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Mathias Kunz ist Leiter des Amts für Kinder, Jugend und Familien am Landratsamt. Dort steigt die Zahl der Diagnostiken zu Lernleistungsstörungen. (Foto: Kilian Pfeiffer)

1,1 Millionen Euro für die Jugendhilfe

Berchtesgadener Land – Zuschussanträge in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro hat der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung gewährt. Das meiste Geld geht an die Erziehungsberatungsstelle der Caritas Berchtesgadener Land. 


In der Erziehungsberatungsstelle sind trotz der Corona-Pandemie die Fallzahlen im Jahr 2020 wieder auf dem gleichen Niveau wie in den vorigen Jahren. 867 Neuanmeldungen gab es 2020. Bis zum 30. Juni 2021 wandten sich 288 Familien an die Beratungsstelle, 41 mehr als im selben Zeitraum ein Jahr zuvor. Die Gesamtkosten konnten um 4500 Euro auf 659.000 Euro gesenkt werden.

Die Caritas beantragte nun einen Zuschuss in Höhe von 524.300 Euro für das Haushaltsjahr 2022. Die Landkreisverwaltung erkennt einen »dringenden Bedarf« und empfiehlt, die Kooperation mit der Caritas fortzusetzen und den Zuschuss zu gewähren.

Für die Bereiche Lese-Rechtschreibstörung, Dyskalkulie, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) hat das Landratsamt zusammen mit der Psychologischen Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche der Caritas eine therapeutische Unterstützungsmöglichkeit geschaffen, die greifen kann, bevor Eingliederungshilfe in Anspruch genommen werden muss. 2020 gab es 266 Anfragen zu Lern-und Leistungsfragen. 2021 waren es bis zum 31. August 199 Anfragen.

Eingangsdiagnostiken bei Legasthenie oder Dyskalkulie wurden im vorvergangenen Jahr in 140 Fällen durchgeführt. Für das Schuljahr 2020/21 nahmen 119 Kinder einzeltherapeutische Förderung in Anspruch. Die Zahl der durchgeführten Diagnostiken zu Lernleistungsstörungen ist 2020 um rund 40 Prozent im Vergleich zu 2019 gestiegen, teilt Mathias Kunz vom Amt für Kinder, Jugend und Familien mit. Diese erhöhte Nachfrage habe sich auch im vergangenen Jahr fortgesetzt. Die Anfragen zu Lern- und Leistungsfragen sind im Vergleich zu 2019/2020 in etwa gleich geblieben.

Die Zahl der betreuten Kinder in Einzelförderung sei im Vergleich zum Schuljahr zuvor »deutlich gestiegen«. Für das Haushaltsjahr 2022 erhält die Caritas einen Zuschuss in Höhe von 241.000 Euro in der Eingliederungshilfe.

Für eine Sozialpädagogische Fachkraft für Kinder- und Jugend-Psychiatrie gewährte der Landkreis der Caritas finanzielle Mittel in Höhe von 46.000 Euro. Interventionen, Beratungen und Begleitungen finden überwiegend im gesamten Landkreis statt, sind aber auch in den Beratungsstellen Bad Reichenhall, Freilassing und Berchtesgaden möglich. 55 betreute Familien zählte das Team der Beratungsstelle im Zeitraum vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021.

Da die Eltern, Jugendlichen und Kinder »bei ihrer oft schon langen Suche nach Hilfe mit Wartezeiten, Weiterverweisungen, viel Bürokratie und Hilflosigkeit konfrontiert werden, ist der Bedarf nach einer flexiblen, niedrigschwelligen, Unterstützung groß«, heißt es aus dem Amt für Kinder, Jugend und Familien. Auch der Landkreis erkennt diesen »dringenden Bedarf«.

Für präventive Maßnahmen gewährt der Landkreis der Caritas einen Zuschuss in Höhe von 55.000 Euro für das Haushaltsjahr 2022. Der Großteil der Prävention findet an Schulen statt. Pandemie-bedingt sei im Schuljahr 2020/21 »leider vieles ganz anders als gewohnt« gewesen, vor allem wegen regelmäßiger Schulschließungen.

Sieben Präventionsmaßnahmen für 20 Klassen wurden von den Schulen des Landkreises gebucht. 26 Schultermine fanden trotz Corona-bedingter Auszeiten statt. Das Angebot umfasst dabei eine Reihe von Themen, unter anderem Cyber-Mobbing, sexuelle Gewalt, Essstörungen und Medienkompetenz. Die Caritas leistet einen Eigenanteil in Höhe von 3000 Euro.

Einen Zuschussantrag der Caritas für den Angeleiteten Umgang bei Vollzeitpflege wird der Landkreis mit einer finanziellen Zuwendung in Höhe von 43.000 Euro nachkommen. Das Konzept ermöglicht Kontakte zwischen Kindern in Vollzeitpflege mit den leiblichen Eltern. Die Caritas beantragt für Angeleitete Umgänge 15,5 Wochenstunden für das Haushaltsjahr 2022.

Rund 70 000 Euro erhält die Caritas für begleitete Umgänge bei Trennung und Scheidung. Im Berichtsjahr 2021 waren mit Stand Ende Juli 36 Kinder angemeldet, aktuell sind es 26. Daneben zählen unter anderem die entwicklungs- und bindungspsychologische Beratung und Unterstützung aller Beteiligten, der fachliche Austausch mit dem Jugendamt und diverse Vernetzungsarbeiten zu den wichtigsten Aufgaben der Fachkräfte, teilt das Jugendamt mit.

Für die Caritas-Suchtberatung gewährte der Landkreis insgesamt 90.000 Euro. 50.000 Euro sollen in diesem Jahr für die mobile Drogenprävention zur Verfügung stehen, weitere 40.000 Euro für die sogenannte Sekundärprävention. Die Fachambulanz versorgte in den vergangenen Jahren bis zu 70 Jugendliche.

Monetäre Mittel erhält auch das Erzbischöfliche Ordinariat München für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Landkreis: Im vergangenen Jahr fanden 1629 Beratungsstunden statt. Das sind etwa 600 mehr als im Jahr 2020. Die Gesamtkosten beliefen sich für 2021 auf 212.000 Euro, 2022 betragen sie 209.000 Euro. Der Zuschuss des Landkreises für das kommende Jahr beläuft sich auf 17.000 Euro.

Das Katholische Bildungswerk erhält für das Jahr 2023 Zuwendungen in Höhe von rund 16.000 Euro. 11.800 Euro fallen dabei auf das Eltern-Kind-Programm, 2700 Euro auf das Elternfrühstück, bei dem im vergangenen Jahr 66 Teilnehmer bei sieben Veranstaltungen gezählt wurden. Die Elternwerkstatt erhält vom Landkreis 1800 Euro.

Kilian Pfeiffer