30 Jahre Partnerschaft zwischen den Kirchgemeinden Berchtesgaden und Bumila

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Bei den Fürbitten im Rahmen des Festgottesdienstes unterstützten drei Konfirmandinnen Pfarrer Dr. Josef Höglauer. (Foto: Dieter Meister)

Berchtesgaden – »Wenn ich von Tansania erzähle, komme ich schnell ins Schwärmen«, bekannte Pfarrer Dr. Josef Höglauer. Er denke dabei nicht an touristische Höhepunkte, sondern an die Menschen und ihre Herzlichkeit. Die nunmehr 30-jährige Partnerschaft zwischen den Dekanaten Traunstein und Mpwapwa, und ganz speziell zwischen den Kirchgemeinden Berchtesgaden und Bumila in Tansania. Einer Partnerschaft auf Augenhöhe, wie mehrfach im Rahmen des Festgottesdienstes im Kurgarten betont wurde.


Hilfe zur Selbsthilfe mag man es vielleicht beschreiben. Der wohlhabendere Partner missioniert nicht, sondern greift »unter die Arme«, wenn es um die Wasserversorgung der trockenen afrikanischen Region schlecht bestellt ist, baut Kindergärten und Schulen und zuletzt sogar Unterkünfte für Lehrer, als Lockmittel, um diesen den Umzug in die abgelegene Provinz leichter zu machen.

Wer das Glück hatte, bei früheren Zusammenkünften der beiden Gemeinden dabei zu sein, vermisste mindestens auch die farbenfrohen Gewänder der Gäste aus Tansania, denen Corona diesmal einen Schlagbaum setzte. So konnte das Ehepaar Bobek, das bereits mit anderen mehrfach vor Ort in Afrika weilte, wenigstens optisch einen Hauch von Bumila vermitteln. Auch Annegret Gaffal kennt Bumila und sprach von einem über drei Jahrzehnte währenden Engagement »mit ganz viel Herz«. Zeit sei es nach so vielen Jahren für einen Rückblick, für eine Zwischenbilanz. Und Zeit dafür, danke zu sagen, an den Herrgott, dass er diese Partnerschaft zu einem Segen werden ließ, aber auch an die vielen Spender, die geholfen hätten, das Leben in Bumila leichter zu machen.

»Wenn ich in Tansania bin, ist es vor allem die starke Frömmigkeit der dortigen Menschen, die mich bewegt«, sagte Pfarrer Högl-auer, der den 117. Psalm zum Fundament des Festgottesdienstes bemühte: »Lobet den Herrn, alle Heiden! Preiset ihn, alle Völker! Denn seine Gnade und Wahrheit waltet über uns in Ewigkeit.« Es habe ihn immer wieder begeistert, so Dr. Josef Höglauer, wie selbstverständlich die afrikanischen Partner in ihrem Glauben leben. Vieles in der Welt sei allerdings immer noch ungerecht verteilt. Der Psalm passe perfekt zur Partnerschaft. Man solle auf die ganze Welt schauen, auf einen Gott, der für alle Menschen da sei.

Die Lesung, die Dieter Bobek übernommen hatte, berichtete aus der Apostelgeschichte. Im achten Kapitel wird die Geschichte des äthiopischen Kämmerers erzählt, der zum möglicherweise ersten afrikanischen Christen wird und sich von Philippus taufen lässt. »Benbula« stand auf dem Parament, das die improvisierte Kanzel schmückte. Das liest sich vielleicht wie eine Zauberformel, wie etwa Hokuspokus, ist aber lediglich das etwas eigenartig klingende Kürzel für die Orte Berchtesgaden und Bumila, das »Zauberwort« für eine Partnerschaft, die die evangelische Gemeinden Berchtesgaden und Bumila in Tansania vor nunmehr 30 Jahren eingingen.

Eine Partnerschaft auf Augenhöhe, wie es Marktbürgermeister Franz Rasp nannte, der mit seinem Bischofswieser Kollegen Thomas Weber und Wolfgang Lochner, dem 2. Bürgermeister von Marktschellenberg, der Einladung zum Festgottesdienst persönlich gefolgt war. Er zollte in seinem Grußwort den Engagierten Respekt für die geleistete Arbeit, den Partnern in Tansania bei der Bereitstellung elementarer Dinge zur Seite zu stehen. Auch unter dem Aspekt, dass in der dortigen Region etwa die Hälfte der Menschen unter 16 Jahre alt sei. Die Partnerschaft werde die Welt nicht verändern, aber für ein Kind in Bumila ändere sie die ganze Welt.

Es durfte gesungen werden bei diesem Gottesdienst im Freien, ohne Maske, aber mit gebührendem Abstand. Die Feier der für beide Seiten fruchtbaren Partnerschaft wird ergänzt durch ein reich bebildertes Begleitbüchlein, in dem »Tansania-Erfahrene« von ihren Erlebnissen berichten. Dazu gibt es auch eine kleine Ausstellung in der Christuskirche, die an einige Aspekte des 30-jährigen Miteinanders erinnert. Die musikalische Umrahmung des Festgottesdienstes übernahm ein Quintett aus der Markkapelle.

Dieter Meister