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96-Boss Kind lässt sich mit Gesprächen Zeit

Hannover (dpa) - Die Suche nach einem Schmadtke-Klon bei Hannover 96 dauert noch. Lieber nichts überstürzen, abwarten und den Markt in Ruhe sondieren heißt die Devise von Martin Kind.

Trennung
96-Präsident Martin Kind (r) will erst in der nächsten Woche einen Nachfolger für Jörg Schmadtke suchen. Foto: Jens Wolf Foto: dpa

«Vor dem Wochenende läuft da sicherlich nichts mehr. Wir müssen uns jetzt auch erstmal sortieren», sagte der Clubchef des Fußball-Bundesligisten der Nachrichtenagentur dpa.

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Während der bisherige Geschäftsführer Jörg Schmadtke noch die Arbeitsübergabe managt und sich am Donnerstag schon von einigen Mitarbeitern auf der Geschäftsstelle verabschiedete, häuften sich bereits die Bewerbungen und Empfehlungen auf Kinds Schreibtisch. «Der eine oder andere ist sicherlich dabei, mit dem man sich mal unterhalten sollte», verriet der Unternehmer. Von den bislang genannten Namen hält Kind aber anscheinend nicht viel.

Ob Martin Bader (Nürnberg), Dirk Dufner (Freiburg), Dietmar Beiersdorfer (St. Petersburg), Jan Schindelmeiser, Andreas Müller (beide vereinslos) oder Valerien Ismael (96-Amateurcoach), die in verschiedenen Medien gehandelt wurden - alles sei bislang «reine Spekulation». Aus bestehenden Verträgen herauskaufen, «das machen wir nicht», betonte Kind am Tag nach der verkündeten Trennung von Schmadtke noch einmal. Ein Teil der Kandidaten fällt damit bereits weg. Auch eine interne Lösung mit Ismael sei nicht denkbar.

So zögerlich sich Kind bei der Suche trotz der Absicht, «schnellstmöglich» einen Nachfolger zu finden, noch gibt - so deutlich hat er das Profil des neuen Managers vor Augen: Schmadtke selbst. 96 hätte am liebsten einen Klon des Erfolgsmanagers: 
Charakterstark, leistungsorientiert und mit einem Näschen für Talente und günstige Transfers. «Einen zweiten Schmadtke wird es nicht geben, aber ähnlich sollte er schon sein», verriet Kind.

In Hannover geht die Befürchtung um, dass der Club ohne Schmadtke nun in ein Loch fällt. Die lokalen Zeitungen «Hannoversche Allgemeine Zeitung» und «Neue Presse» schrieben beide von einem «traurigen Tag» für Hannover 96 und der «Kicker» bezeichnete es als «Hannovers schlimmste Niederlage», dass Schmadtke zermürbt vom Zerwürfnis mit Trainer Mirko Slomka um Auflösung seines unbefristeten Vertrages gebeten hatte. Ein Eindruck, den Slomka nicht stehen lassen wollte. «Fakt ist: Es gab nie einen Machtkampf mit Jörg Schmadtke. Wir haben in der Sache sicherlich auch mal kontrovers diskutiert. Das hat aber vielleicht auch zu unserem Erfolg beigetragen», meinte Slomka.

Dass Schmadtke dies anders sieht, war am Donnerstag noch einmal deutlich geworden. «Ich wünsche Hannover 96 und Herrn Kind im Besonderen alles Gute», hatte Schmadtke gesagt und Slomka unerwähnt gelassen. So unbeteiligt der Coach an Schmadtkes Abgang sein will, an der Nachfolgersuche ist er es bestimmt. «Wenn der Präsident mich fragt, werde ich meine Meinung sagen. Aber ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, mich da einzumischen», sagte Slomka.

Dies sieht auch Kind so. Die Nachfrage beim Trainer wird es nämlich nicht geben - Slomka wird nicht eingebunden. «Nein, seine Zustimmung holen wir nicht ein», stellte Kind klar. «Er wird zu gegebener Zeit informiert.»