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Ein Wohnungsplus gegenüber dem Vorjahr von 431. Der Wohnungsbestand hätte aber um 538 Wohnungen wachsen sollen. (Grafik: zds)

54.390 Wohnungen für 106.389 Menschen

Berchtesgadener Land – Reichen 54.390 Wohnungen aller Art und Größe für 106.389 Menschen? Ersteres ist der Bestand an Wohnungen, der im Kreis Berchtesgadener Land zum 31. Dezember 2021 gezählt wurde. Letzteres ist die Zahl der Menschen aller Altersklassen, die zum gleichen Zeitpunkt hier ihren Wohnsitz hatten. Beim Wohnungsbestand war das ein Wohnungsplus gegenüber dem Vorjahr um 431 oder 0,8 Prozent und damit neuer Rekordbestand.


Die Zahlen sind die jüngsten, die in die regionalen Wohnungsbestandsstatistik der Regionaldatenbank Genesis eingestellt wurden. Ob die Wohnungszahl reicht, sagt die Datenbank nicht. Aber das Wohnungsbedarfsmodell des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist ebenfalls aktualisiert worden und aus dem lässt sich ableiten, dass der Wohnungsbestand im Landkreis um 538 Wohnungen hätte wachsen müssen: Der Bedarf an zusätzlichen Wohnungen ist durch den Wohnungsbestand so gesehen derzeit nicht gedeckt. Insgesamt gab es zum Stichtag 22.784 Gebäude mit Wohnungen (Vorjahr: 22 651).

Laut Umfrage wünscht sich die Bevölkerung vor allem Platz. »Am häufigsten wünschen sich die Menschen eine Wohnfläche zwischen 100 und 150 Quadratmetern«, berichtet beispielsweise der Wohnungsfinanzierer »Interhyp«. Gute Lage, Balkon oder Garten, Arbeitsplatznähe und gute Infrastruktur stehen auf den weiteren Plätzen der Wunschlisten. Welche der 54.390 vorhandenen Wohnungen im Berchtesgadener Land diesen Idealen nahekommen, wird statistisch allerdings nicht erfasst.

Bei der Frage, ob die Menschen lieber verdichtet oder auf Abstand wohnen, lässt sich die Antwort hingegen daraus ableiten, für was Bauherren ihr Geld ausgeben: Der größte Traum ist und bleibt das eigene Haus für die Familie. 13.266 Einfamilienhäuser gibt es mittlerweile allein im Landkreis. (Vorjahr: 13.187). Aber nicht für jeden ist dieser Traum bezahlbar. Im erfassten Zeitraum waren die Zinsen niedrig. Inzwischen steigen sie an. Da bleibt die Eigentumswohnung oder das Wohnen zur Miete in einem der 4541 Mehrfamilienhäuser (Vorjahr: 4 506) als einkommensbasierte Alternative (wobei der Staat ja bei Bedarf mit Wohngeld hilft). Als Mehrfamilienhäuser gelten alle Wohngebäude mit drei und mehr Wohnungen. Dazu kommen als Zwischending Häuser mit zwei Wohnungen, bei denen oft der Vermieter mit im Haus wohnt. Von diesem Haustyp gibt es bei uns 4943 (Vorjahr: 4924).

Ob das mit der Größe klappen kann, lässt sich anhand der Zimmerzahl abschätzen: Große Wohnungen mit fünf Räumen (einschließlich Küche) und mehr waren im Kreis Berchtesgadener Land zuletzt inklusive der Einfamilienhäuser insgesamt 20.398 erfasst. Das sind rund 37,5 Prozent des Bestandes. 13.008 Wohnungen (23,9 Prozent) verfügten über vier Räume, 12.400 Wohnungen (22,8 Prozent) waren Dreizimmerwohnungen, 6530 (12,0 Prozent) hatten zwei Räume und 2054 ein Zimmer (3,8 Prozent). Die durchschnittliche Wohnungsgröße Deutschlands im erfassten Zeitraum »betrug rund 92 Quadratmeter, aufgeteilt auf 4,4 Wohnräume«, sagt das Statistische Bundesamt. Da ist die Korrelation aber mit Vorsicht zu genießen. Und mit Blick auf den demografischen Wandel, sprich die Altersstruktur der Bevölkerung und die Haushaltsgröße.

Kurz und gut: Der Wert taugt nur zur Voraussage, dass demnächst größere Wohnung neu bezogen werden können, wenn das Ende der Lebenserwartung bei den jetzt darin Wohnenden erreicht wird. Am wachsenden Wohnungsbedarf ändert das aber nichts, solange Zuzug den Bevölkerungsschwund mehr als ausgleicht. Die IW-Wissenschaftler haben das in ihrer Prognose des Wohnungsbedarfs berücksichtigt und bis einschließlich 2025 vorausberechnet, wie viele Wohnungen im Landkreis Berchtesgadener Land jährlich zusätzlich angeboten werden müssen, um mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt zu halten. Da kommen die 538 her.

zds