weather-image
21°

Alpenpark-Maut zugunsten der Alten Saline

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Die Stoiber-Rolle spielt Wolfgang Krebs bis zur Perfektion und sorgte damit für viele Lacher beim begeisterten Publikum im Magazin 4. (Foto: Mergenthal)

Wolfgang Krebs ist bekannt als Stoiber-Imitator mit geschliffener Polit-Satire: Im gut besetzten großen Saal im Magazin 4 unterzog er seine oft vor Lachen brüllenden Zuschauer in seinem Programm »Können Sie Bayern?« einer Art »Bayern-TÜV«. Krebs hat dabei den Puls an der Zeit und an seinem Gastort, den er immer wieder mit Aussprüchen rund ums Salz neckte.


Die Grundidee ist schlicht, aber wirkungsvoll. Es gibt zwei Aktionsräume, einen auf der Bühne vor einer riesigen Bayern-Fahne und einen hinter den Kulissen. Dort trifft die parodistische Dreifaltigkeit der bayerischen Ministerpräsidenten – Stoiber, Beckstein und Seehofer – auf den kracherten Provinz-Lobbyisten Schorsch Scheberl, der zum Prüfungsbeauftragten ernannt wird und in einer scheinheilig-derben Beerdigungsrede zeigt, wie’s im echten Bayern zugeht. Aber auch Söder, Merkel und der eifrig bei den Damen in der ersten Reihe rote Rosen einsammelnde und rote BHs schwenkende Allgäuer Schnulzenschlagersänger Meggy Montana geben ihr Stelldichein.

Anzeige

Immer tritt nur eine Person dieses illustren Zirkels aus dem unsichtbaren Off heraus vor die Fahne. Der »Star« unter den parodierten Typen ist ganz klar der Ex-Ministerpräsident »aus Hausratswolfen, ähhhh, Ratshauswolfen, ähhh.... Sie wissen schon«. Die Stoiber-Rolle spielt Krebs bis zur Perfektion – mit fahriger Gestik, virtuosen Wortverdrehungs-Jonglagen und explosiven Redeschwall-Kaskaden, bei denen der eloquente Redner von einer Doppeldeutigkeitsfalle in die nächste tappt.

So rezitiert der Stoibmund Eder (»Das ist mein Pseudonym«) einen selbst gedichteten »Poetry Schlamm« über Mehdorns verwaisten halb fertigen Flughafen in der Landeshauptstadt. Und lässt seiner Wut über die Berliner Politik freien Lauf: »....damit ihr da oben einen Flughafen bauen könnt, der wahrscheinlich unter Denkmalschutz gestellt wird, bevor er ans Netz geht!«

Unentwegt geht das so dahin. Als Horst-Seehofer-Double verspricht Krebs blühende Landschaften ohne Stromtrassen und Pumpspeicherkraftwerke, verrät, dass er die über die Modellauto-Affäre gestolperte Sozialministerin Haderthauer gern behalten hätte »wegen ihres enormen Unterhaltungswerts« und eröffnet seine neuen Pläne zur Online-Wahl per Handy. »Da drücken Sie auf ihr Blackberry, und dann wird das Ergebnis sofort an die NSA weitergeleitet.«

Die Kunst, mit viel Wortgebrabbel nichts zu sagen, und auch des Landesvaters komische tiefe Lacher zelebriert der Krebs-Seehofer bis zum Exzess, doch keine Rolle des Abends reicht an die Perfektion des Stoiber-Doubles heran.

Dennoch belustigen die nächtlichen Suff-Eskapaden des Schorsch Scheberl, der sich über die »super Ökobilanz« der Passivhausbesitzer in der Siedlung amüsiert, die 50 000 Kilometer zum Arbeitsplatz pendeln, und seine Strategie gegen die Stadtflucht der jungen Generation nach dem Abi: ein Bierzelt, wo die Jugend von Freitagmittag bis Montagfrüh für einen Euro bis zum Abwinken trinken kann.

Beckstein bringt einen mit seinem fränkischen Selbstmitleid fast zum Heulen, während Finanzminister Söder einem Zuschauer zeigt, wie er Bewegung in sein langweilig statisches Konto bringt. Doch die »Lady Gaga der bayerischen Politik« (Stoiber) steckt sie alle in die Tasche: »Als ich Ministerpräsident war, sind wir Papst geworden. Seit ich der FC Bayern bin, ist der FC Bayern Weltmeister.« Er inszeniert ein Kabarett im Kabarett und nimmt am Ende allen den bestandenen Bayern-Test ab. Vorher verrät er noch, dass die Soleleitung von 1619 der »Transrapid der Salzwirtschaft« war, und wie seine Variante für die Pkw-Maut aussieht: Bayern und Tirol bilden einen Alpenpark bis zum Gardasee. Holländer und Preußen zahlen künftig 100 Euro, wenn sie in diesen hineinfahren – zugunsten der Alten Saline in Bad Reichenhall. Veronika Mergenthal