weather-image
22°

96-Manager Schmadtke zieht Schlussstrich

Hannover (dpa) - Zum Schluss war Jörg Schmadtke die ständigen Querelen bei Hannover 96 einfach nur leid. Nach turbulenten Wochen mit täglich neuen Spekulationen hat der Manager die Reißleine gezogen und verlässt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung den Fußball-Bundesligisten.

96-Sportdirektor
Hannovers Sportdirektor Jörg Schmadtke wurde von Vereinsboss Martin Kind zum Gespräch gebeten. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa

Hannover (dpa) - Zum Schluss war Jörg Schmadtke die ständigen
Querelen bei Hannover 96 einfach nur leid. Nach turbulenten Wochen
mit täglich neuen Spekulationen hat der Manager die Reißleine gezogen und verlässt auf eigenen Wunsch mit sofortiger Wirkung den Fußball-Bundesligisten.

Anzeige

Trotz überragender sportlicher Erfolge ist er bei den Niedersachsen in fast vier Jahren nie ganz heimisch geworden. «Ich bedauere diese Entwicklung sehr», kommentierte Clubchef Martin Kind am Mittwoch die Trennung, die nach den jüngsten Rücktrittsgerüchten keine ganz große Überraschung mehr war.

«Es war eine sehr intensive, emotionale Zeit. Ich danke den Verantwortlichen, Mitarbeitern und Fans für die tatkräftige Unterstützung», teilte Schmadtke nach dem einstündigen Gespräch mit Kind mit. «Ich glaube, dass die Entscheidung von allen Seiten beleuchtet wurde und richtig ist», sagte der Geschäftsführer, der zu seinen Zukunftsplänen nicht konkret Stellung bezog: «Ich gehe jetzt erst mal nach Hause.»

Der 49 Jahre alte Manager, der 2009 in Hannover angefangen hatte und zwei Jahre später zum Geschäftsführer Sport befördert wurde, wird bereits am Samstag beim Heimspiel gegen den deutschen Meister Bayern München nicht mehr neben Trainer Mirko Slomka auf der Bank sitzen.
Er wurde einvernehmlich freigestellt, der unbefristete Vertrag zum 30. Juni aufgelöst. «Ich habe großen Respekt vor Jörg Schmadtkes Entscheidung, auch wenn ich nicht im Detail alle Beweggründe kenne, weil ich in seine Gespräche mit Martin Kind natürlich nicht eingebunden war», sagte 96-Coach Slomka.

Unter der Regie des ungleichen Duos Schmadtke/Slomka konnte sich das 96-Team zweimal für die Europa League qualifizieren. Trotz dieser Erfolge schwelte seit der Verpflichtung von Slomka im Januar 2010 drei Jahre lang ein Konflikt zwischen Trainer und Manager. Die Chemie stimmte nicht, Berichte über angebliche Meinungsverschiedenheiten wurden von Clubchef Kind mit missverständlichen Äußerungen zusätzlich angeheizt. Der Vereinspräsident kritisierte öffentlich die mangelhafte Kommunikation der beiden Führungskräfte. Das ärgerte Schmadtke offensichtlich. «So zu tun, als sei ich ein Stummfilmstar und spreche nicht, ist nicht richtig», sagte er am Montag.

Vor einem Jahr hatte der frühere Bundesliga-Torwart schon einmal um die Auflösung seines Vertrages aus privaten Gründen gebeten. Damals konnte Kind ihn zum Bleiben überreden. Nach einer mehrmonatigen Auszeit zog der Manager mit seiner Familie nach Hannover. Diesmal blieb Schmadtke bei seiner Meinung. Er hatte sich zuvor mit der «Bild»-Zeitung überworfen, der er eine Kampagne vorwarf. Der Springer-Verlag wies den Vorwurf zurück. Kind führte vier Tage später ein Interview mit der Zeitung, in dem er sich für den Verbleib von Schmadtke und Slomka aussprach.

Der Vereinschef muss nun einen Nachfolger für Schmadtke suchen, der nach Meinung vieler Fans wegen seiner erfolgreichen Transferpolitik der beste Manager des Vereins war. «Jörg hat maßgeblichen Anteil am Erfolg von 96», sagte Slomka. Als mögliche Nachfolge-Kandidaten werden Martin Bader (1. FC Nürnberg), Dietmar Beiersdorfer (St. Petersburg) oder der frühere Hoffenheimer Jan Schindelmeiser genannt. Kind möchte dabei keinen Manager aus einem Vertrag herausholen. «Rauskauf ist kein Thema», sagte er dazu.