinden aus fünf Alpenstaaten aber selbst ist, wird sich bald zeigen. Erste Diskussionen über den Sinn einer weiteren Mitgliedschaft machen aktuell die Runde.


Auch in der Marktgemeinde Berchtesgaden, die zu den Gründungsmitgliedern gehört, will man bald einmal über die Zukunft der Organisation reden. Noch jedenfalls bekennt man sich zu den »Alpine Pearls«. Der Gemeinderat beschloss nämlich am Dienstag einstimmig, am Europäischen Verbund für territoriale Kooperation »EVTZ Alpine Pearls mit beschränkter Haftung« teilzunehmen. Dabei handelt es sich um eine Rechtsform, mit der man künftig Fördergelder abrufen kann. Auf bisheriger Vereinsebene ging das nicht.

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Von den 19 »Perlen der Alpen« gibt es nur zwei in Deutschland: Berchtesgaden und Bad Reichenhall. Gegründet wurde die Organisation 2006 von damals 17 Mitgliedsorten. Dies war eines der Ergebnisse der zwei EU-Projekte Alps Mobility und Alps Mobility II. Beide gehen auf die Initiative des Österreichischen Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft zurück. Der Schwerpunkt lag hier auf der Schaffung innovativer, nachhaltiger und klimaschonender Tourismus-Angebote. Von 2007 bis 2016 wurden weitere neue Mitglieder aufgenommen, die auf sanften Tourismus, Klimaschutz und nachhaltigen Urlaub setzen. Zielsetzung ist die Förderung der Mobilität: den Gästen die Möglichkeit der autofreien An- und Abreise und die einfache Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel vor Ort sowie weitere klimaschonende Urlaubsangebote zu bieten. Die Mitglieder erfüllten Qualitätskriterien, wie verkehrsberuhigte Ortskerne, Transferservices, umweltfreundliche Freizeitangebote, Mobilitätsgarantie ohne Auto und ökologische Mindeststandards.

Dass die »Alpine Pearls« trotz gut klingender Absichten seit einiger Zeit in der Kritik stehen, weiß auch Bürgermeister Franz Rasp. Zu wenig hat man in den letzten Jahren von der Kooperation gehört, die Aufgabenstellung ist nicht klar definiert. Deshalb betonte auch Rasp am Dienstag: »Wir sollten der Gründung des europäischen Verbunds EVTZ jetzt zustimmen, unabhängig davon, wie wir die Organisation aus touristischer Sicht weiterführen. Mit dem Sinn einer weiteren Mitgliedschaft wird man sich in der TRBK auseinandersetzen müssen.« Schließlich müssten die Touristiker entscheiden, ob man die »Alpine Pearls« mit Leben erfüllen kann.

Keinen Hehl machte Hans Kortenacker (Bürgergruppe) aus seiner ablehnenden Haltung: »Von den Alpine Pearls und ähnlichen Zusammenschlüssen halte ich wenig.« Er stimme der Gründung der EVTZ jetzt zwar zu, »ich will aber bald wissen, was die eigentlich genau machen und wo das Budget und die Mitgliedsbeiträge hinfließen«. Nach Ansicht Kortenackers handelt es sich bei den »Alpine Pearls« um einen »zahnlosen Tiger«, die TRBK sollte deren Wirken kritisch hinterfragen.

Verständnis für die Kritik Kortenackers signalisierte Grünen-Gemeinderat und TRBK-Vorsitzender Dr. Bartl Wimmer. Man sei einige Mitgliedschaften eingegangen, deren Sinn man nicht unbedingt erkennen könne. Immerhin wisse man, dass es dabei um sanfte Mobilität gehe. Man müsse zeitnah zu einer Entscheidung kommen, wie es mit der Mitgliedschaft bei den »Alpine Pearls« weitergehe und wer die Federführung bei den zu bewältigenden Aufgaben übernehme.

Ähnlich sah es Rosemarie Will (Grüne). Sie wollte genauere Auskunft darüber, was von den »Alpine Pearls« in den vergangenen 15 Jahren in Angriff genommen wurde. Doch eine Grundsatzdebatte über die Aufgaben und die Zukunft der »Alpine Pearls« beziehungsweise über die weitere Mitgliedschaft wollte Bürgermeister Franz Rasp zum aktuellen Zeitpunkt nicht führen. »Das sollten wir machen, wenn wir die Unterlagen haben.«

Ulli Kastner

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