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In dieser Maschinenhalle werden bis zu 600 Flüchtlinge aus der Ukraine registriert und versorgt. (Foto: Archiv Hudelist)

117 Jahre alte Montagehalle für Flüchtlinge

Freilassing – Während Pressevertreter und TV-Teams in Salzburg jederzeit in das Ankunftszentrum für ukrainische Flüchtlinge dürfen – nach vorheriger Anmeldung beim Land oder beim Roten Kreuz, versteht sich – sind die Türen für die Bearbeitungsstraße in der Montagehalle der Lokwelt Freilassing für Journalisten nach wie vor fest verschlossen. Die Begründung: Die Würde der Flüchtlinge müsse geschützt werden. Die Entscheidung des Landratsamtes, »der Öffentlichkeit keinen Zugang zu gewähren«, gilt offensichtlich nicht, wenn Landtagsabgeordnete mit einem Tross an Kommunalpolitikern zur Montagehalle kommen. 


Wie bereits berichtet, war die 117 Jahre alte Montagehalle zuletzt 2017 Thema im Stadtrat, weil Robert Judl von »Pro Freilassing« damals anfragte, warum die Halle nicht für mehr Veranstaltungen genutzt werden könne. Damals sprach der nicht vorhandene Brandschutz in der Halle aus dem Jahr 1905 dagegen. Jetzt dürfen allerdings bis zu 600 Menschen pro Tag in der Halle versorgt und registriert werden? Die Stadt Freilassing sagt »Ja«, denn seit 2017 seien »die notwendigsten Investitionen für den Brandschutz« gemacht worden. »Beispielsweise ist eine Flucht- und Rettungswegbeschilderung und die Ausstattung mit den erforderlichen Feuerlöschern vorgehalten«, so ein Sprecher der Stadtverwaltung. Für die Nutzung als Bearbeitungsstraße stehe zudem ein Sicherheitsdienst zur Verfügung, der auch in die Flucht- und Rettungswege eingewiesen ist, ebenso wie die Bundespolizei. »Eine Vorhaltung der Feuerwehr ist aufgrund der vorhandenen baulichen Rettungswege nicht erforderlich.«

Mit dem Konflikt in der Ukraine habe eine große Bewegung flüchtender Menschen eingesetzt. »Um einen rechtlichen Rahmen zur Bewältigung der Situation zu schaffen, hat Bayern den Katastrophenfall ausgerufen.« In Freilassing würden viele Flüchtende erstmals deutschen Boden betreten.

»Um die ankommenden Menschen direkt vor Ort zügig zu erfassen, war eine Bearbeitungshalle in Freilassing notwendig.« Die örtlichen Bedingungen am Bahnhof Freilassing reichten für die notwendigen bundespolizeilichen Maßnahmen nicht aus, »weder die Bahnhofshalle noch die Bahnsteige wiesen ausreichend Platz für die ankommenden Flüchtlinge, die nicht unverzüglich weiterfahren konnten, aus«.

Die örtliche Nähe zur Bundespolizeiinspektion Freilassing und die vorhandene Infrastruktur machten die Montagehalle an der Lokwelt – vor allem in der Kürze der Zeit und angesichts der Notlage – zur ersten Wahl. Dabei hätten dringende humanitäre Hilfeleistungen wie Heizung, Toiletten und Erstversorgung im Vordergrund gestanden. In Abstimmung zwischen der Stadt Freilassing als Eigentümerin der Halle, dem Landratsamt und der Bundespolizei sei die Montagehalle umgerüstet worden. Dabei sei auch der Kreisbrandinspektor eingebunden gewesen.

Die Stadt sei allerdings mit dem Landratsamt ohnehin in Kontakt, um die Montagehalle in Zukunft als eine Art Mehrzweckhalle zu nutzen, aber »für den Katastrophenfall gelten ohnehin andere Spielregeln«.

Michael Hudelist