»Werden eine ganze Generation von Nachwuchssportlern verlieren«

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Für die Weltcup-Tage in Ruhpolding ist alles bestens vorbereitet. Dafür hat das Organisationskomitee um Medienchef Frank Oette (von links), Vize-Präsident und SC-Vorsitzender Herbert Fritzenwenger, Präsident und Bürgermeister Justus Pfeifer und Generalsekretär Engelbert Schweiger gesorgt. (Foto: Brenninger)

SC-Vorsitzender Herbert Fritzenwenger schlägt Alarm – Tourismusdirektor Frank Oette hofft auch ohne Weltcup-Besuch auf zufriedene Gäste


Traumhafte Kulisse, perfekte Bedingungen – aber auch ein ganz trauriger Anblick: Die Tribünen in der Chiemgau-Arena werden in diesem Jahr bei allen Rennen des Biathlon-Weltcups leer bleiben (wir berichteten bereits). »Für den Skiclub Ruhpolding ist das eine Katastrophe«, betonte Herbert Fritzenwenger bei einer Pressekonferenz des Organisationskomitees (OK) am Mittwoch im Medienzentrum der Chiemgau-Arena. Fritzenwenger, der als Vorsitzender des SC auch Vizepräsident des OK ist, schlug aber auch aus einem anderen Grund noch Alarm.

Weil die Zuschauer diesmal draußen bleiben müssen, kann der SC Ruhpolding keine Einnahmen generieren. »Dazu muss man wissen, dass der Skiclub Ruhpolding 95 Prozent seiner Einnahmen aus der Verpflegung der Zuschauer beim Biathlon-Weltcup hat.« Und weil der Weltcup auch schon im vergangenen Jahr ausfallen musste, muss der SC weiter auf Sparflamme kochen. »Wir mussten unser Budget im vergangenen Jahr um 70 bis 80 Prozent reduzieren, um als Verein überhaupt überleben zu können«, informierte Fritzenwenger. »Das hat zur Folge, dass wir bei der Nachwuchsgewinnung, und das ist ja das Dramatische, fast jede Tätigkeit einschränken oder einstellen mussten.« Das habe aber nicht nur mit dem Geld zu tun, sondern auch mit den Verordnungen, die man einhalten musste.

Genau dieses Szenario »ist jetzt wieder zu erwarten für dieses Jahr«. Und auch deshalb sieht Herbert Fritzenwenger große Probleme im Nachwuchsbereich auf die Vereine und Verbände zu kommen. »Wir werden, und das ist nicht der Skiclub Ruhpolding alleine, wenn das so weitergeht, eine ganze Generation von Nachwuchssportlern im Wintersport verlieren – ganz egal welche Disziplin, ob das jetzt Skispringen, Biathlon, Alpin oder Langlaufen ist.« Fritzenwenger malte sein düsteres Bild weiter: »Die coronabedingten Ausfälle werden wir nicht gleich wieder aufholen können. Das ist das Dramatische an der ganzen Geschichte.«

Ruhpoldings Tourismusdirektor Frank Oette, der während des Weltcups auch die Aufgabe des Medienchefs inne hat, zeigte sich enttäuscht vom Ausschluss der Zuschauer. »Aber wir wollen uns jetzt, als sehr gute Gastgeber präsentieren.« Es seien viele mit Erwartungen nach Ruhpolding gereist, betonte er. »Es ist für uns jetzt die Chance, Ruhpolding als Ort zu präsentieren. Wir haben uns schon einiges einfallen lassen.« Am Wochenende beispielsweise werde es ein Laserschießen für die Gäste geben. Und was den Weltcup betreffe »freuen wir uns jetzt auf spannende und gute Wettkämpfe«, ergänzte er.

Auch Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer, der auch Präsident des OKs ist, hob noch einmal hervor, dass die Entscheidung, den Weltcup nur ohne Fans durchführen zu dürfen, »bitter für den ganzen Ort ist«. Schließlich »haben wir das Biathlon-Gen im Blut«. Engelbert Schweiger, der Generalsekretär des OK, ergänzte: »Wir haben eh nicht mehr mit einem vollen Haus gerechnet, aber wir haben bis zum Schluss auf zehn Prozent Auslastung gehofft.« Nun sind die Rennen ganz ohne Fans.

Schweiger zeigte sich für die Zukunft optimistisch. »Unser Blick geht nach vorne«, betonte er. »Bei der Sommer-Biathlon-WM erwarten wir hier in Ruhpolding viele Stars. Wir freuen uns darauf und hoffen, dass wir dann wieder mit unseren Fans ein Biathlon-Fest feiern dürfen.«

SB

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