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Absturz auf dem Kederbacherweg

Schönau am Königssee – Ein Großaufgebot an Rettungskräften war gestern Nachmittag in der Watzmann-Ostwand unterwegs, um einen verletzten Bergsteiger zu bergen. Der Mann war den Angaben seines Begleiters zufolge irgendwo oberhalb des Schöllhorneises (etwa 1 600 Meter Meereshöhe) rund 20 Meter abgestürzt und wartete schwer verletzt auf Hilfe. Wegen des Nebels war eine Hubschrauberbergung nicht möglich. Bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegen 17 Uhr hatten die Einsatzkräfte die in Bergnot geratene Seilschaft noch nicht erreicht. Vermutlich zog sich der Rettungseinsatz bis in die Nacht hinein.

Mit umfangreicher Ausrüstung begaben sich die Rettungskräfte gestern von St. Bartholomä aus in den Einsatz. Foto: BRK BGL

Gegen 13.50 Uhr war der Notruf aus dem sogenannten Kederbacherweg eingegangen. Die Leitstelle Traunstein alarmierte daraufhin sofort die zuständige Bergwacht Berchtesgaden, die zur Unterstützung für einen aufwendigen, bodengebundenen Einsatz die Nachbarbereitschaften aus Marktschellenberg und Ramsau nachforderte, da ein direkter Anflug der Unfallstelle per Hubschrauber wegen der tief hängenden Wolken nicht möglich war.

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Die Besatzung des Salzburger Notarzthubschraubers »Christophorus 6« versuchte gegen 14.45 Uhr noch, ihren Notarzt und den Einsatzleiter so nah wie möglich an der Unfallstelle abzusetzen, kam aber nur bis zur Kapelle Johann und Paul unterhalb der Eiskapelle durch. Die BRK-Wasserwacht brachte am Nachmittag im Pendelverkehr Einsatzkräfte und Ausrüstung, darunter auch ein All-Terrain-Vehicle (ATV), mit ihrem Rettungsboot von der Seelände über den Königssee nach St. Bartholomä. Die Bergretter, darunter auch zwei Bergwacht-Notärzte, mussten von dort aus bei schwierigen Verhältnissen mit umfangreicher Rettungsausrüstung zu Fuß über den Kederbacherweg zur Unfallstelle aufsteigen. Bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe gegen 17 Uhr befanden sich die Rettungskräfte kurz unterhalb des Schöllhorneises.

Der Kederbacherweg wird in der Regel nur im Frühsommer begangen, wenn das Schöllhorneis noch mit Schnee bedeckt ist und die Randkluft noch gut überwindbar ist. Gleich darüber schließt sich die Schlüsselstelle der Tour, die Schöllhornplatte, an. Hier ist Kletterei im vierten Schwierigkeitsgrad erforderlich, zudem ist der Fels oft unangenehm nass. Zahlreiche Unfälle haben sich hier seit der Erstbegehung im Jahr 1881 bereits ereignet. Wo sich der Unfall genau ereignet hatte, war bis zum frühen Abend nicht bekannt. Ulli Kastner/Markus Leitner