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Pater Benno nimmt seine Krippenfiguren-Sammlung mit nach Vorarlberg. (Foto: Lisa Schuhegger)

56 Krippenfiguren im Gepäck: Pater Benno verlässt Berchtesgaden

Berchtesgaden – Donnerstagmorgen, Pater Benno öffnet die Eingangstüre zum Franziskanerkloster. Im Gang türmen sich Koffer und Kartons. »Meine Sachen«, bemerkt der Pater, der in gut einer Woche umzieht. Er wird versetzt ins Kloster Bezau in Vorarlberg/Österreich. Dort wird der 58-Jährige als Pfarrvikar die Priester in den umliegenden Pfarreien unterstützen. Warum er so viel Gepäck hat? In den zwölf Jahren, in denen der gebürtige Pole in Berchtesgaden als seelsorgerischer Mithelfer im Stiftsland, Vertreter in Unterstein und Krankenhausseelsorger tätig gewesen ist, hat sich einiges angehäuft. »In vielen Kartons befinden sich Krippenfiguren«, erklärt er. »Die sammle ich.« 


Ein für eine Krippenfigur großer Elefant steht unverpackt auf dem Kartonstapel. »Den habe ich erst kürzlich erstanden.« Seine Augen leuchten. Er sei ein leidenschaftlicher Sammler. 56 Figuren hat er. Wie der hl. Franziskus, der Christus zu den Menschen bringen und 1223 in Greccio/Italien Jesu Geburt nachgebildet hatte, will auch Pater Benno die Weihnachtsbotschaft verkünden. »Wann immer sich eine Gelegenheit geboten hat, habe ich ausgestellt«, sagt er. Die Krippe sollte die Menschen hier begeistern, tatsächlich mit Gott zu leben. Pater Benno habe es manchmal traurig gemacht, wenn Familien, Kinder oder Eheleute nach Taufe, Kommunion oder Trauung der Kirche augenscheinlich den Rücken zugekehrt hätten.

Er habe Gott im Stillen gefragt, wie er die Leute hätte besser ansprechen können. Gott habe ihm daraufhin zwar keine direkte Antwort gegeben, nur ein Zeichen. Dann und wann habe er wieder ein bekanntes Gesicht in der Kirche gesehen. »Ich habe etwas Gutes getan«, habe er gespürt.

Etwas Gutes tun erfüllt den Seelsorger. Deswegen habe ihn auch die Krankenhausseelsorge in der Kreisklinik Berchtesgaden erfüllt. »Ich habe gute Gespräche geführt.« Die Patienten habe er nie bekehren wollen. »Sondern begleiten«, erklärt Pater Benno seine Philosophie der Krankenhausseelsorge. Viele Patienten hätten in ihrem Leiden seelsorgerischen Beistand gebraucht, habe er gefühlt. »Manche wollten auch die heilige Kommunion empfangen oder die Krankensalbung«, berichtet er. »Ich habe nah am Menschen sein dürfen«, das habe er sehr gemocht, sagt der Geistliche.

Diese emotionale Nähe zu den Patienten habe ihm in der Pandemiezeit gefehlt. »Ich habe zeitweise gar nicht ins Krankenhaus gehen dürfen«, erinnert er sich. »Ich habe dann zu Hause für die Patienten gebetet.« Das sei aber nicht das Gleiche gewesen, so der Pater.

Jetzt, wo er wieder ins Krankenhaus darf, sei alles ein wenig anders. »Alle gehen ein bisschen auf Distanz«, bedauert der 58-Jährige. Er versuche, die pandemiebedingte Distanzierung nicht persönlich zu nehmen.

Insgesamt habe er sich in Berchtesgaden sehr wohlgefühlt. »Ich bin gut aufgenommen worden, als Mensch und als Geistlicher«, zeigt er sich dankbar. »Ich habe schöne Erinnerungen.« Besonders gerne denkt er an das gemeinsame Fest zum Jubiläum des 25-jährigen Priesterdaseins vor sieben Jahren mit Pater Terencjan zurück. »Das ist ein schönes Fest gewesen.«

Ein wohl ähnlich schönes Fest steht Pater Benno an Mariä Himmelfahrt nach der heiligen Messe zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel um 18.30 Uhr bevor. Pater Benno wird verabschiedet, ehe er sich dann am Montag darauf mit all seinen Krippenfiguren aufmacht nach Vorarlberg. »Hoffentlich verstehe ich den Dialekt der Österreicher«, schmunzelt er.

li