6 Millionen Euro teure Fitnesskur für die große Kälbersteinschanze

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Auch der Sprungrichterturm im Hintergrund wird komplett neu gebaut.
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Die große Kälbersteinschanze (rechts) und der Sprungrichterturm (links oben) werden in den nächsten Jahren für insgesamt rund 6 Millionen Euro saniert beziehungsweise teilweise neu gebaut. (Fotos: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Ein rund zehnjähriges Ringen um den Fortbestand der Skisprunganlage Kälberstein scheint jetzt zu einem guten Ende zu kommen. Die große Kälbersteinschanze HS 98 wird für rund 6 Millionen Euro saniert. Der Gemeinderat Berchtesgaden gab für das Großprojekt am Dienstag einstimmig grünes Licht, weil 90 Prozent der Kosten durch Zuschüsse von Bund, Land und Berchtesgadener Landesstiftung gedeckt sind. Im Winter 2023 könnte die neue Anlage betriebsbereit sein.


»Wir wollen die große Kälbersteinschanze jetzt fit für die Zukunft machen«, sagte Bürgermeister Franz Rasp, der sich über die Entwicklung nach zehnjährigem Kampf sichtlich freute. Das Projekt, das der Rat­hauschef vorstellte, sieht einen kompletten Neubau der Anlaufbahn, die künftig aus einer Stahlkonstruktion bestehen soll, vor. Die Zufahrtsstraße soll verlegt werden, sodass der bisherige Tunnel entfallen wird. »Im Ablaufbereich bleibt nur der Turm stehen«, betonte Rasp. Der soll allerdings einen Aufzug bekommen. Laut Rasp soll die Größe der Schanze in etwa bleiben, deshalb sind auch keine Rodungsmaßnahmen erforderlich. Festhalten will man auch am Pkw-Transport, einen neuen Sessellift wird es also nicht geben. »Das hat den Vorteil, dass man für die Liftbedienung kein zusätzliches Personal braucht«, so Rasp.

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Die ersten 50 Meter des Aufsprungbereichs bestehen bislang aus einer hölzernen Brückenkonstruktion. Sie soll durch einen Stahlbetonbau ersetzt werden, damit der Bereich künftig auch vom Pistengerät präpariert werden kann. »Die Anlage kann dann auch im Winter genutzt werden«, erklärte Rasp. Komplett neu gebaut wird darüber hinaus der Sprungrichterturm.

Die Kosten für das Projekt sollen sich auf rund 6 Millionen Euro inklusive Technik und Planung belaufen. Möglich wird die Realisierung aber nur durch die Förderzusagen in Höhe von rund 90 Prozent. Rasp geht davon aus, dass die 6 Millionen die maximalen Kosten darstellen. »Sollten sich die Kosten aber dennoch erhöhen, wären auch diese durch die Förderzusagen gedeckt«, versicherte Rasp. Darüber hinaus werden kostendeckende Betriebskostenzuschüsse fließen. »Sollte es diese irgendwann nicht mehr geben, wären wir nicht verpflichtet, die Anlage weiterzubetreiben«, betonte Franz Rasp, der die Schanzenanlage am Kälberstein als »reine Trainingsstätte« beschrieb. Die dort stattfindenden Wettkämpfe seien lediglich regional mit internationaler Beteiligung und ohne großes Zuschaueraufkommen. Rasp: »Nach Auskunft der Trainer handelt es sich um eine optimale Anlage, um das Skispringen zu lernen.«

Der Bürgermeister bedankte sich bei »allen, die sich für die Anlage eingesetzt und maßgeblich mitgearbeitet haben«. Genannt wurden alle Trainer und ehrenamtlichen Helfer, Parlamentarischer Staatssekretär Stephan Mayer, Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer, Innenminister Joachim Herrmann, Staatsministerin Michaela Kaniber, Landrat Bernhard Kern, DSV-Sportdirektorin Karin Orgeldinger und Skisprungtrainer Christian Leitner.

Dass die Anlage am Kälberstein eine wichtige Funktion für den Sportstandort CJD Berchtesgaden habe, betonte Sebastian Rasp in der kurzen Aussprache. Der CSU-Gemeinderat hat die Vision eines »wundervollen Eröffnungsspringens im Jahr 2023 mit Bürgermeister Franz Rasp als Vorspringer«.

Auch Dr. Bartl Wimmer (Grüne) begrüßte die nun präsentierte Lösung, zumal die Anlage eine lange Tradition habe. Grundsätzlich sieht Wimmer die Spitzensportförderung ohnehin nicht als kommunale Aufgabe, hier seien eigentlich Bund und Land zuständig. Deshalb wünsche er sich, so Wimmer, dass Bund und Land künftig auch in anderen Sportarten so verfahren.

Dem wollte sich Hans Kortenacker (Bürgergruppe) anschließen. Der unterstützt das Projekt wegen der hohen Zuschüsse zwar ebenfalls, sieht aber die 600 000 Euro, für die die Gemeinde noch aufkommen muss, schon noch als »eine wesentliche Summe, die uns trifft«. Man müsse halt »schauen, dass kein Präzedenzfall daraus wird und wir vielleicht auch die anderen Randsportarten im Talkessel entsprechend fördern müssen«.

Eine Stärkung des CJD-Standorts Berchtesgaden sieht auch Michael Koller (Freie Wähler) in dem Projekt. Es handle sich um eine Investition in die Zukunft. »Erst jetzt, wenn nichts mehr los ist, sehen wir, wie wichtig das Vereinsleben ist.« Die bei der Sitzung als Zuschauer anwesenden Stützpunkttrainer und Mitarbeiter des Skiklubs Berchtesgaden quittierten die positive Entscheidung des Gremiums mit Applaus.

Ulli Kastner