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14-Stunden-Einsatz bei Regen und Dunkelheit

Schönau am Königssee – Die Einsatzkräfte der Bergwacht sind am Mittwochmorgen gegen 1.30 Uhr mit dem schwer verletzten 56-jährigen Bergsteiger aus der Watzmann-Ostwand in St. Bartholomä beim Boot der BRK-Wasserwacht angekommen (wir berichteten). Der erfahrene und gut ausgerüstete Niederbayer war mit seinem ebenfalls erfahrenen 55-jährigen Begleiter am Dienstag bei äußerst schlechten Wetterbedingungen am Kederbacherweg unterwegs, als er noch unterhalb des Schöllhorneises nach einem Verhauer etwas abseits des eigentlichen Wegs rund 20 Meter ins Seil stürzte und sich schwer am Brustkorb verletzte. Mit dem Notruf, der gegen 13.50 Uhr bei der Leitstelle Traunstein eingegangen war, begann ein 14 Stunden langer, bodengebundener Großeinsatz, da wegen der tiefhängenden Wolken kein Hubschrauber zum Unfallort durchkam.

Stundenlang dauerte die nächtliche Abseilaktion in der Watzmann-Ostwand. Fotos: Bergwacht

Die sofort alarmierte Bergwacht Berchtesgaden forderte zur Unterstützung zunächst den Traunsteiner Rettungshubschrauber »Christoph 14« an. Die Besatzung konnte jedoch wegen des Bodennebels in Traunstein nicht starten. Der Salzburger Notarzthubschrauber »Christophorus 6« versuchte noch mit einem Bergwachtmann zur Unfallstelle vorzudringen. Wegen schlechter Bedingungen und einer sehr niedrig liegenden Wolkendecke musste auch dieser Versuch kurz nach St. Bartholomä abgebrochen werden.

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Inzwischen wurden auch die Nachbarbereitschaften aus Ramsau und Marktschellenberg zur Unterstützung alarmiert. Die BRK-Wasserwacht brachte mit ihrem Rettungsboot im Pendelverkehr Personal und Material von der Seelände nach St. Bartholomä, darunter Material für Sicherung, Abseilen und Wärmeerhaltung, eine Gebirgstrage und auch ein All-Terrain-Vehicle (ATV). Von dort stiegen die Einsatzkräfte dann zu Fuß zum Unfallort auf, wobei sie so weit wie möglich Fahrzeuge wie das ATV oder einen Traktor mit Anhänger einsetzten. Gegen 17.30 Uhr erreichten die ersten Bergretter dann den Patienten.

Nach medizinischer Erstversorgung (unter anderem Wärmeerhalt und Schmerzbekämpfung) begannen die Retter etwa um 19 Uhr mit dem Abseilen und kamen trotz der sehr widrigen Bedingungen mit nasskalter Witterung, Regen und Nebel bereits gegen 1.30 Uhr mit dem Verletzten in St. Bartholomä an; kurz darauf traf auch sein unverletzter Begleiter dort ein. Zur Sicherung im absturzgefährlichen Gelände mussten zusätzliche Bohrhaken gesetzt werden. Die letzten Bergretter erreichten dann gegen 3 Uhr wieder die Seelände am Königssee. Der Patient wurde per Boot über den See und dann unter Notarztbegleitung per Rettungswagen zur Kreisklinik Bad Reichenhall gefahren, wo er weiter behandelt wurde.

Insgesamt waren 40 Bergretter der Bereitschaften Berchtesgaden, Marktschellenberg und Ramsau sowie drei Bergwacht-Notärzte und fünf Bootsführer der BRK-Wasserwacht bis zu 14 Stunden lang im Einsatz. Das Boot der BRK-Wasserwacht fuhr 14 Mal von der Seelände nach St. Bartholomä und wieder zurück, um Einsatzkräfte, Material, den Patienten und seinen Begleiter zu transportieren. ml