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1650 Gäste fest im Griff von Martina Schwarzmann

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1650 Besucher fest im Griff und fast alle waren begeistert: Martina Schwarzmann bei ihrem Auftritt im Festzelt in Rettenbach. (Foto: Oberkandler)

Traunstein – Wer nicht schnell war, hatte keine Chance: Binnen weniger Tage waren die 1500 Karten für den Kabarettabend mit Martina Schwarzmann im Festzelt in Rettenbach ausverkauft. Dank eines geänderten Bestuhlungsplans durfte man 150 Karten mehr ausgeben. Aber auch die reichten bei Weitem nicht aus, um die Nachfrage zu befriedigen.


Unspektakulär kam sie auf die Bühne mit dunkler Strumpfhose, Kleid mit Blümchenmuster, roter Strickjacke und ebensofarbigem Halstuch; das Haar streng nach hinten geklemmt und dünnrandiger Brille, welche diese Strenge betonte: »Jetzt bin i do und jetzt spui i für euch… und erwarte von euch volle Anwesenheit.«

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Die wurde ihr vom beifallsfreudigen Publikum gerne geschenkt und selbst die Bedienungen mussten während des umjubelten Auftritts der Künstlerin Pause machen. Auch Schwarzmanns Anweisung, Handys, Mails, Scheinwerfern und Fotografieren zu unterlassen, kamen die meisten Besucher nach. Die politische Korrektheit, die sie gleich zu Beginn an sich so lobte, konterkarierte sie im Laufe des Abends ein ums andere Mal.

Ihre drei kleinen Kinder bezeichnet sie korrekt als minderjährige Mitbewohner, die sie nicht nur zum Muttertag als beste Mama der Welt bezeichnen – »sie haben ja keine Alternative«. Fiese und besonders strenge Erziehungsmethoden wende sie bewusst an, denn sie meine es nur gut. Ihre Kinder sollen es ja später einmal besser haben.

Deftiger wurde es dann schon bei ihren Überlegungen und Erfahrungen zum Thema Weiberstammtisch, an dem es unter anderem um »oräudige Sexualpraktiken« geht. Bevor sie das dazugehörige Lied zum jeweiligen Vortrag anstimmte, gab es eine dreimal so lange, ausschweifende Vorrede. Irgendwie erinnerte das an den guten alten Fredl Fesl, der die Kunstform der langen Vorrede zur Perfektion brachte – freilich nur deshalb, weil anfangs sein Liedrepertoire so klein war, dass er seine Auftritte künstlich in die Länge ziehen musste.

Verdächtige Geräusche im Schlafzimmer

Zurück aber zu den »oräudigen Sexualpraktiken«, die sich weit harmloser herausstellten, als es der Ausdruck vermuten lässt. Köstlich, wie die Künstlerin schilderte, warum sich ein Paar nach dem Hausumbau scheiden ließ: Man hatte den Teppichboden im Schlafzimmer gegen Parkett austauschen lassen. Nachts hört die Angetraute verdächtige Geräusche, die von ihrem Mann ausgehen. Der popelt heimlich in der Nase und schnippt die trockengewalkten Popel auf den Boden. Auf dem Parkett hört man's, auf dem Teppichboden hat man es nicht gehört.

Praktische Tipps, wie man Telefonverkäufer loswird, gab Marina Schwarzmann auch preis: den Kindern das Spielzeug wegnehmen. Deren Geschrei lässt den gewieftesten Telefonverkäufer einsehen, dass er zum falschen Zeitpunkt anruft. Köstlich auch der Einkauf mit dem Ehemann und ihren drei Kindern oder die Betrachtungen zum Thema Ordnungsliebe, die angesichts einer »Formularallergie« besonders am Schreibtisch nicht besonders stark ausgeprägt ist.

Nach der Pause ging es munter weiter mit praktischen Betrachtungen zum Fensterputzen. Das tut man nur und mit umso größerer Freude, wenn Freundinnen zu Besuch kommen. Die haben dann ein richtig schlechtes Gewissen, weil es bei ihnen daheim viel ungepflegter ausschaut. Eine besondere Betrachtungsweise hat die Kabarettistin hinsichtlich des Themas Fremdenfeindlichkeit – insbesondere gegenüber Preußen: »Was habe ich mich über Deppen aufgeregt. Keiner ist deshalb weniger Depp geworden.« Diese Erkenntnis war ein Plädoyer für mehr Toleranz. Man sollte auch den Dreck in der Wohnung tolerieren. Tut man das, dann muss man weniger putzen. Dazu passend folgte der Mitsingteil mit dem Refrain »der oane macht's aso, da andre macht's aso.« Ihr Kommentar nach dem Mitsingen: »Das war der Kammer-Chor.«

In dem abwechslungsreichen Programm ging es auch um den Kauf von Unterhosen im Internet und was das für Folgen haben kann. Besonders konservativen Zuhörern mag bei Martina Schwarzmanns Programm manches etwas peinlich vorgekommen sein. Aber »Fremdschämen« gab's nicht. Dazu war alles so perfekt humorvoll dargeboten, dass wirklich jeder seinen Spaß hatte.

Zwischendrin hatte der Kabarettist Stefan Kröll einen Kurzauftritt. Martina Schwarzmann kündigte ihn als ihren Praktikanten an, auch wenn Kröll deutlich älter als sie ist. Dieser hob nach ein paar Sketchen seine Vielseitigkeit hervor. Er mache jetzt auch auf Stimmenimitator. Einen könne er schon perfekt imitieren: »Hey, wer hat da die Palettn higstellt?« – Keiner wusste, wen er da imitiert hatte. Die Lösung: »Des war der Lagerist von der BayWa in Rosenheim…«

Und schräg endete dann auch das Programm von Martina Schwarzmann: »Die ersten zwei Kinder habe ich in der Nacht gestillt, beim dritten habe ich dann nur noch die Brust rübergelegt.« -K.O.-