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Abteilungsleitung ist in vielen Ministerien Männersache

In vier der neun bayerischen Ministerien stehen Frauen an der Spitze. Ein ziemlich ausgeglichenes Geschlechterverhältnis. Auf den Ebenen darunter dominieren aber Männer. Das sorgt für Kritik aus der Opposition.

Eine Frau zwischen mehreren Männern
Eine Frau zwischen mehreren Männern. Foto: Rainer Jensen/Archiv Foto: dpanitf3

München (dpa/lby) - Abteilungsleitung ist eine Männerdomäne - das gilt für einen Großteil dieser Stellen in den bayerischen Ministerien sowie der Staatskanzlei. Nur 20 von 91 Abteilungen werden von Frauen geführt, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in München ergab. Das entspricht einer Quote von 22 Prozent. Demnach arbeitet im Landwirtschaftsministerium keine einzige Abteilungsleiterin. Am höchsten ist der Frauenanteil auf dieser Position im Innen- und im Umweltministerium mit jeweils einem Drittel.

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Sozialministerin Emilia Müller (CSU) sagte der dpa: «Die Gleichstellung von Frauen und Männern im öffentlichen Dienst in Bayern befindet sich auf einem guten Weg.» Um die Führungsquote weiter zu erhöhen, habe jedes Ressort für seinen Geschäftsbereich Zielvorgaben entwickelt. Diese sollten bis Ende 2020 erreicht werden. Zu den konkreten Zielen äußerte sich Müller aber nicht. 

«Der Fortschritt ist eine Schnecke, es tut sich nur langsam was», monierte hingegen die frauenpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag, Verena Osgyan. Insbesondere die Führung in Teilzeit finde bisher wenig Beachtung. Um höhere Frauenquoten durchzusetzen, fordert Osgyan Sanktionsmöglichkeiten im Bayerischen Gleichstellungsgesetz.

Für Simone Strohmayr, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, zeigen die Zahlen, dass eine verbindliche Quote dringend notwendig sei. «Sonst verändert sich diese Situation in den nächsten hundert Jahren nicht.» Es sei zu bezweifeln, dass die Zahl der Frauen in Führungspositionen steige, wie der jüngste Gleichstellungsbericht feststelle, den das Sozialministerium 2016 vorgestellt hat.

Aus dem Papier geht hervor, dass der Frauenanteil in Führungspositionen in der bayerischen Verwaltung zuletzt bei gut 37 Prozent lag. Darin sind allerdings drei Ebenen - Amtschefs, Abteilungs- und Referatsleiter - zusammengefasst. Die Daten sind aus dem Jahr 2012, sie werden nur einmal pro Legislaturperiode erhoben.

Zudem heißt es in dem Bericht: «Je niedriger die Führungsebene, desto höher liegt der Anteil der Frauen.» Dass der Frauenanteil im öffentlichen Dienst insgesamt deutlich höher ist, zeigt eine Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der SPD-Fraktion aus dem Jahr 2015: Damals lag er bei mehr als 54 Prozent.

Zur Einordnung: In vier der neun bayerischen Ministerien sitzen Frauen auf dem Chefsessel. Das sind neben Müller Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, Umweltministerin Ulrike Scharf und Gesundheitsministerin Melanie Huml. In der Staatskanzlei arbeiten neben Regierungschef Horst Seehofer die Staatsminister für Bundesangelegenheiten, Marcel Huber, und Europaangelegenheiten, Beate Merk (alle CSU). Die Staatssekretäre sind allesamt Männer.

Gleichstellungsbericht Sozialministerium

Antwort auf Anfrage der SPD-Fraktion

SPD-Gesetzentwurf neues Gleichstellungsgesetz

Grünen-Statement zum Thema Gleichstellung

Gleichstellungsgesetz