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20 Jahre Rupertiblech und Laubensteiner Bläser

Im Jahr 1993 gründete der Tuba- und Kontrabassspieler Peter J. Reiter mit Musikanten aus Aschau, Frasdorf, Rottau, Inzell, Weißbach, Prien, Bergen und Ainring eine »Bäuerliche Blasmusik«; der heilige Rupert, Schutzpatron Salzburgs, »gab« ihr den Namen Rupertiblech. Sie besticht bis heute durch ihren sauberen, präzisen Klang, auch innerhalb der Gruppe herrscht »ein guter Ton«. Das merkt man als Zuhörer! Volksweisen aus dem Salzburger und dem Berchtesgadener Land und aus dem Chiemgau, auch Bearbeitungen alter, schon fast vergessener Melodien durch Peter Reiter gehören genau so zu ihrem Repertoire wie neu geschriebene Stücke und Weisen aus der Feder von Erich Gawlik, Sepp Schlemer und eben Peter Reiter, der bis heute ihr »Musimoaster« ist.

Rupertiblech in voller Besetzung. (Foto: Kaiser)

Mit ihrer stimmigen, mitreißenden Musizierweise wurden Rupertiblech »beispielgebend für viele junge Gruppen zwischen dem Chiemgau und dem Salzburger Land«, betonte Fritz Schwärz vom ORF-Radio Salzburg, ein langjähriger Begleiter der Gruppe, der als gewandter Sprecher durch den »Jubiläums-Frühschoppen« in der heillos überfüllten Frasdorfer Lamstoahalle führte. Er wünschte Rupertiblech, den vier Laubensteiner Bläsern, die aus ihren Reihen kommen, und ihren Gästen, den Tölzer Sängern, »die schon etwas länger, nämlich 44 Jahre in der ursprünglichen Besetzung miteinander singen, a recht a kommodes Beieinandersei«.

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Ganz zünftig begann der Frühschoppen mit der »Pongauer Bauernpolka« und dem »Goldegg Wenger-Boarischen«, mit großer Ruhe und feinem Gefühl musizierten die Laubensteiner den »Kettenkapellen-Marsch« aus; die Tölzer machten klar: »Und i tua, was i wui.« Auch in ihrer weiteren Liedauswahl bewiesen sie Eigenständigkeit und Geschmack, beim »Öltrager Koiberl«, bei »Der Himme is glaslhoata« und beim »Hohpfalz«-Lied. Hinterkünftige, auch gar derbe Gstanzl brachten sie mit »Drobn auf da rotn Wand«, »Drei Rippn, drei Rappn«, »Drunt in da Schodagruabn« und über die »Kropfate Pinzgauerin«.

Der Reiter Peter versteht sein Spielgut durchaus als Gegengewicht zu den allgegenwärtigen Böhmischen Polkas, doch auch Rupertiblech schwelgte mit der »Bochumil-Polka«, einen feinen Triolenstückl, und »Pet Pochudu« in böhmischen Klängen. Mit dem »Postillion-Walzer« gratulierten die Kameraden Erich Gawlik zum 61. Geburtstag, den er an diesem Tag beging. Fritz Schwärz gab auch einen (natürlich nur auszugsweisen) Überblick über die zahlreichen Radio-, Fernseh- und Bühnenauftritte von Rupertiblech, bei denen sie wichtigen und auch hohen Persönlichkeiten begegneten. Ein absoluter Höhepunkt war für Erich Gawlik die Begegnung mit Papst Benedikt XVI., dem er in Castel Gandolfo vor einem Jahr zu seinem 85. Geburtstag »mit einer Mischung aus Angst, Ehrfurcht und Freude« seine »Benedikt-Weis« persönlich überreichen durfte.

Diese Weise zelebrierten die Laubensteiner Bläser (Andreas Hilger und Andreas Wörndl, Flügelhörner; Erich Gawlik, Basstrompete; Peter Reiter, Tuba) auch in Frasdorf in ihrer unnachahmlichen Weise, natürlich auch die »Frasdorfer Weis« (von E. Gawlik) und »Alma-Wasserl«. Nahtlos und ohne musikalische Berührungsängste fügte sich auch eine Allemande aus dem 17. Jahrhundert von Samuel Scheidt ins Programm ein, in bezwingender Dynamik von den Laubensteinern vorgestellt. Den besonderen Reiz von Rupertiblech macht die gelungene Verbindung des weich-präzisen Klanges der Flügelhörner und Basstrompeten mit dem frisch-frechen Klarinettenregister, den »picksüaßen Hölzln« von Josef Schlemer und Josef Rieder aus, die sich im »1,2,3-Zwiefachen« (J. Schlemer) und bei der »Annen-Polka« besonders hervortaten. Die punktgenauen Betonungen und der zwingende Rhythmus machten den herrischen »Brünoth-Boarischen« so interessant.

Zweistimmigen Weisen, einer mit Tuba und Basstrompete, einer anderen mit zwei Flügelhörnern, lauschten die Zuhörer mit angehaltenem Atem. Sonst aber gab es leider viel Geratsche, sehr störend oft! Natürlich nicht beim Lied »Is denn des net a Lebn« der Tölzer Sänger, mit dem sich das Programm dem Ende zuneigte. Ein rassiger Landler, bei dem alle Register noch einmal zu Wort kamen, und die »Puchhammer Polka« bildeten den Schluss, dem dann doch noch »A Böhmischs Polkerl« folgte, ein zauberhaft virtuoses Solostück für Andreas Hilger mit allen Zungenraffinessen.

Einer der Tischnachbarn fasste den Frühschoppen treffend zusammen: »Sauba hams wieda aufto!« Engelbert Kaiser