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»Wir müssen uns alles neu erarbeiten«

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Er kann sich derzeit über zahlreiche Erfolge seiner Schützlinge freuen: Tobias Reiter. (Foto: Weitz)

Das war ein perfekter Einstand: Mit drei Siegen in drei Wettbewerben hatten die deutschen Damen beim IBU-Weltup 4 in Ruhpolding geglänzt. Auch für das Trainerteam mit Chef Gerald Hönig und Disziplintrainer Tobias Reiter ist das ein riesiger Erfolg. Nun folgt Weltcup 5 – nochmals in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena.


Als das Trainerduo vor gut eineinhalb Jahren neu zusammengestellt wurde, »wussten wir zwar, dass die Aufgabe nicht einfach wird.« Aber: Zweifel habe er nicht gehabt, beteuert der 30-Jährige, denn: »Zweifel sind nie ein richtiger Ratgeber.« Wichtig sei es gewesen, »ruhig und sauber zu arbeiten.« Dass sich die Erfolge derart schnell einstellen würden, damit habe man nicht rechnen können, so Reiter, früher selbst für den ASV Oberwössen als Biathlet aktiv und schon im Nachwuchs einige seiner jetzigen Athletinnen erfolgreich betreut hatte.

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Und große Bedenken habe man ohnehin nicht gehabt: »Wir hatten gute Voraussetzungen mit vielen, meist jungen Athletinnen, die schon aus den anderen Kadermannschaften die Struktur und die Disziplin gelernt hatten. Da hatten wir gleich eine gute Basis«, verdeutlicht er. Und an dieser Basis arbeitete das Duo Hönig/Reiter weiter. »Gerald und ich ergänzen uns sehr gut. Ich habe noch ein paar neue Ansätze reingebracht, Gerry hat einen großen Erfahrungsschatz, von dem wir profitieren«, sagt Reiter.

Es gelte immer wieder, Kleinigkeiten zu verbessern. Er als großer Fußballfan habe zum Beispiel beim Fußball und auch bei der Leichtathletik einiges gelernt über die Arbeit für Beweglichkeit und Schnelligkeit. »Abschauen kann man sich überall was – nicht nur in anderen Sportarten, auch in anderen Berufen«, weiß er.

Gearbeitet habe man unter anderem auch an der Lauftechnik, am Schießen unter hochintensiver Belastung. »Im Sporthotel Achental in Grassau waren ja in den vergangenen Jahren immer wieder Fußball-Bundesligisten zur Saisonvorbereitung, da habe ich auch ab und zu zugeschaut«, so Reiter, der auch im alpinen Skisport eine Hospitanz absolviert hatte.

Wichtig ist ihm selbst auch die sogenannte »Aktivierung«. Das heißt, bereits frühmorgens geht es um Koordinationsübungen, Schulung des Reaktionsvermögens und kurze, schnelle Antritte. Damit sollen die Sportlerinnen dazu gebracht werden, »dass sie gleich aufmerksam sind, wenn sie ins Stadion kommen, und nicht erst beim Anschießen wach werden.«

Auch im Wettkampf sei es wichtig, an der Strecke nicht nur die wichtigsten Informationen weiterzugeben, sondern auch die richtige Ansprache zu finden. »Die eine muss man schon in der ersten Runde etwas schärfer ansprechen, andere vielleicht erst später«, weiß er – je nach den persönlichen Eigenheiten der Sportlerinnen.

Besonders »eigen« seien diese aber nicht, betont er. »Sie bringen ohnehin schon eine gewisse Bodenständigkeit mit, und das ist gerade nach solchen Erfolgen wichtig.« Die Bodenständigkeit sei sehr wichtig, betont Reiter, »die hat uns so gut gemacht.« Sollte dennoch eine Sportlerin »abzuheben« drohen, »kann man ihnen in jeder Trainingseinheit genügend Dinge aufzeigen, wo es noch etwas zu verbessern gilt.«

Nach drei Siegen in der Vorwoche »geht es diese Woche wieder von vorn los, wir müssen uns alles neu erarbeiten«, stellt er klar. Schließlich seien gerade im Biathlon auch schnell Rückschläge möglich. »Und wenn es diese Woche nicht funktioniert, sind diese Siege schnell wieder vergessen«, mahnt er.

Gleichzeitig macht er auch den Sportlerinnen Mut, für die es in der ersten Woche noch nicht nach Wunsch lief – wie etwa Maren Hammerschmidt und Miriam Gössner. »Sie können es ja, aber im Wettkampf klappt es eben nicht immer bei allen, die Komplexleistung auch voll abzurufen.« Gelinge dies, seien auch für dieses Duo wieder Spitzenplätze drin. who