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Über Sinn und Unsinn von Wohnraumschaffung auf der grünen Wiese

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In der Stangerötz könnte die Zahl der Wohnbauwerks-Wohnungen durch größere Ersatzbauten verdoppelt werden.

Bischofswiesen – Der Wohnungsdruck im gesamten Talkessel ist mittlerweile so groß, dass die Gemeinde Bischofswiesen auf einer Teilfläche des Ganghoferfelds rund 50 Wohneinheiten für Einheimische schaffen will (zum Bericht). Bei der Vorstellung der Planungsstudie am Dienstag im Gemeinderat zeichnete sich ab, dass die Mehrheit der Lokalpolitiker hinter den Plänen steht. Massive Ablehnung kommt von der UBB und den Grünen.


Laut Gemeinderat Paul Grafwallner begrüßt die UBB sogenannte Innenraumverdichtungen wie im Burgergraben, wo derzeit 70 Wohnungen entstehen. Dasselbe gelte für das Projekt Stangerötz, wo die Gebäude des Wohnbauwerks größeren Ersatzbauten mit mehr Wohnungen Platz machen könnten. Kein Verständnis aber habe er für die Bebauung des Ganghoferfeldes: Dort sei vor 22 Jahren die Errichtung eines Gewerbegebiets abgewendet worden, das sich jetzt auf dem Pfaffenfeld in allerbester Lage befinde. Und nun solle auf dem Ganghoferfeld in schlechter Lage ein Wohngebiet entstehen – »Ironie der Historie«.

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Grafwallner erinnerte unter anderem an die Ziele der Staatsregierung, Flächen zu sparen, an die Forderungen des Volksbegehrens Artenschutz und an die »Fridays for Future«-Demonstrationen. Das geplante Baugebiet sei im Norden und im Westen von Biotopen umrundet und solle auf einer Extensivwiese angelegt werden, kritisierte Grafwallner. Dazu komme die Zersiedelung der Landschaft.

Auch Michael Sturm von den Grünen hatte gegen eine Nachverdichtung nichts einzuwenden. Die Ausweisung von neuem Bauland auf der grünen Wiese in Engedey hält Sturm jedoch für falsch, was auch Städteplanungsbüros bereits ähnlich bewertet hätten. »Es geschieht in Sachen Wohnraumbeschaffung ohnehin viel in der Gemeinde, aber man muss nichts übertreiben«, betonte Sturm, der von einem »traurigen Tag für Bischofswiesen« sprach. Denn bald habe die Gemeinde eine Wiese weniger. So bleibt dem Grünen-Gemeinderat für den Fall, »dass das Projekt durch ist«, nur der Wunsch, dass einige Bischofswieser ein Bürgerbegehren initiieren.

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Hier auf dem Ganghoferfeld soll nach dem Mehrheitswunsch im Gemeinderat Bischofswiesen ein Wohnbauprojekt für Einheimische entstehen. (Fotos: Kastner)

Dass ein immenser Wohnungsbedarf in der Gemeinde nicht abzustreiten sei, hob Sepp Angerer (SPD) hervor. Deshalb stehe er zu dem Projekt, auch wenn nicht alle Anwohner dafür seien. »Es gibt aber halt kein Recht auf freie Aussicht«, betonte Angerer. Die SPD-Fraktion sei zwar für die Ausweisung für Bauland auf dem Ganghofergebiet. Die Ausweisung einer zweiten Fläche als Bevorratung für eine spätere Bebauung lehne man ab.

Die Gründe für eine Ablehnung der Ganghoferfeld-Bebauung konnte 2. Bürgermeister Thomas Resch (Freie Wähler) durchaus nachvollziehen. Immerhin taste man dort eine grüne Wiese an. Seine Fraktion könne das Projekt aber mittragen, wenn man dort als Kompromiss ein Einheimischenmodell plane und es außerdem beim ersten Bauabschnitt belasse. Resch: »Ich will nicht, dass das ganze Feld verbaut wird.«

Bernhard Heitauer (CSU) erinnerte an »die Dramen, die sich im Gemeinderat bei der Vergabe von sozialem Wohnraum« abgespielt hätten. So etwas wolle er nicht mehr erleben. »Wenn nicht wir erschwingliche Wohnungen bauen, wer soll es denn dann tun?«, fragte Heitauer in die Runde.

»Man kann nicht die Früchte der guten gewerblichen Entwicklung ernten, ohne entsprechenden Wohnraum für die Beschäftigten der Betriebe zu schaffen«, bekräftigte Hans Metzenleitner (SPD). Der erwähnte, dass beim Wohnbauwerk im gesamten Landkreis rund 300 Wohnungssuchende gelistet seien. Und das Ganghoferfeld sei aktuell die einzige Möglichkeit zum Expandieren.

Ludwig Hochreiter (CSU) erinnerte daran, dass der Gemeinderat damals einstimmig rund 60.000 Quadratmeter landwirtschaftliche Nutzfläche für ein Gewerbegebiet geopfert habe. Das jetzt diskutierte Gebiet auf dem Ganghoferfeld sei viel kleiner und dennoch gebe es Ablehnung. Die Gegner sollten sich daran erinnern, dass teilweise auch ihre eigenen Häuser und Wohnungen auf früherem landwirtschaftlichem Grund stehen würden. »Es ist nicht schön, eine grüne Wiese zuzubauen. Zum Wohl der Bürger müssen wir es aber machen«, betonte Hochreiter.

»Aber wohin soll die Spirale noch gehen?«, fragte sich Sepp Stangassinger (UBB). Es habe ja niemand etwas gegen die Leute, die dort Baugrund erwerben wollen, aber man mache sich wegen der zunehmenden Verbauung der Landschaft Sorgen.

Wie berichtet, nahm der Gemeinderat schließlich die Planungsstudie zur Kenntnis. Man beauftragte die Verwaltung, die Planung in Abstimmung mit der Planungsgruppe Strasser aus Traunstein weiterzuentwickeln. Ziel soll die Aufstellung eines Bebauungsplanes sein. Die Gegenstimmen kamen von Paul Grafwallner, Sepp Stangassinger, Marlies Moderegger und Michael Sturm. Ulli Kastner