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»A jed's hat amoi an Blues«

Zwei, drei Songs genügen und man weiß, der Schorsch macht nicht auf Blues, weil ihm sonst nichts einfällt, sondern er hat sich dieser Musik verschrieben, weil der Blues seinem Lebensgefühl entspricht. Und man weiß auch, dass er ein verdammt guter Songschreiber und Sänger ist, dem es spielend gelingt, dieses Gefühl auf ganz eigene, auf so ehrliche wie unwiderstehliche Weise auszudrücken. Jedenfalls glaubt man ihm aufs Wort, wenn er singt: »Da Blues is bei mir ei'zog'n, nix is mehr wia zuvor, aber irgendwie kimmt a ma vor wia a guader oider Freind«.

Haben den Blues: Ferdl Eichner (l.) und Georg »Schorsch« Hampel im NUTS. (Foto: Heel)

Bleibt jetzt nur die Frage, wie der Schorsch, der mit vollem Namen Georg Hampel heißt, zu solch erdigem, authentischem Blues gekommen ist, zumal der gebürtige Münchner nie am Mississippi war. Sicher, (Rock-)Musik hat er schon seit den frühen siebziger Jahren gemacht, etwa mit seiner Band »Gantenbein«, aber so richtig auf den Geschmack kam er erst, als er neben seiner Tätigkeit als Taxifahrer begann, Oskar Maria Graf und Lion Feuchtwanger zu lesen und, inspiriert davon, Songtexte in bairischer Mundart zu schreiben. Da sprang der Funke über und zog der Blues bei ihm ein. Und hat ihn seitdem fest im Griff.

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2003 war es dann endlich soweit, stellte der Schorsch seine Bagasch zusammen, wobei ihm nur die Besten gut genug waren, wie man jetzt bei seinem begeistert aufgenommenen Gastspiel in der Traunsteiner Kulturfabrik NUTS erleben konnte. So hatte er mit Ferdl Eichner einen wahren Virtuosen an der Mundharmonika bei sich, sorgten Dominik Schindlbeck am Bass und Schlagzeuger Thomas Bittner für ausgewogenen Rhythmus und Drive, gefühlvoll ergänzt von Klaus Benz an den Keyboards.

Besonders gefiel mir dabei, dass er mit Liedern wie »Mit offene Knia« oder seinem »Sekänd Händ Blues« immer wieder persönliche Erfahrungen verarbeitet hatte, Geschichten aus dem Alltag, in denen sich viele wieder erkannt haben dürften. Oder wenn er davon erzählte, wie ihm geraten wurde, erstmal den Taxischein zu machen, sollte er vorhaben, Profimusiker zu werden. Sehr schön und persönlich geraten waren auch seine Coverversionen, da wurde aus Robert Johnsons »Walkin' Blues« der »Wander-Blues« und der Canned Heat-Klassiker »Going up the country« mutierte zum »Aufs Land raus«.

Kein Wunder also, dass der Schorsch mit seiner Bagasch mittlerweile weit über Bayern hinaus bekannt ist und auch zahlreiche Auftritte im »hohen Norden« hat. Seit einiger Zeit begleitet er auch den Krimiautor Friedrich Ani bei Lesungen, wovon es eine Doppel-CD gibt. Wer noch mehr über den Schorsch erfahren möchte, dem sei sein Porträt in der Sendereihe »Lebenslinien« des Bayerischen Rundfunks empfohlen, das in der BR-Mediathek noch abrufbar ist. Ansonsten können wir nur hoffen, dass er bald mal wieder im NUTS auftritt, und dann hoffentlich vor ausverkauftem Haus. Wolfgang Schweiger