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Über den Anstand in schwierigen Zeiten

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Axel Hacke las in Trostberg aus seinen Büchern vor und erzählte charmant. (Foto: Heel)

Seit bald 30 Jahren schreibt der 1956 in Braunschweig geborene Ex-Sportredakteur und Schriftsteller Axel Hacke für das Magazin der Süddeutschen Zeitung – angefangen vom »Kleinen Erziehungsberater« über »Das Beste aus meinem Leben« bis zu »Das Beste aus aller Welt«. Unzählige Texte sind so entstanden und Axel Hacke ist mit ihnen zum wohl bekanntesten deutschen Kolumnisten geworden, ausgezeichnet mit dem Josef-Roth-Preis, zwei Egon-Kisch-Preisen und dem Theodor-Wolff-Preis.


Aber auch seine Bücher, wie zum Beispiel »Der kleine König Dezember« oder »Der weiße Neger Wumbaba« sind Bestseller geworden. Vor wenigen Monaten ist sein neues Buch »Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen« erschienen, das er nun im gut besuchten Trostberger Postsaal vorstellte.

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Eine höchst vergnügliche Angelegenheit, denn Axel Hacke kann etwas, was nicht viele Autoren beherrschen: Er kann auch wunderbar vorlesen und mit leichter Hand erzählen, charmant, akzentuiert und lebendig. So plauderte er eingangs über seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Zeichner Michael Sowa, bevor er einige Passagen aus dem von Sowa illustrierten Buch »Die Tage, die ich mit Gott verbrachte« vortrug. Eine wundervoll versponnene Geschichte voll seltsamster Ereignisse in einer Welt, in der nicht die Menschen Trost bei Gott suchen, sondern er bei ihnen.

Mit ein paar Häppchen aus »Das kolumnistische Manifest – Das Beste aus 1001 Kolumnen«, seinem 624 Seiten umfassenden Buch, ging es weiter, wobei er sich darüber beschwerte, dass ein anderes Manifest nicht nur viel dünner sei, sondern auch noch zwei Autoren benötigt habe. Nachdenklich stimmten dagegen Auszüge aus seinem Buch »Über den Anstand in schwierigen Zeiten und die Frage, wie wir miteinander umgehen«, die Hacke ruhig, aber nicht minder engagiert, präsentierte – assoziativ, in beispielhaften Dialogen mit einem Freund, in aufmerksamen Beobachtungen privaten und politischen Geschehens.

Natürlich hat auch Axel Hacke keine Lösung parat. Zumal niemand genau wisse, wie er sagte, was mit Anstand eigentlich gemeint sei. Gerechtigkeit? Fairness? Ein Gespür dafür, was nicht gemacht werden soll, auch wenn es erlaubt ist? Aber er zeigte so geistreich wie kundig auf, dass die Menschen nicht so leben, wie sie leben könnten. Oder mit Erich Kästner gesagt: Dass man den Menschen nicht gut, sondern nur besser machen könne – also zivilisierter, umgänglicher, weniger mit der Steinzeit verhaftet.

Als Beweis, wie ungeheuer weit die Menschheit es dabei geschafft habe, führte er das Fußballspiel an, bei dem »Zehntausende feindseliger Menschen in der Lage sind, sich in einem Stadion zu treffen, ohne dass es nachher Tote gibt, in der Regel jedenfalls«.

Zum Abschluss gab es ein paar seiner »Verhörsachen«, also falsch verstandene Liedtexte oder lustige Fehler auf ausländischen Speisekarten, die ihm Leser zugeschickt und die Eingang in seine »Weißer-Neger-Wumbaba«-Trilogie gefunden haben. Da kam die Poetik des deutschen Schlagers voll zur Geltung, wurden aus Grönemeyers »Flugzeugen« schon mal »Fruchtzwerge in meinem Bauch« und besang Howard Carpendale »Schweinespuren im Sand«. Wolfgang Schweiger