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Alles Dank – und doch noch eine Bitte

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Zwei Soprane für Mendelssohns »Lobgesang« (v. l.): Eva Maria Amann und Anne Reich. (Foto: Gärtner)

Mit einem gewöhnlichen Konzert wollte sich Wolfram Heinzmann, Gesamtleiter einer sehr gut besuchten Musiksommer-Aufführung in der Stiftskirche Baumburg, scheinbar nicht zufrieden geben; betitelte er doch seine inspirierte Einstudierung zweier geistlicher Kompositionen von Felix Mendelssohn Bartholdy mit dem Adam-Gumpelzhaimer Chor samt Orchester und Solisten ausdrücklich als »festliches Kirchenkonzert«.


Festlich gestimmt war wohl jeder Besucher – ob er das mit geschlossenen Augen, gesenktem Haupt oder beiden Händen im Schoß zum schweigenden Ausdruck brachte. Erst als das zweite, weitaus umfangreichere Werk, die »Sinfoniekantate für Soli, Chor und Orchester«, MWV A 18, mit vorausgehender »Sinfonie« Nr. 2 B-Dur op. 52, vom Komponisten schlicht »Lobgesang« überschrieben, verklungen war, brach Beifall los – und zwar nicht wenig.

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In den »Lobgesang«, den die Künstler in der Apsis aus voller Kehle und mit robust befeuerten Instrumenten gen Kuppel sandten, konnte man als Zuhörer nichts als beipflichtend einstimmen. Leider fand man sich seitens der Kirchenverwaltung, durch wackelige Erklärung liturgischen Anspruchs des Kirchenraums durch einen Sprecher im Freizeitlook im Vorfeld begründet, nicht bereit, den störenden Volksaltar und ein zusätzlich davor aufgebautes Bibellese-Pult für die anderthalb Stunden Konzertdauer zu entfernen. Hätte der Chor den vorderen, den Kirchenbänken nahen Teil des Altarraums einnehmen dürfen, wär's wohl nicht zu den hörbaren Ermüdungserscheinungen gekommen, was keineswegs nur die Frauenchorstimmen betraf.

Heinzmanns Auffassung eines überschwänglichen, kraftvollen, bekennerhaften »Alles zur Ehre Gottes«, wie der Barockstuckateur es über den Apsis-Bogen schrieb, legte sich in beide Vokal- und Instrumental-Vertonungen des jungen Mendelssohn Bartholdy – in die zu Anfang erklungene halbstündige sogenannte Psalmkantate mit dem Textanfang »Wie der Hirsch schreit« (MWV A 15) nicht weniger als in den fast dreimal so langen »Lobgesang«. Dem wendigen Chor, dem erstaunlich kompakten Orchester, auch den drei Solisten ist, unter der sicheren Stabführung Wolfram Heinzmanns, für eine rundum geglückte Aufführung zu danken, die den im katholischen Metier oft vernachlässigten, in und um Trostberg jedoch schon länger (etwa mit einer beachtlichen »Paulus«-Interpretation vor wenigen Jahren) gepflegten Mendelssohn Bartholdy feierte: an erster Stelle der an die Güte einer Emmy Amelung erinnernden, vollendet rund und schön singenden gebürtigen Trostbergerin Eva Maria Amann, dicht gefolgt von dem aus München engagierten souveränen Tenor Rudolf Haslauer mit Opern- und Gärtnerplatztheaterchor-Erfahrung, wozu sich Anne Reich als 2. Sopran gesellte.

Also: alles Dank – und doch noch eine Bitte: die Trostberger Mendelssohn-Pflege in dieser Weise und mit diesem hohen Anspruch fortführen! Die lautere Frömmigkeit seiner geistlichen Musik ist, wie man mehrfach erleben konnte, auch oder gerade der Begeisterung von Laien – ob aktiv oder passiv – förderlich. Hans Gärtner