weather-image

»Ziele und Träume darf man immer haben« – Markus Eisenbichler im Exklusiv-Interview

0.0
0.0
Exklusiv-Interview mit Markus Eisenbichler: »Ziele und Träume darf man immer haben«
Bildtext einblenden
Der Siegsdorfer Markus Eisenbichler möchte auch in dieser Weltcup-Saison wieder ganz vorne dabei sein. Der Wettkampf-Kalender der Skispringer ist auch in diesem Winter wieder voll von Höhepunkten: Neben der Weltcup-Saison wird die Skiflug-WM in Planica im Dezember nachgeholt, dann folgt zum Jahreswechsel die Vierschanzentournee und im Februar und März 2021 geht es noch zur Nordischen Ski-WM nach Oberstdorf. (Foto: dpa)

Der Siegsdorfer Markus Eisenbichler möchte auch in dieser Weltcup-Saison wieder ganz vorne dabei sein. Der Wettkampf-Kalender der Skispringer ist auch in diesem Winter wieder voll von Höhepunkten: Neben der Weltcup-Saison wird die Skiflug-WM in Planica im Dezember nachgeholt, dann folgt zum Jahreswechsel die Vierschanzentournee und im Februar und März 2021 geht es noch zur Nordischen Ski-WM nach Oberstdorf.


Jetzt geht es also endlich wieder los! Skispringer Markus Eisenbichler freut sich auf die neue WeltcupSaison, auch wenn diese aufgrund der Coronavirus-Pandemie freilich anders als sonst ablaufen wird.

Anzeige

Der 29 Jahre alte Bundespolizist, der für den TSV Siegsdorf startet, verrät im Interview mit unserer Sportredaktion, welche seiner Kindheitsträume er gerne verwirklichen würde, warum ihm der frühe Termin der Skiflug-WM im slowenischen Planica vom 10. bis 13. Dezember entgegenkommt und welche Ziele er sich für die Nordische Ski-Weltmeisterschaft (23. Februar bis 7. März 2021) in Oberstdorf setzt.

Aber jetzt konzentriert sich der dreifache Weltmeister, der die vergangenen Tage noch bei sich zuhause in Siegsdorf entspannen konnte, erst einmal voll und ganz auf die ersten Wettkämpfe an diesem Wochenende im polnischen Wisla.

Herr Eisenbichler, erst einmal nochmals herzlichen Glückwunsch zu Ihren beiden Deutschen Meistertiteln in Oberstdorf im Oktober. War das schon mal ein Fingerzeig an die Konkurrenz für die Saison?

Danke! Ich war bisher noch nicht Deutscher Meister, deshalb war es für mich wichtig, diesen Titel zu holen. Aber ich würde jetzt nicht sagen, dass das ein Fingerzeig an die Konkurrenz gewesen ist. Denn die Karten werden vor jeder Saison neu gemischt.

Konnten Sie Ihre Vorbereitung gut durchziehen?

Bisher hat wirklich alles sehr gut funktioniert. Ich habe gut trainiert und habe mich gut auf die Saison vorbereitet. Ich bin so fit wie nie!

Hat Sie die Corona-Pandemie in der Vorbereitung in irgendeiner Form ausgebremst?

Nein, es hat alles gut gepasst. Zum Schluss wollten wir nochmals nach Innsbruck, um dort zu springen, aber das hat dann nicht funktioniert. Wir sind deshalb nach Garmisch ausgewichen, das war auch sehr gut! Im Endeffekt war Corona trainingstechnisch kein Nachteil für mich.

Inwiefern?

Ich hatte nach der Saison mehr Zeit und musste mich nicht gleich wieder aufs Skispringen konzentrieren. Ich habe dabei die Saison mal rückblickend begutachtet und habe Ruhe einkehren lassen. Ich konnte auch gezielt daheim trainieren und konnte in meiner Freizeit mal ein paar andere Sportarten ausprobieren.

Welche anderen Sportarten machen Sie denn?

Die Klassiker! Ich war viel Mountainbiken, Rennrad fahren, auf dem Berg, Kajak fahren oder klettern. Ich habe die Sportarten betrieben, die ich sonst auch gerne mache. Diese Sportarten kann ich meist nur sehr sporadisch betreiben, wenn sie in meinen Trainingsplan passen. Diesmal habe ich das ein bisschen besser verfolgen und ein wenig strukturierter in meinen Trainingsplan einbinden können. Das hat ganz gut getan!

Gestern Abend fand in Wisla bereits die Qualifikation fürs Weltcup-Auftaktspringen statt. Heute geht es mit dem Teamspringen weiter, morgen steht dann die Einzelkonkurrenz auf dem Programm. Freuen Sie sich, dass es jetzt wieder losgeht?

Ja, ich freue mich wirklich extrem darauf. Ich trainiere jeden Tag, um mich im Wettkampf messen zu dürfen. Ich bin so gut aufgestellt wie noch nie – das will ich jetzt beweisen und dabei auch noch Spaß haben!

Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich nach dem Weltcup in Wisla lesen?

Mir wäre es wichtig, dass ich einen soliden Start habe und auch verletzungsfrei bleibe. Im ersten Wettkampf muss man nicht gleich alles »zerreißen«.

In diesem Winter wird vieles anders sein. Wird die Saison angesichts der Corona-Pandemie eine Reise ins Ungewisse werden?

Ja, natürlich. Man weiß beispielsweise nicht, ob der nächste Weltcup dann auch wirklich stattfinden kann. Aber die FIS hat ein ganz gutes Konzept vorgestellt. Ich vertraue den Veranstaltern, dass sie das gut machen werden. Ich denke auch, es ist wichtig, dass die Wettkämpfe stattfinden können, um den Zuschauern eine Möglichkeit zu geben, unseren Sport zu verfolgen. Wir wollen die Leute am Fernseher begeistern!

Sie sprechen die Fans an. In dieser Saison werdet Ihr wohl überwiegend vor leeren Rängen springen müssen. Ein komisches Gefühl?

Es wird schon eine andere Atmosphäre sein. Und natürlich wäre es schöner, wenn Zuschauer dabei wären. Aber dieses Jahr wird es eben nicht so sein, damit müssen wir uns abfinden. Aber trotzdem können wir die Leute ja auch am Fernseher begeistern! Ich denke, unsere Sportart kann man auch ganz gut vorm Fernseher verfolgen und kann dabei auch die Emotionen sehen und miterleben. Ich bringe meine Emotionen, denke ich, auch ganz gut rüber. Wenn ich mich freue, dann freue ich mich. Wenn mal etwas nicht so gut gelingt, sieht man das auch!

Die erste Weltcup-Absage ist auch schon da. Es wird in dieser Saison keinen Wettkampf in Sapporo – also in Japan – geben. Rechnen Sie mit weiteren?

Natürlich kann es noch passieren, dass auch weitere Wettkämpfe abgesagt werden. Aber ich kann an der ganzen Situation auch nichts ändern. Wenn es so kommt, dann kommt es so. Alle Sportler müssen damit leben. Ich hoffe einfach, dass so viele Veranstaltungen wie möglich durchgeführt werden können!

Wie sehr hat Corona Ihr Sportlerleben verändert? Auf die Hygiene beispielsweise habt Ihr bisher ja auch schon sehr geachtet.

Stimmt. Als Sportler achtet man sehr darauf, dass man nicht krank wird. Also Hände waschen, Hände desinfizieren – das ist bei uns schon immer so, das ist ja nichts Neues. Ich habe also eigentlich ganz normal weitergemacht. Die Maske war am Anfang aber schon ein wenig eine Gewöhnungssache und ich habe natürlich meine Kontakte minimiert.

Neu sind auch die Corona-Tests...

Ja, wir hatten am Dienstag noch einen. Bisher war ich auch noch nie positiv. Ich hoffe, dass das auch so bleibt. Wenn es so sein soll, dann kann ich aber auch nichts machen. Falls ich positiv getestet werde, hoffe ich, dass ich keine Symptome haben werde und auch niemanden anderen anstecke.

Auf die Skispringer warten auch in dieser Saison wieder jede Menge Highlights. Los geht es damit gleich im Dezember. Dann wird die Skiflug-WM in Planica nachgeholt. Kommt Ihnen dieser frühe Termin entgegen?

Da muss ich ganz ehrlich sagen, das wird ein wenig ein Schuss ins Ungewisse. Weil wir so früh in der Saison noch nie einen Skiflug-Weltcup oder eine Skiflug-WM gehabt haben. Das wird für jeden eine Herausforderung werden. Ich glaube, ein bisschen entgegen kommt mir der Termin aber schon. Ich kann mich immer ganz gut auf die Skiflugschanzen einstellen. Es gilt, ein bisschen Mut zu beweisen.

Was rechnen Sie sich persönlich in Planica aus?

Es ist ein großes Ziel von mir, dort eine Medaille zu holen. Aber ich bin einfach auch froh, dass die SkiflugWM überhaupt nachgeholt wird.

Wen sehen Sie als Konkurrenten im Kampf um den Titel?

Da gibt es viele! Das kann man im Vorfeld auch immer nicht so sagen. Skifliegen ist so feinfühlig. Natürlich werden die Norweger sehr stark sein. Ich rechne aber auch mit starken Slowenen oder den Österreichern. Ich lasse es einfach auf mich zukommen.

Sie schauen also gar nicht so sehr auf die anderen?

Ich werde das machen, was ich auch den ganzen Sommer über gut gemacht habe: Ich werde mich auf mich fokussieren. Damit bin ich gut gefahren. Ich will meine Sache gut machen. Was die anderen machen, kann ich eh nicht beeinflussen. Wenn wer besser ist als ich, dann war er eben besser und dann hat er es auch verdient.

Nochmals zurück zu den Fans. Sie haben im April diesen Jahres gesagt, dass »bei einer Skiflug-WM ohne Zuschauer einfach das Feeling fehlt«. Jetzt wird es wohl leider genau so sein. Haben Sie schon ein Rezept, wie Sie trotzdem ein richtiges Wettkampf-Feeling aufbauen?

Ich denke jetzt ein wenig anders als noch im April. Ich nehme die Situation so, wie sie ist. Man muss die positiven Sachen rausholen und nicht nur immer die negativen Dinge sehen. Wenn ich mich die ganze Zeit beschwere, bringt mir das ja auch nichts und glücklicher werde ich deshalb auch nicht!

Neben der Vierschanzentournee zum Jahreswechsel steht im Februar/März auch noch die Nordische Skiweltmeisterschaft auf dem Wettkampfprogramm – noch dazu wird’s in Oberstdorf eine Heim-WM werden. Sie haben mal gesagt, meinen WM-Titel zu verteidigen wäre ein Traum. Einer der Realität werden kann?

Ich möchte bei jedem Wettkampf gewinnen! Und natürlich will ich auch versuchen, dass ich meinen WM-Titel verteidigen kann. Die WM ist jetzt aber noch in weiter Ferne. Ich muss jetzt erst einmal schauen, wie ich bis dahin durch die Saison komme und wie fit ich bleibe. Das Wichtigste ist, dass ich verletzungsfrei bleibe.

Und der Gesamtweltcup wär' ja auch noch so ein Ziel von Ihnen...

Das ist mein oberstes Ziel! Dafür muss man über die ganze Saison gut und stabil sein. Ich gehe das aber wirklich entspannt an: Es wäre schön, wenn das klappen würde. Aber, wenn es nicht funktioniert, dann ist das halt so. Ich habe schon so viel erreicht, was ich mir nie erträumt hätte. Ich versuche, meine Kindheitsträume zu verwirklichen – und das sind eben der Skiflug-WM-Titel und der Gesamtweltcup. Ziele und Träume darf man immer haben. Wenn ich die nicht mehr habe, dann brauche ich den Sport auch nicht mehr machen.

Blicken wir bitte noch kurz auf das deutsche Team. Mit Ihnen, Andreas Wellinger oder Karl Geiger gibt es gleich mehrere Siegspringer in der Mannschaft. Macht das die Sache leichter, weil der Fokus nicht auf einem Sportler liegt?

Das war ja generell die letzten Jahre schon so. Fürs Teamgefüge ist das einfach entspannter. Einer springt immer vorne mit und hebt die deutschen Fahnen hoch. Das werden wir auch dieses Jahr sicher wieder so haben. Wer es dann letztlich sein wird, ist teamintern gar nicht so wichtig. Man muss die einzelnen Wünsche dann auch mal hinten anstellen. Es erleichtert uns über das ganze Jahr die Arbeit und nimmt uns auch ein bisschen den Druck weg.

Welche jungen Springer aus dem deutschen Lager könnten in diesem Winter für Furore sorgen?

Constantin Schmid hat letztes Jahr schon einmal bewiesen, dass er es kann. Jetzt haben wir mit Martin Hamann auch wieder einen neuen Springer von der B-Mannschaft bekommen. Er springt schon ziemlich gut. Wenn er so weitermacht und die Nerven bewahrt, dann kann er es schaffen.

Wie schätzen Sie die internationale Konkurrenz ein? Wer wird da in diesem Winter ganz vorne dabei sein?

Sicherlich wieder die üblichen Verdächtigen. Also Titelverteidiger Stefan Kraft beispielsweise. Aber auch Kamil Stoch, Dawid Kubacki oder Daniel Andre Tande werden vorn dabei sein. Timi Zajc aus Slowenien schätze ich auch sehr stark ein. Und natürlich darf man auch die Japaner mit Ryoyu Kobayashi nicht vergessen. Es gibt einfach viele gute Springer, die vorne mitmischen können. Neuer Winter, neues Glück – und man weiß ja nie, wer plötzlich wieder aus dem Schatten hervortritt. Aber wie schon gesagt: Ich werde mich auf mich und unser Team konzentrieren. Das ist auch letztes Jahr unsere Stärke gewesen. Auch deshalb haben wir den Nationencup gewonnen.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2021 – auch hinsichtlich der Coronavirus-Krise?

Es wäre schön, wenn man Corona in den Griff bekommen könnte. Es ist für einige Branchen natürlich auch gerade sehr schwer, dennoch sollte man auch mal versuchen, nicht nur das Negative zu sehen, sondern auch positiv zu bleiben. Es gibt auch neue Chancen. Zudem sollte man sich mehr auf sich selber konzentrieren – und auch auf die Menschen, die einem wichtig sind, also auf die Familie und die besten Freunde.

Stephanie Brenninger

Mehr aus Traunstein
Mehr aus Traunstein