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Özdemir: Urwahl ist Startschuss in Bundestagswahlkampf

Berlin (dpa) - Grünen-Chef Cem Özdemir erwartet von der geplanten Urwahl der Spitzenkandidaten seiner Partei einen Mobilisierungsschub. Heute werden die Delegierten eines kleinen Parteitags in Berlin, eines Länderrats, über den Vorstandsantrag abstimmen, die Urwahl einzuleiten.

Cem Özdemir
Cem Özdemir, Parteichef der Grünen, erwartet von der Urwahl der Spitzenkandidaten einen Mobilisierungsschub. Foto: Jan Woitas Foto: dpa

«Wenn der Länderrat unserem Vorschlag folgt, haben wir eine Chance, die Debatte zu strukturieren und auch für eine inhaltliche Auseinandersetzung zu nutzen», sagte Özdemir der Deutschen Presse-Agentur. «Eine Urabstimmung bewirkt, dass jedes einzelne Mitglied an die Bundestagswahl erinnert wird. Insofern ist es auch ein Startschuss für den Bundestagswahlkampf.»

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Die Partei könne damit auf Wahlkampf programmiert werden. «Ich gehe davon aus, dass es ein kraftvolles Signal geben wird und wir auf den virtuellen Startknopf drücken werden für die Einleitung der Urabstimmung.»

Ihre Bewerbung angekündigt haben bisher die Fraktionsvorsitzenden Renate Künast (56) und Jürgen Trittin (58), Parteichefin Claudia Roth (57), Bundestags-Vizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt (46) sowie zwei weitgehend unbekannte Basis-Vertreter. «Es können sich auch noch andere melden», sagte Özdemir. «Ich achte auf ein faires Verfahren.»

Streit unter der Gürtellinie zwischen den Bewerbern für das geplante Spitzen-Duo erwarte er nicht. «Ich glaube, dass die Leute ein sehr feines Gespür haben, wenn jemand unfair spielt», sagte Özdemir. «Allen ist klar, dass wir ein hohes Maß an Verantwortung haben.» Es werde 2013 schließlich in der zentralen Frage, ob es die Chancen gebe, Schwarz-Gelb abzulösen, stark auf die Grünen ankommen.

Er selbst habe nicht mangels Mut auf eine Bewerbung verzichtet. «Es gibt wenige Situationen, in denen ich gekniffen habe», sagte Özdemir. So sei er Bundesvorsitzender geworden, als es niemand anders habe werden wollen. Inhaltlich lasse sich eine Bewerbung aber im Grunde nicht begründen. «Die Schlachten, die wir vorgestern geschlagen haben, liegen hinter uns. Mittlerweile ist die inhaltliche Nähe sehr groß zueinander», sagte der Grünen-Chef.

«Ich finde, ein Spitzenkandidat sollte im Deutschen Bundestag sitzen», erläuterte er. Özdemir hatte bei der Listenaufstellung in Baden-Württemberg vor der Wahl 2009 keinen aussichtsreichen Platz bekommen. «Zusätzlich zum Parteivorsitz, um den ich mich im November erneut bewerbe, bewerbe ich mich um ein Bundestagsmandat», bekräftigte er. «Es wäre nicht gut, jetzt den Hut in den Ring zu werfen, und der Hut ist auch schon gut gefüllt.»

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