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Über den See heim ins Rennerlehen

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Schönau: Almabtrieb von der Saletalm über den Königssee heim ins Rennerlehen
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Hunderte von Zuschauern säumten die Seelände beim Almabtrieb der Familie Resch am Königssee. (Fotos: B. Stanggassinger)
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Auf dem »Glockenream« ist die Muttergottes abgebildet und der Name »Saletalm« eingestickt, wo das Rind den Sommer verbracht hat. Man beachte auch den Votzzaum aus »Waldmannei« mit »Fuiklrosei«.

Schönau am Königssee – Die Familie Resch hat am Montag ihre Kühe von der Saletalm über den Königssee heim zum Rennerlehen in Schönau am Königssee gebracht.


Vermutlich hat die Familie den Montag gewählt, weil Sennerin Carolin Schwarzfischer unbedingt beim Almabtrieb dabei sein wollte. Sie hat ihre Sennerinnen-Zeit vorzeitig beendet, weil sie am Oktoberfest im Hackerbräuzelt als Kellnerin gearbeitet hat. Pünktlich zum Almabtrieb war sie wieder auf der Salet im Dirndl mit weißer Sennerinnen-Schürze. Das Wetter war regnerisch und man ließ sich Zeit, in der Hoffnung, dass die Wolkendecke aufreißt. Geduldige Zuschauer an der Seelände Königssee warteten bis zu zwei Stunden auf das Eintreffen der Almkühe. Diese wurden auf einer Plattform über den See gefahren.

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Zwei Musikanten spielten auf der Fähre mit ihren steirischen Ziehharmonikas und kurz vor dem Anlegen wurde mit zwei Flügelhörnern das Lied »Foama hoam« geblasen.

Unter den vielen Schaulustigen hatte bald jeder Zweite sein Handy in die Höhe gestreckt. Nach dem Anlegen der Fähre war erst einmal viel Kraft gefragt. Die Treiber halfen zusammen, um zwei Schweinesteigen, jeweils mit einer zentnerschweren Sau auf einen bereitgestellten Hänger zu verladen. Die Frauen trugen unterdessen Fuikln und Latschenboschn von der Bootshütte eins zur Anlegestelle. Die »Votzzaume«, aus »Waldmannei« gefertigt, hat man den Tieren bereits an der Alm angelegt. »Waldmannei« stammt aus dem Berchtesgadener Sprachgebrauch und bezeichnet ein Bärlapp-Gewächs.

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Tochter Steffi Resch hält zwei wunderschöne Fuikln zum Aufkranzen der Kühe.

Zehn wunderschöne Fuikln sind für diesen Almabtrieb gefertigt worden. Eine davon hat die 14-jährige Tochter vom Fischer vom Königssee, Paula Amort, alleine gefertigt. Sie bekam an diesem Tag wegen Brauchtumsförderung schulfrei. Alle Beteiligten des Almabtriebs halfen schließlich zusammen und kranzten die Kühe in einem abgesperrten Bereich auf. Je nach Alter bekamen die Tiere Hörndlkranzei, Latschenboschn oder Fuikl.

Dann machte sich der Almabtrieb auf über die Seestraße, weiter über die Schornstraße in die Oberschönau und letztlich zum Rennerlehen in die Wahlstraße. Die Kühe erwartete eine saftige grüne Wiese und für die Almleute gab es eine gute Brotzeit.

Bernhard Stanggassinger