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Benjamin Hauer und seine Schüler stellen am Staatlichen Landschulheim Marquartstein aus

Ästhetische Formensprache in Holz und Stein

»Meine Skulpturen brauchen Platz, um sich zu entfalten«, sagt Bildhauer Benjamin Hauer. Entsprechend zeigt er nur wenige seiner ästhetisch sehr ansprechenden Kunstwerke aus Stein und Holz in der neuen Ausstellung am Staatlichen Landschulheim Marquartstein. Es ist die erste Ausstellung des erst seit fünf Jahren in Prien ansässigen Künstlers. Neben der Arbeit in seinem Atelier unterrichtet Hauer auch das Fach Kunst in der Freien Waldorfschule in Prien. In einem der beiden Kulturräume des Landschulheims sind daher auch Arbeiten von einigen seiner Schüler zu sehen.

Der Bildhauer Benjamin Hauer zeigt in der Ausstellung in Marquartstein auch seine Skulptur »Irina« – eine griechische Friedensgöttin aus Lindenholz. (Foto: Giesen)

Beim Betreten des Kulturraums fällt zuerst ein überdimensionaler Mund auf einem Sockel ins Auge. »Kiss me« aus Carrara-Marmor fasziniert wie auch die anderen Arbeiten von Benjamin Hauer durch seine klassisch ästhetische Formgebung und die meisterhafte Bearbeitung des Materials. Der samtig wirkende Stein fordert den Betrachter geradezu auf, ihn zu berühren – was in dieser Ausstellung sogar ausdrücklich erlaubt ist. »Die sinnliche Erfahrung gehört zur Bildhauerei«, erklärt der Künstler.

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Auch sonst haben es Hauer in der Ausstellung vergrößerte Details des menschlichen Körpers angetan. Auf einem Kissen aus Lindenholz ist ein griechischer Fuß mit dem Titel »Athlet 776 v. Chr.« zu sehen, denn vom Jahr 776 vor Christus gibt es die ersten Siegerlisten von den Olympischen Spielen der Antike. Bei der klassisch harmonischen Fußform ist die große Zehe ebenso lang wie die zweite Zehe. Eine Anspielung auf die Spiele ist auch das Kissen, auf dem früher der berühmte Lorbeerkranz für den Sieger überreicht wurde.

Einen Bezug zur klassischen Antike hat auch die hohe weibliche Figur im vorderen Teil des Raumes. »Irina«, eine griechische Friedensgöttin, präsentiert sich ganz in sich ruhend mit überkreuzten Armen und geschlossenen Augen, ohne dass sie Kontakt zur Außenwelt aufnimmt. Aus einem Stück aus Lindenholz gearbeitet strahlt sie eine große Ruhe aus, vielleicht auch, weil sie sich nicht fortbewegen könnte, denn die Füße sind in ihrem Sockel verborgen.

Benjamin Hauer, 1973 in Dortmund geboren und in Konstanz am Bodensee aufgewachsen, absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zum Steinbildhauer. Das folgende Studium an der Kunstakademie in München bei Heribert Sturm und Albert Hien schloss er 2004 ab. Seit dem Jahr 2000 arbeitete Hauer im eigenen Atelier in München und unterrichtete nebenher als Kunstpädagoge an verschiedenen Schulen. In 2012 zog er nach Prien, wo er ebenfalls ein eigenes Atelier unterhält und an der Oberstufe der Freien Waldorfschule Prien in Kunst unterrichtet.

Im zweiten Kulturraum sind ausgewählte Arbeiten der Schüler von Benjamin Hauer aus der letztjährigen 11. Klasse von der Freien Waldorfschule in Prien zu sehen. Aufgabe war es, ein großformatiges Bild zum Thema »Mensch« zu gestalten. Die Schüler lösten die Aufgabe stilistisch völlig unterschiedlich. Vom realistischen oder verfremdeten Porträt, über Graffitis aus der Popkultur, Detailmalereien des menschlichen Körpers bis zu Fotografien sind beachtliche künstlerische Arbeiten zu sehen.

Bei der Vernissage freute sich Schulleiter Christian Czempinski, dass das Staatliche Landschulheim die beiden schönsten Räume der Schule in Kulturräume umgewandelt hat und so Platz für Ausstellungen von Künstlern in der ganzen Region bieten kann. Musikalisch umrahmte die Schülerin Mirjam Netzer die Vernissage sehr schön mit Stücken auf der Violine, wofür sie viel Applaus erhielt. Die Ausstellung ist bis Freitag, 27. Oktober, von Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr und freitags von 8 bis 13 Uhr zu sehen. Christiane Giesen