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»Wir kommen ganz gut zurecht«

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Derzeit müssen sie mit ihren Sportlern improvisieren: die Langlauf-Trainer (von links) des Stützpunkts Ruhpolding, Frank Nitsch und Falk Göpfert, hier in einer Aufnahme vom vergangenen Herbst. (Foto: Hohler)

Allmählich kehrt für die Skilangläufer aus der Region wieder »Normalität« ein – soweit dies in Zeiten der Corona-Krise möglich ist. Doch noch läuft die Saisonvorbereitung nicht für alle wieder wie gewohnt.


Immerhin: Die Profis – das heißt die Olympia- und Perspektivkader – des Stützpunkts Ruhpolding dürfen seit Wochenbeginn wieder in der Chiemgau-Arena trainieren. Dazu gehören beim Langlaufteam neben den festen Weltcup-Teilnehmern wie Jonas Dobler (SC Traunstein), Andreas Katz (SV Baiersbronn) und Lucas Bögl auch Nadine Herrmann (Bockauer SV), die sich im vergangenen Winter vor allem in der zweiten Saisonhälfte gut etabliert hatte. Mit in dieser Gruppe sind unter anderem auch Anian Sossau (SC Eisenärzt) – der im vergangenen Winter sein Weltcup-Debüt feierte – und Florian Knopf (SLV Bernau).

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Durch die neuen Entscheidungen der Politik vom Mittwoch wurde der Kreis – für den Zeitraum vom nächsten Montag an – noch etwas erweitert. Allerdings dürfen aus dem Jugendteam (mit Trainer Fabian Heibler) zunächst nur jene Sportler schon mitmachen, die einem Nachwuchskader entweder des DSV oder des BSV angehören. »Das macht es etwas schwierig«, weiß Nitsch. Zumal eine Woche später schon die nächsten Änderungen anstehen könnten. Doch auch für die Top-Kader »ist natürlich eine genaue Abstimmung mit der Arena-Leitung nötig, ebenso wie mit den Biathleten.« Er betreut am Stützpunkt gemeinsam mit Manuel Schnurrer (Übersee) vorwiegend die Anschlusskader, während Falk Göpfert (Reit im Winkl) vor allem für die Weltcup-Teilnehmer zuständig ist – wobei sich das Trio jeweils gegenseitig unterstützt.

Da Nitsch und Schnurrer jedoch zugleich an der Bundespolizei-Sportschule in Bad Endorf als Ausbilder (und Trainer) tätig sind, wäre Göpfert im Sommer teilweise alleine mit den Athleten. »Das ist schon sehr viel, daher wird er im Sommer auch von Felian Schubert unterstützt.« Schubert (SLV Bernau) hat seine Karriere als Profisportler beendet und wird daher bis zum Herbst – dann will er ein Studium beginnen – dem Betreuerteam helfen. »Er betreibt den Sport ja noch hobbymäßig und muss ohnehin abtrainieren, das lässt sich gut verbinden«, erläutert Nitsch. Wie viel da zu tun ist, »dafür haben die Sportler schon selbst das Gefühl« weiß der 40-Jährige. Dabei komme es sogar zu dem Paradoxon, dass die Sportler »anfangs in manchen Teilbereichen sogar bessere Leistungen erzielen als früher – weil sie weniger trainieren und damit ausgeruhter sind.« Neben Schubert haben aus dem Stützpunkt auch der mehrmals im Weltcup eingesetzte Thomas Wick (SCM Zella-Mehlis/wir berichteten) sowie die Nachwuchs-Athleten Philipp Stasswender (SC Vachendorf) und Moritz Bauroth (SCMK Hirschau) ihre sportliche Laufbahn beendet. Stasswender und Bauroth wollen ein Studium beginnen, wobei sie »offiziell noch bis Ende Juni dem Sportzug der Bundeswehr angehören.«

Für die Bundespolizei-Sportschule in Bad Endorf ist Nitsch derzeit vor allem mit Videokonferenzen aktiv. »Da haben wir vier Einheiten am Tag und können schon viel theoretischen Stoff erarbeiten.« Ab 18. Mai soll dann auch wieder die Präsenz-Ausbildung in Bad Endorf beginnen, dann geht es auch in die Praxis. Natürlich mit besonderen Regeln: »In geschlossenen Räumen muss ein Mundschutz getragen werden, das Training erfolgt dann nur klassenweise.« Da jedoch auch individuelle Vorbereitung möglich sei, werde fast normal trainiert, »die Geräte müssen nach jeder Benutzung desinfiziert werden.« Insgesamt »bekommen die Sportler schon einen Plan, das ist je nach Disziplin anders«, weiß er.

Nitsch, der mit seiner Familie in Österreich wohnt, hat keine Probleme beim Grenzübertritt: »Ich habe eine Bescheinigung, dass ich in einem sicherheitsrelevanten Beruf arbeite, und darf wie ein Berufspendler rüberfahren.« Allerdings nutzte er diese Möglichkeit zuletzt eher zurückhaltend. Wenn ab 18. Mai der normale Unterricht (mit Training) wieder beginnt, »habe ich ja in Bad Endorf ein Zimmer und versuche, dann in den Alltag reinzukommen.«

Das versuchen auch die Sportler, egal ob an der Bundespolizei-Sportschule oder direkt am Stützpunkt. »Die Lehrgangsgruppe 1 darf ja in der Arena schon den Kraftraum nutzen. Aber halt nur, so lange das funktioniert. Da ist sehr viel Disziplin gefragt.«

Doch in diesem Punkt gebe es ohnehin keine Zweifel an den Athleten. »Als Sportler ist man eh schon im Winter vorsichtig, und dass wir uns häufig die Hände desinfizieren, sind wir gewohnt.« Tests auf das Virus erfolgen normalerweise nicht, »außer es würden bei jemand Symptome auftreten. Dann müsste ein Arzt mit DSV- oder DOSB-Zertifikat das überprüfen.« Zumal die Sportler ohnehin schon im Vorfeld einen Personalbogen ausfüllen mussten. »Sobald da einer auch nur eine Frage mit 'Ja' ankreuzen muss, muss er ohnehin zum Test beim Arzt antreten.«

Leistungsmäßig sieht Nitsch für das Team – noch – keine Probleme. »Natürlich ist es schade, dass wir die geplante 'Saison-Verlängerung' in Norwegen nicht machen konnten. Auch das Anfang Juni geplante Gletschertraining fällt auf jeden Fall aus. Aber wir hätten ja noch die Möglichkeit, zum Schneetraining in den Oberhofer Tunnel zu gehen«, weiß er. Im späteren Verlauf der Vorbereitung »sind dann irgendwann halt schon die Schnee-Lehrgänge nötig«, weiß Nitsch.

Noch sei alles soweit in Ordnung, »aber die Gruppendynamik geht halt ein bissel ab.« Derzeit sei man im Trainingsstand praktisch bei 100 Prozent. Zwar sei viel Improvisation gefragt, aber da die Stützpunkte gut ausgestattet seien, »kommen wir ganz gut zurecht. Schließlich ist jeder Profi genug, um zu wissen, was zu tun ist.« who

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