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45 Abiturienten »schlappen davon« – Festakt am Dürreck

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Für diese 45 jungen Menschen beginnt nun, nach dem Abitur, ein neuer Lebensabschnitt. (Fotos: Voss)
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Sie erhielten den Preis der fünf Talkessel-Bürgermeister (vorne v.l.): Die vier Besten Sebastian Kistenmacher, Sophia Eckstein, Katharina Adamy und Marie Saurler sowie Sebastian Braun, der den Ehrenamtspreis erhielt.
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Lehrer Korbinian Baumann (l.), Direktor Stefan Kantsperger (2.v.l.) und Dr. Herbert Höpfner (r.) verliehen den Dietrich-Bonhoeffer-Preis an Linus Trautmann.

Schönau am Königssee – 45 Abiturienten haben am Freitag an der CJD-Christophorusschule Berchtesgaden ihre lang ersehnten Zeugnisse erhalten. 16 von ihnen schafften einen Einser-Schnitt.


Das traumhafte Wetter passte ideal zur ausgelassenen und fröhlichen Stimmung bei der Abschlussfeier an der höchstgelegenen Schule Deutschlands. Beim Festakt erhielt zudem ein Schüler den Dietrich-Bonhoeffer-Preis, und weitere wurden ebenfalls besonders geehrt.

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Religionslehrerin Katharina Luibl hielt zu Beginn der Feier eine Andacht vor dem Schulgebäude ab. Dazu musste sie die Eltern, Schüler, Lehrer und Besucher animieren, die einige Meter weiter vor der Hitze in den Schatten geflüchtet waren. Sie bezog sich in ihrer Ansprache auf das diesjährige Motto der Abiturienten »Abiletten – wir schlappen davon«. »Ihr habt laufen gelernt und könnt nun eigenständig eure Wege gehen.« Aber vielleicht müsse man die Adiletten manchmal gegen Laufschuhe tauschen, so die Lehrerin. »Bereichert die Welt, pflanzt Bäume«, war einer ihrer Ratschläge, die sie ihren Schülern mit auf den Weg gab.

Schuldirektor Stefan Kantsperger betonte zu Beginn der Feierstunde in der Schulturnhalle, wie stolz er auf seine Schüler sei. Er übergab das Wort an den Kreisrat und Stellvertreter des Landrats, Helmut Fürle. Dieser zählte unter anderem die vielfältigen Möglichkeiten auf, die die Schüler nun haben, wie etwa eine Lehre, ein Studium, eine Ausbildung bei der Bundeswehr oder auch die Möglichkeit, die Welt kennenzulernen. »Sie tragen jetzt selbst die Verantwortung für Ihr Leben«, sagte Fürle. Er wünschte den Abiturienten, dass sie den Raum schaffen, beziehungsweise finden, in dem sie ihre Begabungen nutzen können.

Elisabeth Rasp, die dritte Bürgermeisterin der Gemeinde Schönau am Königssee, gratulierte den 45 jungen Frauen und Männern ihrerseits und ermunterte sie, zu feiern. Dem fügte sie noch hinzu: »Feiert aber nicht zu lange, denn ein weiteres Ziel solltet ihr schon im Auge haben.« Die Sportler wüssten, dass der Weg zum Ziel nicht immer gerade sei, sondern auch viele Kurven habe. So werde es auch in Ausbildung und Studium sein.

Ausnahmetalent Angelina Huber

Bevor es nun die wichtigen Abschlusszeugnisse gab, bekamen die Schüler, Lehrer, Eltern und Verwandten noch eine musikalische Darbietung der Extraklasse serviert. Angelina Huber, auch Abiturientin, sang ein selbst geschriebenes Lied mit dem Titel »From now on«. Sie spielte dazu Gitarre, auch Lehrer Peter Hoffmann übernahm einen Gitarren-Part. Ihre Performance war so professionell und das Lied so gut, dass sie zu Recht minutenlangen, tosenden Applaus und Begeisterungsstürme erntete. Von diesem strahlenden Talent könnte sich manch bekannter Musiker eine Scheibe abschneiden.

Da sie die Schule über die Jahre immer wieder musikalisch unterstützte, wenn es wie etwa beim musischen Abend vonnöten war, erhielt sie auch etwas später eine besondere Ehrung des Direktors. Dann rief Oberstufenkoordinator Axel Fuchslechner die überglücklichen CJD-Schüler auf, die von Direktor Stefan Kantsperger und stellvertretendem Direktor Dr. Herbert Höpfner beglückwünscht wurden. 16 von ihnen schafften eine Eins vor dem Komma.

Während der Verteilung meldete sich Sportkoordinator Christian Scholz, um den Sportler des Jahres besonders herauszuheben. Er hielt eine kurze und herzliche Laudatio, bevor besagter Schüler auch sein Abi-Zeugnis in Empfang nehmen konnte: Konstantin Schmid. Aus Fairness nannte Scholz noch weitere Namen, die große Erfolge in ihrer jeweiligen Sportart feiern konnten. Alle erhielten tosenden Applaus: Luis Lehnert, Beni Bockstaller, Florian Fischer, Nora Brand und Sophia Eckstein.

Der folgende Teil des Festaktes war den Ehrungen gewidmet. Zunächst durften sich die besten Schüler über Buchpreise freuen. Hier sprach Fuchslechner von einer Besonderheit, denn einer der Abiturienten schaffte sogar einen Schnitt von 0,8 – Sebastian Kistenmacher. Die anderen erreichten jeweils den Spitzenschnitt von 1,1: Katharina Adamy, Marie Saurler und Sophia Eckstein. Der stellvertretende Bürgermeister des Marktes Berchtesgaden, Bartl Mittner, lud zunächst die genannten drei Besten zum Abendessen mit allen Bürgermeistern des Tals in das »Kempinski Hotel Berchtesgaden« ein. Für sein besonderes ehrenamtliches Engagement wurde Sebastian Braun geehrt, der ebenfalls zum Essen mit den Bürgermeistern eingeladen wird. »Was würden wir ohne Ehrenamtliche tun«, sagte Mittner bei seiner Laudatio.

Lehrer Korbinian Baumann übernahm daraufhin die Verleihung des Dietrich-Bonhoeffer-Preises. In diesem Jahr geht dieser an Linus Trautmann. Baumann erinnerte in seiner Ansprache an den Mord an Politiker Walter Lübcke: »Die jüngsten politischen Ereignisse haben uns erschüttert.« In Zusammenhang mit dem Lebenslauf Bonhoeffers sagte er: »Es ist umso schockierender, dass im 21. Jahrhundert ein Politiker sein Engagement mit dem Leben bezahlen muss.« Die demokratischen Grundwerte seien wertvoll für unsere Gesellschaft.

Nun sollte ein Schüler für seinen uneigennützigen Einsatz für die Schulfamilie geehrt werden, der diese Werte verkörperte und ein Vorbild für alle Mitschüler sei. Linus Trautmann habe unter anderem seinen Mitschülern ehrenamtlich Nachhilfe gegeben und sei mit seiner ruhigen und besonnenen Art eine Motivation für alle. Abschließend wurden noch Angelina Huber, wie bereits erwähnt, und Julia Prantler geehrt. Prantler engagierte sich unter anderem in der SMV.

»Mischt euch ein«

Zum Abschluss ergriff Direktor Kantsperger das Wort und verabschiedete sich so von seinen Schülern. Er erinnerte an das BrexitVotum, das vor allem bei jungen Menschen auf Widerstand gestoßen war. Nur war die Wahlbeteiligung damals dementsprechend gering bei den 18 bis 24-Jährigen. Damit wollte der Direktor den Abiturienten ihre Verantwortung bewusst machen und rief sie auf, wählen zu gehen: »Ihr müsst Verantwortung für eure Zukunft übernehmen.« Auch »Fridays for Future« sprach er an, und lobte die Schüler für ihren Einsatz: »Wir sollten die Jugendlichen unterstützen und nicht mit erhobenem Zeigefinger ermahnen. Stilles Zusehen oder ein Sich-fügen haben noch nie etwas verändert.« Schließlich richtete er noch einen Aufruf an die 45 jungen Frauen und Männer: »Liebe Abiturienten, mischt euch ein! Es geht um eure Zukunft.« Annabelle Voss