weather-image
19°

Über 10.000 Helfer waren beim Katastrophenfall im Landkreis eingesetzt – die erste Bilanz

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Auch das Dach der Integrierten Leitstelle in Traunstein musste Ende dieser Woche vom Schnee befreit werden. Foto: Landratsamt Traunstein
Katastrophenfall BGL: Dachräumarbeiten im südlichen Landkreis
Bildtext einblenden
Die Lage in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land entspannt sich. Für den Landkreis Traunstein wurde am Freitagabend der Katastrophenfall für beendet erklärt. (Foto: BRK BGL)
Raiten nach Lawinen-Räumung wieder freigegeben – Gefahr gebannt und Anwohner kehren zurück – Infoveranstaltung in Schleching
Bildtext einblenden
Die Ortseingänge von Raiten sind mit Polizeikräften besetzt. Jeder Anwohner, der zurück in den Ort kommt, wird zuvor registriert. (Foto: Wunderlich)
Bildtext einblenden
Bis Donnerstagabend war der Schlechinger Ortsteil Raiten wegen akuter Lawinengefahr bis auf Weiteres gesperrt. Die Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Doch die Gefahr ist zum Glück gebannt: Experten haben den Schnee untersucht und Entwarnung gegeben. Seit dem Abend kehren die Anwohner in ihre Heimat zurück. (Foto: FDL/Lamminger)
Lawinengefahr an der Hochplatte in Raiten: Bewohner können in ihre Häuser zurück
Bildtext einblenden
Der südöstliche Hang der Hochplatte, an dem bis Donnerstagabend akute Lawinengefahr herrschte. Nach der Untersuchung von Schneeproben aus den insgesamt 3,50 Meter dicken Schneelagen kommt die Lawinenkommission zu dem Schluss, dass die Gefahr für den Ort Raiten vorüber ist. (Foto: Landratsamt Traunstein)
Lawinengefahr an der Hochplatte in Raiten: Bewohner können in ihre Häuser zurück
Bildtext einblenden
Foto: FDL/Lamminger
Lawinenkommission entnimmt Proben an Abrisskante auf der Hochplatte bei Raiten
Bildtext einblenden
Mit einem Helikopter der Bundeswehr flogen Donnerstagmittag Experten der Lawinenwarnkommission an die Abrisskante der Lawine auf der Hochplatte, um dort Schneeproben für ihre Untersuchungen zu entnehmen. So sollen Rückschlüsse auf die Lage und das weitere Vorgehen ermöglicht werden. (Foto: FDLnews/Lamminger)
Polizei überwacht von Räumung betroffenes Raiten (Schleching) vor Einbrüchen
Bildtext einblenden
Einsatzkräfte der Polizei sind derzeit an den Ortszufahrten von Raiten positioniert, um das von akuter Lawinengefahr bedrohte Dorf vor möglichen Einbrüchen zu schützen. Der Ort gleicht wegen der unerwarteten Räumung seit gestern Abend einem "Geisterdorf". (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Ticker zum Schneechaos: Raiten/Schleching wegen Lawinengefahr evakuiert – brandgefährliche Situation – Betreten verboten
Bildtext einblenden
Der Schlechinger Ortsteil Raiten bleibt bis auf Weiteres gesperrt. Die Polizei sorgt aktuell dafür, dass niemand die Gefahrenzone betritt. Das Dorf wurde gestern wegen extrem hoher Lawinengefahr vollständig geräumt. Wie lange die Schutzmaßnahmen andauern werden, ist völlig unklar. (Foto: FDL/Lamminger)

Landkreis Traunstein –  Der Katastrophenfall ist beendet, es kehrt wieder Ruhe in der Region ein. Jetzt werden die ersten erstaunlichen Zahlen bekannt. Tausende Helfer waren tagelang unermüdlich für die Sicherheit der Bürger im Einsatz.


Update, Samstag:

Anzeige

 

Bei einer letzten Besprechung hat sich Landrat Siegfried Walch bei allen Einsatzkräften, Helfern und Mitwirkenden, die in den vergangenen Tagen geholfen haben, die Region durch das Schneechaos zu führen, herzlich bedankt.

Bis zu 2000 pro Tag und insgesamt exakt 10.084: Das sind die Zahlen der Helfer, die im gesamten Landkreis im Einsatz waren. Anfang nächster Woche wird das Landratsamt noch eine detaillierte Einsatzbilanz veröffentlichen.

Update, Freitag, 18 Uhr:

Am heutigen Abend steht nach einer Sitzung mit allen Verantwortlichen und Landrat Siegfried Walch fest: Für den Landkreis Traunstein kann der Katastrophenfall aufgehoben werden. Entscheidend war dabei die Frage, ob die Einsatzkräfte aus der Region auch ohne Bundeswehr und auswärtige Feuerwehren die restlichen Arbeiten erledigen können oder nicht.

Nun wird der Katastrophenfall zum Samstag, 19. Januar, 0 Uhr aufgehoben. Die Einsatzkräfte beenden nunmehr die Arbeit und stellen bis Mitternacht die reguläre Alarmbereitschaft wieder her. Lediglich etwa 60 Kräfte von THW und Bergwacht erledigen am Samstag noch verbleibende Abräumarbeiten auf der Winklmoosalm.

Tausende Einsatzkräfte haben in den vergangenen Tagen Schnee von den Dächern geschaufelt, Straßen geräumt und betroffene Bürger versorgt. Zuletzt hatte der Schneefall in den beiden Landkreisen Traunstein und Berchtesgadener Land aber nachgelassen und die Situation hat sich zunehmend entspannt. Insgesamt waren zwischen 10. und 18. Januar 2019 im Landkreis Traunstein über 10.000 Einsatzkräfte bei der Bewältigung der Katastrophenlage gefordert.

Nicht mehr betroffen vom Katastrophenfall im Berchtesgadener Land ist die Marktgemeinde Teisendorf. Dort wurde vor allem der Ortsteil Neukirchen vom Schnee geplagt.

Detaillierte Informationen und Hintergründe zur Gesamteinsatzbilanz wird das Landratsamt in der nächsten Woche bekanntgeben.

Unsere bisherige Berichterstattung:

Update, 15.40 Uhr:

Von der heutigen Informationsveranstaltung des Landratsamtes mit dem Schlechinger Bürgermeister Sepp Loferer sowie Landrat Siegsfried Walch für die Raitener Bürgerinnen und Bürger im Gasthof zur Post werden alle Pressevertreter ausgeschlossen.

Auf unsere Nachfrage wurde erklärt, dass es sich bei dem Termin lediglich um eine Sicherheitseinweisung für die Bürger handle und dabei keine Presse zugelassen sei. Das Landratsamt wird zu diesem Themenkomplex später noch eine Pressemeldung herausgeben.

Update, 13.38 Uhr: Wie kommen die Raitener mit der Lage zurecht?

Aufatmen bei den Schlechinger Bürgern: Die verschiedenen Zufahrten im Ortsteil Raiten sind weiter mit Polizeiposten besetzt und jeder Rückkehrer wird von den Beamten registriert. Das Traunsteiner Tagblatt hat mit einigen Raitenern nach ihrer Rückkehr gesprochen und einige Stimmungsbilder zur Lage im Dorf eingefangen.

Ab 21.10 Uhr wurden am Donnerstag die Raitener telefonisch informiert, dass sie zurück in ihre Häuser könnten. Zuvor hatten Experten der Lawinenwarnkommission den Schnee, der mit Hubschraubern vom Berg geholt worden war, bis in die Abendstunden untersucht.

Spätabends wurde auch unsere frühere Ortsberichterstatterin Barbara Reichenbach vom Landratsamt angerufen. „Wir waren gerade beim zu Bett gehen. Da wollten wir keine Hektik verbreiten“, schildert die 81-Jährige die Situation um kurz nach 22 Uhr am Donnerstag. Sie hat dann mit ihrem Mann die Nacht noch im Hotel Gabriele in Unterwössen verbracht und ist erst am Freitagmorgen zurück in ihr Haus.

Die Raitener Barbara und Bertram Reichenbach nahmen die ganze Situation recht gelassen und haben in ihrem Haus keinen Schaden zu beklagen. Anders bei ihren Nachbarn Gabi und Bernd Humpl. Dort wurde die Terrassentür von Sicherheitsleuten eingeschlagen, überall lagen die Scherben herum und wegen einer besonderen Sicherung konnte und kann man das Haus nicht betreten. Daraufhin wurde auch noch die Haustür – sehr unsachgemäß wie Gabi Humpl kritisierte – aufgebrochen. Sie versteht diese Aktion nicht, denn sie sei sieben Mal registriert worden. Es hätte also klar sein müssen, dass sie nicht mehr im Haus seien, betonte Humpl. Aber die Polizei und die Einsatzkräfte lobt sie trotzdem, denn sie hätten sich sehr bemüht zu helfen, zum Beispiel bei der Medikamentenbeschaffung.

Von der großen Solidarität beeindruckt zeigte sich Maria König auf ihrem Bauernhof. Sie lobte den Einsatz der vielen Hilfskräfte, der Polizei und der Feuerwehr. „Es war der Wahnsinn“ meinte sie. Besonders wichtig war ihr auch, dass die Tiere des Hofes gut untergebracht werden konnten. Von vielen Stellen kam Hilfe für Übernachtungsmöglichkeiten und Futter für die Tiere. Sie ist der Meinung: materieller Schaden lässt sich beheben, aber Schaden an Leib und Leben nicht. Der gleichen Meinung war auch Monika Hell, die ebenfalls einen Bauernhof in Raiten betreibt. Nur Margot Mix im Nebenhaus, Mutter von Maria König, sah man die Aufregung an und sie meinte, dass es sie nervlich schon arg mitgenommen habe: „Ich find' keine Ruhe.“

Erneute Evakuierung sollte sich die Lage wieder verschlimmern

Die Ruhe ist auch trügerisch, denn wenn sich wieder Risse im oberen Drittel der Hochplatte zeigen, steht eine erneute Evakuierung an. In der Nähe von Raiten – außerhalb der Gefahrenzone – muss nun eine Fläche vom Schnee geräumt und eingezäunt werden, wo die Tiere dann Platz finden.

Es habe den ganzen Tag Erkundungen und Sichtungen gegeben, sagte Landrat Siegfried Walch in seiner Videobotschaft von gestern Abend. „Ich bin sehr froh und wir schnaufen jetzt alle mal tief durch.“ Weiterhin nicht betreten werden dürfe der Hangbereich hinter der Wohnbebauung, sagte Walch. Denn kleinere Abgänge seien weiterhin möglich. Bereits am Mittwoch hatte es demnach einen kleineren Lawinenabgang gegeben.

Mit dem zunächst vorhergesagten Wetter bleibe die Lawinenlage in den kommenden Tagen stabil, heißt es aus dem Landratsamt. Das Gebiet soll aber intensiv weiterbeobachtet werden. Ein Evakuierungsplan, um für künftige akute Lawinengefahren vorbereitet zu sein, soll ebenfalls erarbeitet werden. (wun/KR/red)

Bildtext einblenden
Foto: Wunderlich

Update, 10.17 Uhr:

Am Montag (21. Januar) sind die verlängerten Weihnachtsferien endgültig vorbei: An ausnahmslos allen Schulen im Landkreis Traunstein findet dann wieder regulärer Unterricht statt. Bereits gestern lief im nördlichen Landkreis der Schulbetrieb wieder an. Die Kinder in den südlichen Gemeinden haben bis einschließlich heute schulfrei.

Am Nachmittag (14 Uhr) wird es eine Bürgerinformationsveranstaltung zur Räumung in Schleching geben. Neben Aufarbeitung der Evakuierungsmaßnahme und Beantwortung von Fragen wird auch ein Plan für mögliche zukünftigte Sicherheitsmaßnahmen erarbeitet, damit eine Räumung im Fall der Fälle möglichst schnell durchgeführt werden kann und jeder Anwohner weiß, was zu tun ist. Wir werden über den Ablauf und die Ergebnisse des Informationsnachmittags berichten.

Update, Freitagmorgen: Bewohner können in ihre Häuser zurück

Mittlerweile hat sich die Lawinenwarnsituation im gesamten bayerischen Alpenraum entspannt. Die Experten der Lawinenwarnkommission haben gestern die Situation am südöstlichen Hang der Hochplatte intensiv und umfassend untersucht.

Den gesamten Tag über haben die von einem Hubschrauber abgeseilten und gesicherten Fachleute Erkundungen und Sichtungen in der bis zu 3,50 Meter hohen Schneeschicht durchgeführt und Schneeprofile gegraben. Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse wurden anschließend tiefgreifend analysiert und bewertet.

Auf Grundlage dieser intensiven Untersuchung kommt die Lawinenwarnkommission zu folgendem Schluss: Die Sperrung für den Ortsteil Raiten kann aufgehoben werden. Einstweilen ist die Wahrscheinlichkeit äußerst gering, dass vom oberen Teil der Hochplatte eine Lawine abrutscht, die den bebauten Bereich des Ortsteils Raiten erreichen könnte.

Das bedeutet, dass die von der Räumung betroffenen Bewohner Raitens noch am späten Donnerstagabend in ihre Häuser zurückkehren konnten. Gleichzeitig bleibt die Sperrung zwischen Wohnbebauung und Hangbereich der Hochplatte jedoch bestehen. Denn die Lawinenwarnkommission macht unmissverständlich deutlich: Kleinere Lawinenabgänge sind weiterhin möglich. So hat es auch am Donnerstag einen kleineren Lawinenabgang im Bereich der Hochplatte gegeben. Eine Gefahr für die Bebauung gab und gibt es dadurch aktuell aber nicht. Durch die derzeit vorhergesagte Wetterlage bleibt die Lawinengefahr in den kommenden Tagen stabil.

Des Weiteren haben die Gemeinde Schleching und das Landratsamt Traunstein in Abstimmung mit der Lawinenwarnkommission festgelegt, dass der betroffene Bereich der Hochplatte weiterhin intensiv und engmaschig beobachtet wird. Denn bei einer veränderten Wetterlage kann auch schnell wieder eine akute Situation entstehen, beispielsweise bei tagelangem Dauerregen oder einer anhaltenden Föhnlage mit hohen Temperaturen.

Die Sicherheitsbehörden erarbeiten einen Evakuierungsplan, um für mögliche künftige akute Lawinengefahren vorbereitet zu sein. Im Mittelpunkt des Handelns aller Beteiligten stand und steht die Sicherheit der Menschen.

Nachrichten vom Donnerstag:

Die Bewohner von Raiten müssen sich darauf einstellen, noch weitere zwei bis drei Nächte nicht nach Hause zurückkehren zu können, wie es aus dem Landratsamt heißt. Eine Rückkehr in den Ort scheint also frühestens am Sonntag möglich.

Die Lawine kontrolliert auszulösen – sei es mit einer Sprengung oder durch einen Hubschrauber – "ist derzeit keine Option", so ein Sprecher der Behörde am Nachmittag gegenüber unserer Zeitung. Allerdings könne die Staublawine jederzeit von alleine losgehen, daher beobachte man die Situation sehr genau. Auch das Wetter spiele für die Entspannung oder Verschärfung der Situation eine entscheidende Rolle, denn die Sonne sei der Motor der Lawine.

Am heutigen Donnerstag waren im Landkreis Traunstein etwa 1300 Hilfskräfte im Einsatz, rund 500 Feuerwehrleute, 240 Bundeswehrsoldaten, 290 Männer und Frauen von Hilfsorganisationen (u.a. Bayerisches Rotes Kreuz und Malteser), 200 Kräfte des Technischen Hilfswerks und 40 Polizisten.

Hier geht es zur Zusammenfassung des heutigen Tages in Raiten: Ein kontrolliertes Auslösen ist »derzeit keine Option«.

Bildtext einblenden
Die derzeitige Situation auf der Winklmoosalm. (Foto: Landratsamt Traunstein)

Update, 16 Uhr:

Bereits heute Mittag flogen Polizisten und Bergwachtkräfte der Lawinenkommission mit einem Bundeswehrhubschrauber zum Gipfel des Berges, wo sich die Lawine zu lösen droht. Dort wurden nach Angaben des Landratsamtes Schnee-Profilproben entnommen, um genau herausfinden zu können, welche Konsistenz der Schnee aktuell besitzt. Damit soll die tatsächliche Lawinengefahr bestimmt werden können.

Derweil stellen sich die Rettungskräfte auf einen noch mehrtägigen Einsatz ein. Am späten Nachmittag sollen Bürocontainer angeliefert werden, in denen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst einen mobilen Wachposten einrichten. Sie sollen als Anlaufpunkt für Anwohner dienen. Nach jetzigem Stand ist auch eine kontrollierte Sprengung der Lawine ausgeschlossen – dies ist aufgrund der Lage des Ortsteils zum Berg unmöglich. "Wir hatten schon immer Schnee, aber noch nie so ein Chaos", sagt eine Anwohnerin.

Um der Lawinengefahr im winterlichen Gebirge wirksam begegnen zu können, besteht im bayerischen Alpenraum der Lawinenwarndienst Bayern. Zu dessen Durchführung sind folgende Einrichtungen geschaffen worden: Zum einen existieren auf kommunaler Ebene die örtlichen Lawinenkommissionen und zum anderen gibt es auf der Ebene des Freistaats Bayern die Lawinenwarnzentrale im Bayerischen Landesamt für Umwelt.

Für die Organisation und die notwendige Koordinierung des Lawinenwarndienstes sorgen die Sicherheits- und Katastrophenschutzbehörden unter Mitwirkung der Lawinenwarnzentrale. Die Lawinenkommission ist ehrenamtlich tätig und ein fachlich beratendes Gremium für die Sicherheitsbehörden. Notwendige sicherheitsrechtliche Anordnungen wie z.B. Sperrungen werden durch die Sicherheitsbehörde veranlasst. Mitglieder der Lawinenwarnkommission sind beispielsweise Mitglieder der Bergwacht oder der Alpine Einsatzgruppe der Polizei. Im Landkreis Traunstein gibt es örtliche Lawinenwarnkommissionen in Bergen, Reit im Winkl und Ruhpolding.

Update, 14.17 Uhr:

Der Ort ist seit gestern völlig verlassen. Wegen der akuten Lawinengefahr, an der sich seit gestern Mittag auch nichts geändert hat, wurde der Schlechinger Ortsteil bis zum Abend komplett geräumt. Es wurde ein Betretungsverbot erlassen. Doch wenn niemand mehr dort ist, wird Raiten dann zum Geisterdorf? Ein – wenn auch lebensgefährliches – Paradies für Einbrecher?

Zum Schutz der Gebäude und Menschen hat sich die Polizei deshalb an den Straßensperrungen der Ortszufahrten positioniert und patroulliert in der Umgebung des Gefahrenbereichs. Das erklärte Landrat Siegfried Walch gegenüber dem BR. So ist auf jeden Fall gewährleistet, dass das Betretungsverbot eingehalten wird und der geräumte Ort vor Einbrechern in Sicherheit ist, die möglicherweise von den leerstehenden Gebäuden angezogen werden könnten. Auch Schaulustige werden so abgehalten.

Experten der Lawinenwarnkommission nehmen nun Proben aus dem Bereich oberhalb des Schneebretts, um daraus weitere Rückschlüsse auf die aktuelle Gefahrensituation für das betroffene Gebiet schließen zu können. Die Bundeswehr führt am heutigen Donnerstag Erkundungsflüge mit Hubschraubern durch, um die Situation regelmäßig zu überprüfen.

Kann die Lawine gesprengt werden?

Laut ersten Informationen aus dem Landratsamt ist es wohl unmöglich, die Lawine kontrolliert auszulösen. Bereits vor zehn Jahren, im Februar 2009, ist an ähnlicher Stelle eine Lawine abgegangen. Diese war damals, wie in der Ausgabe des Traunsteiner Tagblatt vom 26. Februar 2009 zu lesen ist, bei einem Rettungseinsatz von einem Hubschrauber ausgelöst worden und hatte den Bergwald oberhalb der Ortschaft mitgerissen. Nun liegt Raiten schutzlos unterhalb der dortigen Hänge.

Auf dem Geigelstein war damals die Oberkaseralm und mit ihr die damalige Bewohnerin von einer Lawine verschüttet worden. Schon beim Anflug ging eine weitere Lawine los: Vom Gipfel der Hochplatte lösten sich an einem Süd-Ost-Hang die Schneemassen und stürzten auf einer Länge von etwa 400 Metern in Richtung Unterwössen.

Lawinenbedrohter Ort Raiten aus der Vogelperspektive (Drohnenaufnahme)
Bildtext einblenden
Diese Drohnenaufnahme zeigt einen Teil des Schlechinger Ortsteils Raiten von oben. (Christoph Reichwein/dpa)

Bürgermeister lobt professionelle Arbeit der Retter

Schlechings Bürgermeister Sepp Loferer lobte den professionellen Räumungseinsatz der Rettungskräfte und den Zusammenhalt im Ort. Denn am frühen Morgen hatten die Bauern in Abstimmung mit dem Landratsamt die noch im Ort befindlichen Tiere aus dem Gefahrenbereich gerettet – und dabei angesichts des drohenden Lawinenabgangs ihr eigenes Leben riskiert.

Update, 13.55 Uhr:

Wie Landrat Siegfried Walch den Medien mitteilte, haben mehrere Landwirte die Tiere in der Nacht auf eigene Gefahr aus dem Gefahrenbereich geholt und mit einem Viehtransporter abtransportiert, da man sie nicht unversorgt zurücklassen wollte.

Die Aktion sei eine absolute Ausnahme gewesen und vom Landratsamt überwacht worden. Das Zeitfenster zwischen 4 und 5 Uhr morgens sei gewählt worden, weil die Lawinenkommission die Gefahrenlage für diese Zeit am stabilsten eingeschätzt habe.

Update, 13 Uhr:

Das Landratsamt Traunstein hat die für den heutigen Nachmittag angesetzten Pressetermine kurzfristig abgesagt. Grund dafür sind zeitliche Änderungen bei den Lagebesprechungen.

Unabhängig davon wird die Behörde im Falle neuer Entwicklungen weitere Pressemitteilungen und Video-Botschaften des Landrats veröffentlichen, um die Bürger auf dem Laufenden zu halten.

Ferner teilt die Pressestelle mit, dass derzeit keine weiteren oder neuen Erkenntnisse zur Lage in Raiten vorliegen.

Update, 12.10 Uhr:

Landrat Siegfried Walch wird heute Nachmittag bei zwei Presseterminen im Landratsamt weitere Informationen zur aktuellen Lage und dem weiteren Vorgehen für den Ort Raiten bekanntgeben. Gerade die Anwohner fragen sich jetzt natürlich, wie lange ihre Heimat gesperrt bleiben muss. Interessant wird auch die Frage sein, ob die Lawine möglicherweise kontrolliert gesprengt werden kann, um das Gebiet möglichst schnell wieder freigeben zu können.

Einsatzkräfte der Polizei sorgen mittlerweile dafür, dass niemand die Gefahrenzonen in den Bereichen Raiten und Seehaus betritt. Die Polizisten haben sich mit Einsatzfahrzeugen an den Straßenabsperrungen positioniert.

Meldungen vom Vormittag:

Wie das Landratsamt mitteilt, sind im betroffenen Bereich 266 Personen gemeldet. Der größte Teil der betroffenen Menschen ist einstweilen bei Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten untergekommen. Für alle anderen Anwohner hat die Gemeinde Schleching vor Ort Unterkünfte organisiert. Unterbringungen in der Notunterkunft des Landratsamtes waren kaum notwendig.

Auch die Tiere der von der Räumung betroffenen landwirtschaftlichen Bertriebe wurden heute in den frühen Morgenstunden im Rahmen einer konzertierten Aktion der Landwirte mit dem Landratsamt aus der Gefahrenzone gebracht. 80 Rinder, fünf Ziegen, ein Schaf, ein Pferd sowie ein Hase wurden evakuiert.

Am Mittwoch wurden mehrere Erkundungsflüge über die Hochplatte durchgeführt. Experten schätzen die Gefahr einer Staublawine als sehr hoch ein. Diese hätte ein Potenzial von rund 400 Stundenkilometern, so Landrat Siegfried Walch in seinem Statement zur aktuellen Lage am gestrigen Abend.

Für den Schlechinger Ortsteil Raiten wurde ein konsequentes Betretungsverbot erlassen, welches auch für den Bereich Seehaus gilt. Es umfasst alle Grundstücke in Raiten und Emperbichl. Die 266 Bewohner können aktuell nicht in ihre Häuser. Der Landrat appelliert eindringlich an alle Bürger: "Bitte respektieren Sie das Verbot!" Dies gilt insbesondere für Wintersportler und Tourengeher – die Gefahr ist enorm. Auch Einsatzkräfte dürfen das Gebiet nicht betreten.

Vier Fachleute der Lawinenwarnkomission mit Ortskenntnissen sind aktuell in die dauerhafte Überwachung der Lage eingebunden. Im Landratsamt herrscht ein 24-Stunden-Betrieb mit allen entsprechenden Behörden. Wie es heute und morgen weitergeht, ist noch völlig unklar. Auch Prognosen sind bislang nicht möglich.

Bildtext einblenden
Dieses Foto von der Hochplatte hat unser Leser Florian Lutz von seinem Balkon in Unterwössen aus aufgenommen. An dem schneebedeckten Abhang in der Bildmitte herrscht laut Lawinenwarnkommission extreme Lawinengefahr. Die Abrisskante und auch ein abgegangenes Schneebrett am rechten Bildrand sind gut zu erkennen.

Auch in den kommenden Tagen werden die Einsatz-Schwerpunkte in Schleching, Reit im Winkl und Winklmoos liegen. Im restlichen Landkreis hat sich die Situation bereits entspannt. Zahlreiche Arbeiten gebe es allerdings für Donnerstag auch noch in Inzell.

Das Landratsamt erließ folgende Allgemeinverfügung:

  1. Das Betreten und Befahren des in Nr. 2 bezeichneten Gebiets ist bis auf weiteres für Jedermann (inkl. Einsatz- und Rettungskräfte) verboten.
  2. Der Verbotsbereich umfasst alle Grundstück entlang der Bundesstraße 305 (Straße inkl. der parallel verlaufenden Langlaufloipe) zwischen dem Ortsteil Seehaus, Gemeinde Ruhpolding (Schranke) und dem Ortsteil Seegatterl, Gemeinde Reit im Winkl (Schranke).
  3. Die sofortige Vollziehung der Nummern 1 und 2 wird angeordnet.

Das vollständige Sonderamtsblatt finden Sie auf den Seiten des Landkreises.

Für Reit im Winkl gilt derzeit ein Betretungs- und Befahrungsverbot für den Bereich der Bundesstraße 305 zwischen Seehaus (Gemeinde Ruhpolding) und Seegatterl (Gemeinde Reit im Winkl). Auch hier darf niemand, auch keine Einsatzkräfte, in das gesperrte Gebiet fahren. Der Verbotsbereich umfasst alle Grundstück entlang der B305, inklusive der parallel verlaufenden Langlaufloipe, zwischen Seehaus (Schranke) und Seegatterl (Schranke).

Die folgenden Straßen in der Region sind gesperrt:

Landkreis Traunstein:

  • B305 (Reit im Winkl – Bernau): zwischen Reit im Winkl und Unterwössen in beiden Richtungen Lawinengefahr (bis Donnerstag, etwa 16 Uhr) – in Fahrtrichtung Reit im Winkl Zufahrt nur für Anlieger und Lieferanten erlaubt, Fahrtrichtung Unterwössen frei befahrbar
  • Zwischen Knappenfeld und Abzweig nach Traunstein, in beiden Richtungen bis auf weiteres gesperrt, umgestürzte Bäume, tiefer Schnee, bis 17.01.2019 18:00 Uhr
  • St2102 Teisendorf - Neukirchen, zwischen Oberteisendorf und Neukirchen am Teisenberg in beiden Richtungen gesperrt, bis 18.01.2019, 18 Uhr
  • B305 und Staatsstraße 2364: von Kössen in Richtung Bernau, zwischen Grenzübergang und Reit im Winkl Lawinengefahr
  • B307 (Kössen – Marquartstein): zwischen Grenzübergang Schleching und Geisenhausen in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr (bis Freitag, 18.01.2019)

Landkreis Berchtesgadener Land:

  • B305 (Berchtesgaden – Bernau): zwischen Ruhpolding und Reit im Winkl in beiden Richtungen gesperrt, Lawinengefahr (kein Skibetrieb im Bereich Winkelmoosalm)
  • St2099 zwischen Sommerau und Grenzübergang Hintersee in beiden Richtungen gesperrt
  • BGL14 zwischen Abzweig nach Ramsau bei Berchtesgaden und Hintersee, in beiden Richtungen gesperrt, schneebedeckte Fahrbahn, nicht passierbar, bis Donnerstag, etwa 17 Uhr
  • BGL5 zwischen Marktschellenberg und Abzweig nach Götschenhof in beiden Richtungen gesperrt
  • BGL19 zwischen Dürreck und Obersalzberg in beiden Richtungen gesperrt

Aktuelle Schulausfälle im Kreis Traunstein

Im südlichen Landkreis Traunstein entfällt am Donnerstag, 17. Januar, und Freitag, 18. Januar an folgenden weiterführenden und beruflichen Schulen sowie am SFZ Traunstein der Unterricht:

  • Reiffenstuel Realschule Traunstein
  • Franz-von-Kohlbrenner-Mittelschule Traunstein
  • Annette-Kolb-Gymnasium Traunstein
  • Chiemgau-Gymnasium Traunstein
  • Staatl. Berufsschule I Traunstein
  • Staatl. Berufsschule II Traunstein
  • Berufliches Schulzentrum Traunstein (BS III)
  • Landwirtschaftsschule Traunstein
  • Staatliche FOS/BOS Traunstein
  • Schule an der Traun
  • SFZ Traunstein
  • Wirtschaftsschule Dr. Kalscheuer
  • Mädchenrealschule Sparz
  • Landschulheim Marquartstein

Und an folgenden Schulen südlich der Linie Chieming-Nußdorf:

  • Ludwig-Thoma-Grundschule Traunstein
  • Montessori-Schule Traunstein
  • Grundschule Grabenstätt
  • Grundschule Haslach
  • Grundschule Surberg
  • Grund- und Mittelschule Grassau
  • Montessori-Grundschule Grassau
  • Montessori-Mittelschule Grassau
  • Grund- und Mitteschule Unterwössen
  • Grundschule Marquartstein
  • Franz-von-Sales-Schule Niedernfels
  • Grundschule Schleching
  • Grundschule Übersee
  • Grundschule Reit im Winkl
  • Grund- und Mittelschule Siegsdorf
  • Grundschule Bergen
  • Grund- und Mittelschule Ruhpolding
  • Grundschule Inzell
  • Grundschule Vachendorf
  • Grundschule Nußdorf
  • Grund- und Mittelschule Chieming
  • St. Valentins-Schule Ruhpolding

Hier geht es zu den Meldungen vom Mittwoch und dem ersten Teil der Woche >