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Katharina Schneider (l.), Pädagogische Referentin für Elternbildung, würdigte Margit Koglers Engagement in der Oberau. (Foto: Katholisches Bildungswerk)

20 Jahre im Einsatz für die Kleinsten: Margit Kogler leitet Eltern-Kind-Gruppen in der Oberau

Berchtesgaden – Für Margit Kogler ist es eine Lebensaufgabe, die ihr große Freude bereitet: Sie leitet 20 Jahre das Eltern-Kind-Programm (EKP) des Katholischen Bildungswerks in der Oberau. Das Angebot richtet sich an Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren. Bei den Treffen kann man gemeinsam spielen, singen und musizieren – und durch den Kontakt zu anderen Kindern den Übergang in die Kindertagesstätte erleichtern. Welchen Wandel dieses Programm gemacht hat und weshalb ein Büchlein zu Koglers schönsten Erinnerungen in ihrer Tätigkeit gehört, das verrät sie im Interview.


Wie schafft man es , 20 Jahre lang EKP-Gruppenleiterin zu sein?

Margit Kogler: Die Frage, die sich mir immer wieder gestellt hat, war eher: Wie schaffe ich irgendwann den Absprung? Ich weiß nicht, wie die Erzieherinnen in den Kitas es immer wieder schaffen, die Kinder weiterziehen zu lassen. Mir fällt das unglaublich schwer. Ich habe damals nur zufällig eine Gruppe übernommen, nachdem ich selbst mit meinem Großen am EKP-Programm teilgenommen habe. Daraus wurde eine Lebensaufgabe, die mir bis heute große Freude bereitet.

Was war vor 20 Jahren anders?

Kogler: Damals hatten die Mamas noch mehr Zeit und sind länger wegen der Kindererziehung zuhause geblieben. Heutzutage sind sie schneller wieder berufstätig und bleiben dementsprechend nicht mehr so lange in der Gruppe. Früher hatte ich oft Kinder mit 4 Jahren in der Gruppe. Das kommt heute nur noch selten vor. Außerdem hat sich die Erwartungshaltung der Eltern geändert. Viele haben Angst, dass die Talente ihrer Kinder nicht rechtzeitig gefördert werden. Und die Kinder kommen mit Langeweile schlechter klar, weil sie eigentlich viel zu viel angeboten bekommen. Aber ein Kind muss gar nicht ewig bespaßt werden. Es ist wichtig für die Entwicklung der Kinder, dass sie auch einmal Langeweile aushalten. Auch die Mobilität hat sich verändert. Früher waren die Kinder eher auf die häusliche Umgebung angewiesen und mussten sich dort beschäftigen. Heutzutage ist der Umkreis viel größer, weil fast alle Eltern ein Auto haben.

Inwiefern hat sich Ihre Arbeit verändert?

Kogler: Heute sind die Kinder jünger, oft erst knapp ein Jahr alt. In dem Alter spielen sie noch nicht miteinander, sondern vielmehr nebeneinander. So etwas wie ein Kaufladen zum Beispiel kommt heute kaum mehr zum Einsatz. Und die Mütter sind oftmals verunsichert, weil sie durch das junge Alter ihrer Kinder schlechter einordnen können, ob es dem Kind Spaß macht. Die Reaktion von so kleinen Kindern ist nicht so unmittelbar wie die von Vier- oder Fünfjährigen. Oft verarbeiten die Kleinen erst später die Eindrücke und versuchen zum Beispiel, erst im Auto die Lieder nachzusingen. Aber auch das Zuschauen macht denen Spaß.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?

Kogler: Ich mache immer Fotos und erstelle kleine Büchlein für die Kinder von ihrer EKP-Zeit. Vor einiger Zeit habe ich eine Mutter von damals getroffen. Und die hat mir erzählt, dass ihre heute 13-jährige Tochter manchmal vor dem Schlafengehen noch ihr Büchlein aus dem Nachtkastl holt und darin blättert. Das hat mich schon sehr berührt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Kogler: Durch die ganze Corona-Zeit hat sich bei den Kindern etwas verändert. Man durfte sich lange nicht mehr die Hände geben oder sich zur Begrüßung umarmen. Das kennen die Kinder heute gar nicht mehr. Ich würde mir wünschen, dass das alles wieder normal wird und wir wieder selbstverständlicher mit Freundlichkeit oder auch körperlicher Nähe umgehen. Alle sollten wieder offener aufeinander zugehen, ohne schlechtes Gefühl, ohne das Gefühl, sich etwas Schlechtes einzufangen oder weiterzugeben. Das Zusammengehörigkeitsgefühl sollte wieder mehr gefördert werden. Das ist wichtig für die Kinder und für die Erwachsenen.

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