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96-Chef über Fans: «Arschlöcher» - Serienmörder-Banner

Wolfsburg (dpa) - Mirko Slomka wollte nichts gehört haben. «Ich konzentriere mich nicht darauf, was die Fans singen», antwortete Hannovers Coach auf die Frage nach den üblen Schmäh-Gesängen der 96-Fans.

Erzürnt
Martin Kind gibt sich keine Mühe seinen Unmut über die Schmähgesänge zu verbergen. Foto: Peter Steffen Foto: dpa

Dabei war schwer zu überhören, dass Hunderte Anhänger den von Hannover zum VfL Wolfsburg gewechselten Profi Emanuel Pogatetz am Sonntag beim 4:0-Sieg unflätig beschimpft hatten. «Pogatetz - du Sohn einer Hure», sangen sie unter anderem.

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Martin Kind gab sich keine Mühe, seinen Unmut zu verbergen. Selbst die Freude über den höchsten Derby-Sieg gegen Wolfsburg und eine grandiose Galavorstellung seines Teams konnte den Clubchef nicht milder stimmen. In ungewohnter Schärfe urteilte Kind: «Ein Teil unserer Fans sind Arschlöcher.»

Selten hat ein Bundesliga-Funktionär sich derart drastisch über die eigenen Anhänger geäußert. Für Kind waren die Schmähungen der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Der 96-Chef ärgert sich seit längerer Zeit und liegt mit dem unangenehmen Teil der Anhängerschaft auf Konfrontationskurs.

Kritik an Kind gab es von der Koordinationsstelle der Fanprojekte in Deutschland (KOS). «Präsidenten, Trainer oder Manager haben auf diesem Feld eine wahnsinnig große Verantwortung. Wir glauben, dass es besser ist, mit den Fans zu sprechen, als über sie zu sprechen», sagte der KOS-Leiter Michael Gabriel am Montag in Frankfurt am Main.

Kind war in Wolfsburg der Geduldsfaden gerissen. Fast 100 000 Euro hat Hannover 96 in der Vorsaison an Strafen zahlen müssen, vor allem wegen des Einsatzes der verbotenen Pyrotechnik. Kind hatte bereits gedroht, dass er die Geldbußen zukünftig auf die Eintrittspreise aufschlagen will; bei der gerade angefangenen Spielzeit hat er darauf noch verzichtet.

200 bis 250 Personen sind es nach Kinds Einschätzung, die Probleme bereiten. «Wir nennen sie nicht mehr länger Fans», sagte der 96-Boss. In dieser Gruppe vermuten die Verantwortlichen auch jene, die sich am vergangenen Donnerstag handgreifliche Auseinandersetzungen mit gewaltbreiten Anhängern von Europa-League-Gegner Slask Breslau geliefert hatten.

Und zu diesen Ultras zählen auch diejenigen, die beim ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Schalke 04 wieder einmal eine Fahne mit dem Konterfei des Serienmörders Fritz Haarmann geschwenkt hatten. «Eine Geschmacklosigkeit», nennt das Kind - Haarmann hatte in den 20er Jahren in Hannover 24 Menschen getötet.

Insofern waren die Schmähungen von Pogatetz nur ein weiteres Mosaiksteinchen im Bild der hässlichen Hannover-Fans. Für Kind war auch das eine «schlimme Entgleisung», die Rufe beurteilte er als «inakzeptabel und unappetitlich».

Doch was soll der Club tun? «Die sollen zu Hause bleiben», forderte Kind und offenbarte damit eine gewisse Form von Ohnmacht. «Wir müssen Klarheit schaffen», sagte er auch, konnte jedoch nicht erklären, wie das passieren soll.

Immerhin: Auf der vereinseigenen Internetseite entschuldigte sich der Verein offiziell bei Pogatetz. Der sonst hartgesottene Spieler wirkte geschockt. «Das ist sehr enttäuschend», sagte der um Fassung ringende Verteidiger und meinte damit nicht die sportliche Demütigung seines neuen durch seinen alten Clubs: «Das hätte ich so nicht erwartet.»

Statement auf 96-Homepage