weather-image
Skirennfahrer Josef Ferstl hofft mit dem alpinen Speedteam auf gute Ergebnisse in Südkorea: »Es geht schon auch um die Medaillen«

»Wir werden wieder ernst genommen«

Was für eine Entwicklung: Vor wenigen Jahren durften die deutschen Skirennfahrer in der Abfahrt und im Super-G kaum einmal von einer Olympia-Teilnahme in Pyeongchang (Südkorea) im Februar 2018 träumen – jetzt sind schon nach den ersten zwei Weltcup-Stationen der Traunsteiner Josef Ferstl (SC Hammer), Thomas Dreßen (SC Mittenwald) und Andreas Sander (SG Ennepetal) für die Olympischen Winterspiele qualifiziert. Mehr noch: Sie haben sogar leise Hoffnungen, dort eine Medaille zu erkämpfen.

Voll in Fahrt in Richtung Olympische Spiele: Der Traunsteiner Skirennfahrer Josef Ferstl hat seine Olympia-Teilnahme bereits gesichert. (Foto: dpa)

Ferstl drückt es so aus: Man wolle »mitfahren« um die vorderen Ränge. »Das heißt, es geht schon auch um die Medaillen«, steckt er sich und seinen Teamkollegen hohe Ziele, »auch wenn wir wissen, dass es dafür schon perfekt laufen muss.«

Anzeige

Was passieren kann, wenn es perfekt läuft, bewies Dreßen als Dritter bei der Abfahrt in Beaver Creek (USA): »Das ist einfach genial. Der Andi und ich waren schon so nahe am Podest, jetzt ist es endlich passiert«, sieht der 28-Jährige eine befreiende Wirkung für das Team. »Wir sind inzwischen sehr gefestigt, und wir sehen ja auch im Training, dass wir drei alle auf einem ähnlichen Niveau fahren.«

Heißt: An einem guten Tag könnte es jeder der drei Deutschen schaffen. Ferstl selbst hat dank der Plätze 10 (Lake Louise/Kanada) und 14 in Beaver Creek jeweils im Super-G durch zwei »halbe Normen« die Olympia-Qualifikation für die Speedrennen geschafft. Dass er in der Abfahrt (29. und 26. Platz) nicht ganz an diese Ergebnisse anknüpfen konnte, heißt aber nicht, dass er nun in dieser Disziplin grundsätzlich schwächer wäre. »Ich hatte bei den Abfahrten noch Teilstücke dabei, wo das Umsetzen dessen, was ich im Training gemacht habe, noch nicht ganz geklappt hat«, so Ferstl.

Doch das sei normal, »Man braucht in jeder Saison etwas Zeit, bis man richtig reinfindet.« Doch auch so habe er schon gesehen: »Ich bin auf jeden Fall in der erweiterten Weltspitze mit den Top 30, eher sogar Top 15.« Das tue gut, ebenso, dass sich das DSV-Trio vorzeitig die Olympia-Teilnahme gesichert habe. »Da war schon ein gewisser Druck da, doch dieses große Ziel ist nun abgehakt. Jetzt können wir locker drauflosfahren.«

Diese notwendige Lockerheit könnte ein weiteres kleines Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Erfolg sein. Denn die Leistungsdichte ist enorm. »Das ist schon krass. Es sind pro Rennen mindestens 15 dabei, die um den Sieg fahren können, und insgesamt sogar rund 30, die aufs Podest kommen können«, so der Sportler des SC Hammer. Bei seinem 10. Platz fehlten ihm zu Rang 8 gerade einmal zwei Hundertstelsekunden.

Daher »muss man schon in der Vorbereitung jeden Tag 100 Prozent abrufen, wenn man sich da durchsetzen will.« Daher wurden die bewährten Trainingsformen noch leicht verändert, »zudem arbeiten wir als Team mit einem Psychologen zusammen.« Ferstl selbst feilt auch noch an seiner Fahrtechnik, »mein Rechtsschwung ist immer noch etwas schwächer als der Linksschwung.«

Die Rennen in Nordamerika sind nun insofern abgehakt, »weil der Schnee in Europa ganz anders ist. In Nordamerika ist er viel trockener und aggressiver, hier in Europa sind die Strecken meist eher vereist. Da muss man sich darauf einstellen.« Dank langjähriger Erfahrung falle ihm das aber nicht schwer, so der 28-Jährige. Sogar den Jetlag durch die Zeitverschiebung bewältigt er inzwischen »wirklich gut, das war früher schwerer.«

Für Jung-Vater Ferstl (er hat seit Juli einen Sohn) gibt es nach dem vierwöchigen Aufenthalt in Nordamerika nun wieder mehr Gelegenheit, seinen Nachwuchs zu sehen: Bei den europäischen Rennen »ist man meistens gut eine Woche unterwegs, dann für zwei bis drei Tage daheim.« Und der Nachwuchs sei ein zusätzlicher Ansporn, alles zu geben, »ich mache manches sogar noch konzentrierter als vorher.«

Auch wenn Ferstl wegen einer Verletzung die Testrennen in Pyeongchang verpasst hatte, freut er sich schon jetzt auf die Strecken: »Der Super-G soll schwierig sein mit Wellen und Sprüngen, aber trotzdem gut zu fahren, ebenso wie die Abfahrt. Auch das Drumherum soll gut passen.«

Doch jetzt blickt er erst einmal auf die kommenden Weltcups in Gröden und Bormio. »Überhaupt hat jede Strecke ihren Reiz. Und wir sehen auch jedes Weltcup-Rennen als neue Chance, uns gut zu präsentieren. Das ist auch wichtig, um mit einem guten Gefühl nach Südkorea zu fahren.«

Vor wenigen Jahren schien das undenkbar. Da waren die deutschen Speedfahrer noch von fast allen Seiten abgeschrieben. Das änderte sich mit dem Amtsantritt von Cheftrainer Mathias Berthold: »Er hat uns Skifahren gesehen und das Potenzial erkannt.«

Und so ging es Schritt für Schritt aufwärts. »Es tut schon gut, dass wir uns aus eigener Kraft da rausgezogen haben.« Das hat die Konkurrenz aufmerksam registriert: »Wir werden wieder ernst genommen«, weiß Ferstl. Und das soll nach den Olympischen Spielen erst recht so sein ... who