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»AlpenKlassik« mit Arien, Cello- und Klavierkonzert

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Michael Endres spielte trotz aller Finessen das Konzert mit Leichtigkeit und transportierte viel Energie, die er auch auf die Saiten des Flügels brachte. (Foto: Bauregger)

Es ist bereits Tradition, dass die Festwoche »AlpenKlassik«, die in diesem Jahr zum dritten Mal in der Alpenstadt Bad Reichenhall stattfindet, von Dozenten der gleichzeitig für Nachwuchstalente angebotenen Summer School eröffnet wird.


Mit Wolfgang Boettcher am Violoncello, Daphne Evangelatos als Mezzosopran und Michael Endres am Klavier zeigten drei der insgesamt sechs eingesetzten Dozenten, welch hohe Qualität und Kompetenz hierbei internationalen Nachwuchsmusikerinnen und -musikern zur Verfügung steht. Die Konzertbesucher freute es, denn sie bekamen an diesem Abend hochklassige, virtuose Musik und ausdrucksstarken Gesang zu hören. Die ansprechende Moderation übernahm Prof. Dr. Bernd Redmann, Präsident der Hochschule für Musik und Theater in München und einer der Künstlerischen Leiter der Festwoche.

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Philharmonie und Boettcher agieren beeindruckend

Für Prof. Dr. Bernd Redmann ist der Komponist Ernst von Dohnányi ein verborgenes Juwel, »denn er erfand seine eigene Tonsprache, ohne nach Stimmungen der Zeit zu fragen«. Im Konzertstück für Cello und Orchester D-Dur op. 12 platziert er das Hauptthema gleich zu Beginn. Geprägt ist die Komposition von langen, ausdrucksvollen Cantilènen und verführerischer Klanglichkeit.

Als Solist widmete sich Wolfgang Boettcher dem Cellokonzert zusammen mit der Bad Reichenhaller Philharmonie unter Leitung von Christoph Adt. Fein und ruhig leitete die Philharmonie das Konzertstück ein – mit einem satten, strahlend tiefen Celloton stieg Boettcher ein. Man sah, wie der Solist mit dem Stück verschmolz, gleichzeitig aber aufmerksam die Intonation des Orchesters verfolgte. Anfangs schien es, als müsse er sich gegen das Klangvolumen des Orchesters durchsetzen. Christoph Adt verstand es aber vorzüglich, die geforderte Zurückhaltung und Balance zwischen der Philharmonie und dem Solisten herzustellen, ihm eine tragende Klangbasis zu bieten und gemeinsam mit ihm fein oder beeindruckend dynamisch zu agieren.

Boetcher verstand es seinerseits virtuos, Herausforderungen wie schnelle Triolenläufe, lang gezogene Töne, Triller oder anspruchsvolle Harmoniewendungen über das ganze Spektrum des Tonumfanges technisch sauber, mit einem sicheren Bogenstrich, umzusetzen. Betörend sicherlich auch der hörenswerte, wundervolle lyrischen Solopart. Mit einem gläsern klingenden, hohen Celloton klang das Stück fein in den Klangraum der Konzertrotunde aus.

Mit vier ausgewählten Opernarien trat danach die Mezzosopranistin Daphne Evangelatos auf die Bühne. Beim Eröffnungskonzert trug sie die Arie des Orfeo »De farò senza Euridice« aus der Oper »Orfeo ed Euridice« von C.W. Gluck, die Arie des Cherubino »Voi che sapete« aus »La nozze di Figaro« von W.A. Mozart, die Arie der Charlotte »Va! Laisse couler mes larmes« aus »Werther« von J. Massenet und schließlich die Arie der Carmen »Habanera – L‘amour es tun oiseau rebelle« aus »Carmen« von G. Bizet vor.

Die Sängerin verstand es, mit einer unaufgeregten, durch Anpassung an den jeweiligen Inhalt, ausdrucksstarken Körpersprache, Gefühle und Empfindungen, mit schauspielerischer Finesse, trefflich ins Publikum zu transportieren und mit diesem zu erleben. Beeindruckend auch das sehr homogene Timbre der Stimme über alle Tonlagen hinweg, das wunderbare Tremolo, die klare Artikulation und das Volumen ihres Klangraumes, den sie kräftig – wenn es sein musste auch gegen dynamische Anschwellungen des Orchesters – einsetzte.

Ein weiteres, faszinierendes Klangbild schuf zum Abschluss des Konzertes die Bad Reichenhaller Philharmonie zusammen mit dem Klaviervirtuosen Michael Endres beim Vortrag des Konzerts für Klavier und Orchester Nr. 4 C-Dur op. 58 von Ludwig van Beethoven. Beethoven wollte mit dem Klavierkonzert Nr. 4 nicht zuletzt seine brillanten, pianistischen Fähigkeiten eindrucksvoll demonstrieren. Für Prof. Michael Endres sicher eine solistische Herausforderung, die der Ausnahmepianist in einer virtuosen Brillanz und einer betörenden Leichtigkeit problemlos löste.

Endres transportierte durch eine kräftige, sehr präsente Körpersprache viel Energie, die er mit sauberen Trillern, sprudelnden Läufen und brilliant geführten Gegenläufen in beiden Händen wirkungsvoll über die Tastatur auf die Besaitung des Konzertflügels brachte.

Musiker und Solisten treiben sich zu Höchstleistungen

In genialer Weise trieben sich die Musikerinnen und Musiker, der Dirigent Christoph Adt und der Solist gegenseitig zu Höchstleistungen, ergötzten sich in wuchtigen Dynamiksteigerungen oder verschmolzen in filigraner Art und Weise zu lieblichen oder melancholischen Klängen. Überzeugend wirkte bei allen Finessen auch die Leichtigkeit, mit denen die Finger des Solisten wahrlich über die Tastatur flogen.

Ein Hochgenuss war auch das Orchester, die Spielfreude, Konzentration und Feingefühl der Musikerinnen und Musiker. Sichtlich wohl fühlte sich an seiner ehemaligen Wirkungsstätte Christoph Adt, der in genialer Weise die Fäden in der Hand hielt, die Orchestermitglieder zu Höchstleistungen führte und ein homogenes Ganzes mit den Solisten herstellte. Alles in allem ein prickelnder Hörgenuss, für den sich das Konzertpublikum mit anerkennendem, kräftigem Applaus bedankte. Werner Bauregger