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15 Jahre Wellness an der Breitwiese

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Die Watzmann Therme ist auch mit 15 Jahren noch ein junges Bad. Beträchtliche Mittel fließen jedes Jahr für Sanierungsmaßnahmen und zusätzliche Attraktionen ist das Freizeitbad. Foto: Anzeiger/kp

Berchtesgaden - Es war der größte finanzielle Kraftakt, den die fünf Gemeinden des Berchtesgadener Landes jemals gemeinsam geschultert haben. Auf rund 37 Millionen DM beliefen sich vor 15 Jahren die Kosten für den Bau der Watzmann Therme. Obwohl das Freizeitbad an der Breitwiese hinsichtlich der Besucherzahl eine einzige Erfolgsgeschichte ist, bescherte der immense Kapitaldienst dem Tourismusverband Berchtesgadener Land sorgenvolle Jahre. Mittlerweile hat man sich zwar aus der Schuldenzange befreit, doch nun spürt man die Konkurrenz durch die Bad Reichenhaller Rupertustherme. Grund zum Feiern gibt es an der Breitwiese anlässlich des Jubiläums aber allemal. Bis Oktober erwarten die Besucher zahlreiche Angebote (siehe Kasten).


Es war vor allem der im Berchtesgadener Land bröckelnde Tourismus, der vor rund 15 Jahren die Rufe nach einem modernen Hallenbad laut werden ließen. Nach Jahren der Diskussion über Standort (auch der Aschauerweiher war im Gespräch) und Bauträger (die Marktgemeinde Berchtesgaden sah sich finanziell nicht in der Lage) baute der damalige Fremdenverkehrsverband des Berchtesgadener Landes die Einrichtung am Standort des alten Hallenbades an der Breitwiese.

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Vorausgegangen waren allerdings weitere Verhandlungen über die Dimension des Projekts. Vor allem aus dem Gemeinderat Schönau am Königssee kamen eindeutige Warnungen hinsichtlich der Finanzierbarkeit aller Wünsche. Zumal sich viele mit der Absicht, aus Kostengründen kein Sportbecken zu bauen, nicht anfreunden konnten. Nachdem vor allem die Schulen und die Wasserwacht gegen die abgespeckten Pläne Sturm gelaufen waren, entschied man sich im Tourismusverband gegen die Stimmen aus Schönau am Königssee für die große Version. Das Sportbecken wurde gebaut, die Kosten schossen in die Höhe. Dennoch verteidigte damals der Marktschellenberger Bürgermeister Alfons Kandler, der als Wasserwacht-Kreisvorsitzender ebenfalls vehement ein Sportbecken gefordert hatte, die Investition: »Ohne Sportbecken wäre das Bad ein Torso ohne Kopf«.

Vom Eröffnungstag an - es war der 15. März 1997 - strömten die Besucher in Massen in die Watzmann Therme. Hatte man ursprünglich mit 600 täglichen Besuchern im Schnitt gerechnet, so lag man von Beginn an über lange Zeit bei zirka 1 000 Tagesgästen. Trotz des enormen Zustroms vor allem aus dem benachbarten Österreich schrieb das neue Freizeitbad in der ersten Zeit überwiegend negative Schlagzeilen. Vor allem die außerordentlich hohen Betriebskosten waren es, die der Watzmann Therme von Anfang an tiefrote Zahlen bescherte. Bereits nach kurzer Zeit besetzte man die Stelle des Betriebsleiters neu. Tatsächlich konnte der neue Mann Michael Grießer die Ausgaben auch schnell senken.

Doch der Verlustvortrag aus dem ersten Jahr - auch bedingt durch eine zu hoch angesetzte Pacht, die die Watzmann Therme GmbH an den Zweckverband zu zahlen hatte - belastete den Fremdenverkehrsverband - heute Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee - enorm. Der Kapitaldienst, den Verband und Gemeinden zu entrichten hatten, setzte die öffentlichen Haushalte unter Druck und führte den Fremdenverkehrsverband in die größte Krise seit seiner Gründung. Jahrelange Verlustvorträge, entsprechende Mahnungen der Regierung und weiterer Zwist im Verband in puncto Pacht verschlechterten die Stimmung trotz gut laufendem Bad zusehends.

Durch den Konsolidierungskurs, den der neue Vorsitzende Stefan Kurz dem Verband verordnete, ging es dann schnell bergauf. Der Schuldenstand der Tourismusregion konnte bis heute auf gut 4 Millionen Euro gesenkt werden. Trotzdem konnte immer wieder ins Bad investiert werden und auch Rücklagen wurden gebildet.

»Wir investieren durchschnittlich 100 000 Euro pro Jahr in zusätzliche Attraktionen«, sagt Tourismusdirektor Michael Grießer, gleichzeitig Geschäftsführer der Watzmann Thermen GmbH. Aber es waren auch schon einmal mehr wie beim Neubau der Stollensauna oder dem Einbau der neuen doppelwandigen Rutsche. Die Investitionen sind vor allem auch wegen der zunehmenden Konkurrenz wichtig. So gibt es in der Nachbarschaft mittlerweile die Rupertustherme in Bad Reichenhall und das Montemare in Golling, die der Watzmann Therme gegenüber den äußerst erfolgreichen ersten Jahren rund 20 Prozent der Gäste nehmen. Die Besucherzahl an der Breitwiese liegt heute zwischen 700 und 800. Die Verbandsgremien werden sich deshalb demnächst mit der Höhe der Pachtzahlungen durch die Watzmann Thermen GmbH beschäftigen.

Die Zufriedenheit der Thermen-Besucher ist aber weiterhin umgebremst. Sie erfreuen sich an dem großen Erlebnisbecken mit Strömungskanal, an der Blackhole-Rutsche (die bald eine Zeitnahme bekommt) mit Lichteffekten, den beiden Solebecken mit angegliedertem Tipedarium und Soleheilstollen, dem gemütlichen Saunabereich, der montags zumeist nur den Damen gehört, dem Kinderbereich, dem Sportbecken und der Gastronomie. Die für den Betrieb notwendige Energie kommt heute über die Fernwärme, die stets komplikationslos geliefert wird. So ist die Watzmann Therme auch nach 15 Jahren noch ein junges Bad, das von Gästen wie Einheimischen gerne genutzt wird. UK