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Wettkampfgemeinschaft kommt nicht zustande

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Vor zwei Jahren noch als Kontrahenten auf der Matte wollten die beiden Ringervereine Traunstein und Trostberg mit der Bildung einer Wettkampfgemeinschaft nun gemeinsame Wege gehen. Eine Abstimmung in Trostberg führte aber zum Aus der Pläne. (Foto: Wittenzellner)

Die Ringerabteilungen des TV Traunstein und TSV Trostberg werden auch in Zukunft getrennte Wege gehen. Eine ins Auge gefasste gemeinsame Kampfgemeinschaft kommt nicht zustande. Nach wochenlangen intensiven Gesprächen und Planungen haben sich die Trostberger Aktiven gegen die Bildung einer gemeinsamen Mannschaft in den bayerischen Ringerligen entschieden. Damit werden beide Vereine wie gehabt je eine Mannschaft im Ligabetrieb stellen; Trostberg in der Oberliga, Traunstein in der Bayernliga.


Bereits vor zwei Jahren trafen sich Verantwortliche beider Abteilungen zu ersten Sondierungen. »Da war die Zeit dafür aber noch nicht reif«, betonte Christian Philipp, Trostbergs Abteilungsleiter, und fügte hinzu: „Schon damals waren wir jedoch der Überzeugung, dass dieser Schritt zur Sicherung eines erfolgreichen Mannschaftsbetriebs kommen muss.« Sehen sich doch beide Vereine – wie auch andere Ringerabteilungen – mit einem langsamen Schwund an ligatauglichen Aktiven konfrontiert.

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Der Ringsport kämpft – wie viele andere Sportarten auch – mit einem zunehmenden Nachwuchsproblem. Talente aus dem Jugendbereich kommen nicht mehr in der Breite nach, um den dauerhaft erfolgreichen Fortbestand des Mannschaftsringens zu sichern. Daneben werden erfolgreiche junge Ringer von zahlungskräftigen Bundesligavereinen heftig um- und abgeworben, was im Falle eines Vereinswechsels für den abgebenden Verein natürlich quantitativ und qualitativ zur Schwächung der eigenen Mannschaft führt.

Anfang dieses Jahres wurden die Gespräche erneut aufgenommen und intensiviert. Eine entsprechende Antragstellung für die Bildung einer Wettkampfgemeinschaft – die beim Verband zustimmungspflichtig ist – wurde vorbereitet, die Vereinsvorstände waren zur Unterschrift bereit.

Während beide Abteilungsleiter und Trainer – auf Traunsteiner Seite Petar Stefanov, auf Trostberger Seite Alexander Schrader – in ihren Vereinen um Zustimmung warben, gaben die Trostberger Stimmberechtigten, insbesondere überwiegend Nicht-Aktive, nun in einer Abstimmung den Planungen einen Korb.

»Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Die Vorteile wären klar auf der Hand gelegen«, monierte Trostberger Abteilungsleiter Christian Philipp und auch sein Traunsteiner Kollege Hartmut Hille pflichtete bei: »Hier wurde eine Chance vertan.« Wäre doch neben der gemeinsamen Oberligamannschaft eine Bezirksligamannschaft gebildet worden, in der insbesondere auch junge Ringer langsam an die »raue Luft« der oberen bayerischen Ligen hätten herangeführt werden können. Und auch so mancher ältere Ringer, der sich nicht mehr den hohen Anforderungen der Ober- oder Bayernliga stellen will, hätte hier – fernab des Leistungssports – noch den einen oder anderen erfolgreichen Kopfzug ziehen können.

Daneben hätte die Aufteilung der Heimkämpfe auch eine Entlastung bei den ehrenamtlichen Helfern gebracht. Beide Abteilungen müssen diese Herausforderung aktuell mit einer sehr begrenzten Anzahl von freiwilligen Helfern stemmen. Außerdem hätte sich Christian Philipp, der schon vor längerer Zeit angekündigt hat, dass zum Saisonende für ihn als Abteilungsleiter Schluss ist, im Falle einer Wettkampfgemeinschaft verpflichtet, seine Abteilung für mindestens drei Jahre weiterzuführen. Die Frage, wie es mit dieser wichtigen Personalie in Trostberg weitergeht, ist derzeit unklar.

Letztlich waren sich die Beteiligten aber auch einig, dass die klare sportliche Zielsetzung mit der II. Bundesliga vorgegeben wäre, in der auch die Nachbarvereine aus Burghausen und Anger vertreten sind, was zu Derbys mit hohen Zuschauerzahlen geführt hätte.

Die beiden Ringerabteilungen werden nun auch in dieser Saison getrennte Wege gehen und stehen in den heuer extrem aufgewerteten Ligen vor keiner leichten Aufgabe. »Viele Ober- und Bayernligisten haben sich markant verstärkt, das wird in diesem Jahr ganz schwer für uns«, sind beide Abteilungsleiter überzeugt. Noch bleibt bis Ende Mai Zeit, sich zu verstärken. Die Bildung einer Wettkampfgemeinschaft, die in der Oberliga beste Chancen gehabt hätte, ganz vorne mitzumischen, ist indes zunächst vertan. Die bayerischen Ringerligen beginnen am 6. September mit ihren Mannschaftskämpfen. awi