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»Wonderful, lovely, beautiful«

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Übungseinheit vor imposanter Bergkulisse: Die Premier-League-Mannschaft von Stoke City hat ihr Trainingslager in Reit im Winkl aufgeschlagen. (Fotos: Ostermaier)

Der Parkplatz in Reit im Winkl ist voll besetzt; rund 40, respektvoll staunende Zuschauer stehen bei hochsommerlichen Temperaturen am Rand des örtlichen Fußballplatzes. Dort findet allerdings kein Spiel statt, sondern das erstes Training einer Mannschaft, die in England seit sieben Jahren zur Premier League gehört: Stoke City. Zur unmittelbaren Saisonvorbereitung, die für den traditionsreichen Club am 16. August mit dem Spiel gegen Aston Villa beginnt, verbringt die Mannschaft um Trainer Mark Hughes ein zwölftägiges Trainingslager in Reit im Winkl.


Gefragt nach ihren ersten Eindrücken haben Funktionäre, Fans und etliche Spieler fast stets die gleichen Adjektive parat: »Wonderful, lovely, beautiful.« Weitaus mehr Zuschauer nämlich bis zu 1000 werden in Reit im Winkl an diesem Samstag um 17 Uhr erwartet: Dann spielt Stoke City in einem Vorbereitungsspiel gegen den Zweitligisten 1860 München.

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Doch wie kommt ein britischer Erstligist ausgerechnet zu einem Trainingslager nach Reit im Winkl? Den Kontakt habe eine Agentur hergestellt, erklärt Gerhard Trattler, stellvertretender Vorsitzender des hiesigen Fußballclubs. Das heißt, ein Kontakt hergestellt wurde zum Hotelier Graf von Moltke, der in seinem Hauptsitz in Rottach-Egern schon mehrfach hochrangige Fußballmannschaften begrüßen durfte. Vor wenigen Jahren hat von Moltke in Reit im Winkl den Steinbacher-Hof gekauft und diesen mit hohem Aufwand zum »Gut Steinbach« umgewandelt. Dies beeindruckte offenbar auch Mark Hughes, der als Trainer die Orte für das Trainingslager persönlich aussucht und sich auf diese Weise für Reit im Winkl entschied.

Hier steht allerdings die Vorbereitung auf die neue Premier-League-Saison im Vordergrund, möglicherweise gibt es auch den ein oder anderen Ausflug, beispielsweise an den Chiemsee, wie der Chief executive Tony Scholes andeutet. Große Mühe hatte sich der FC Reit im Winkl gegeben, den Vorstellungen eines hochrangigen Proficlubs zu entsprechen. So wurde im Vorfeld am westlichen Ende des Fußballplatzes ein neues Fangnetz installiert und Greenkeeper des örtlichen Golfclubs bemühten sich um einen idealen Zustand des Rasens. »Sogar neue Tornetze haben wir uns geleistet«, erläutert Gerhard Trattler, »die alten waren einfach zu oft geflickt«.

»It´s just perfect«, erklärt Trainer Hughes nach dem ersten Training kurz und vielsagend, nachdem er das zweistündige Training auf der Platzmitte stehend fast wortlos, aber sehr konzentriert beobachtet hatte. Die Kommandos für die 25 Spieler, darunter der ehemalige deutsche Nationalspieler Robert Huth und der Österreicher Marko Arnautovic, überließ er stattdessen seinem Co-Trainer Mark Bowen, der die kurzen, intensiven Einheiten stets mit »Well done, guys« abschloss.

Für Hughes ist es etwas Besonderes, im Land des neuen Fußballweltmeisters das Trainingslager zu absolvieren. Hier spüre man immer noch den »Hype« um eine Mannschaft, die »völlig verdient« die WM-Trophäe gewonnen hat, erzählt der Ex-Bayern-Profi.

So sehen das auch Paul und Carolyn Ruane, die am Spielfeldrand das Training im Vereinstrikots beobachten. Das britische Ehepaar reist zu jedem Spiel ihrer Mannschaft »home and away«, aber auch zu jedem Trainingslager. Die Mannschaft befinde sich – auch dank des engagierten Trainers – in einem sehr guten Zustand, befindet Paul Ruane, eigentlich sollte sie sich heuer noch besser als in der vergangenen Saison platzieren können. Aber: »Mit den großen Teams wie Liverpool, Arsenal oder Manchester können wir nicht mithalten.«

Wie gut man mit deutschen Mannschaften mithalten kann, zeigt Stoke City noch zweimal: am 29. Juli, wenn die Engländer in Kufstein auf Schalke 04 treffen und zuvor eben am Samstag, wenn 1860 München in Reit im Winkl erwartet wird. Eintrittskarten gibt es in der Tourist-Information oder an der Stadionkasse. ost