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»Wer in der Komfortzone bleibt, kommt nie rauf«

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Er ist jetzt Diplom-Trainer: Stolz präsentiert der ehemalige Weltklasse-Biathlet Andreas Birnbacher seine Urkunde. (Foto: Wukits) Foto: Ernst Wukits

Nach drei Jahren Ausbildung an der Sporthochschule Köln hat er es geschafft: Der ehemalige Weltklasse-Biathlet Andi Birnbacher hat sein Trainerdiplom in der Tasche. »Ich bin froh, dass ich es geschafft habe und diesen Weg gegangen bin«, sagt der 38-jährige Schlechinger. »Das alles ist sehr intensiv gewesen, jetzt kann ich mich wieder voll auf mein Training hier am Stützpunkt konzentrieren«, freut sich der sechsfache Gewinner von Einzelrennen im Weltcup.


Birnbacher ist für den weiblichen Nachwuchskader I zuständig. Unter seinen Fittichen sind neun Sportlerinnen, die im IBU-Juniorencup eingesetzt werden und Starts bei der Junioren-Weltmeisterschaft anstreben. Aus heimischer Sicht gehören zu dieser Gruppe Lisa Spark vom SC Traunstein und Franziska Pfnür von der SK Ramsau. Sein Wissen kann er nun voll an seine Trainingsgruppe weitergeben.

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»Ich habe vieles aus meiner aktiven Karriere mitnehmen und in die Theorie und Praxis einbinden können. So habe ich im Nachhinein auch erfahren, warum früher manchmal was so gelaufen ist«, erklärt er. Auf dem Stundenplan stand unter anderem Trainingslehre, Biomechanik, Pädagogik, Soziologie und Psychologie. Dabei profitierte Birnbacher etwa von Teilnehmern aus den Bereichen Eishockey, Turnen und Schützen und deren Erfahrungen. »Letztendlich geht es im gesamten Profisport um Zielstrebigkeit, Willen und den Glauben an sich. Da gibt es in den verschiedenen Sportarten kaum Unterschiede.«

Vor rund dreieinhalb Jahren beendet Andi Birnbacher seine sportliche Laufbahn beendet und entschloss sich, sein Wissen als Trainer weiterzugeben. »Ich habe gut zwei Jahre gebraucht, um vom Leistungssport loszukommen und den Absprung zu finden«, gibt er zu.

»Ich bewege mich aber trotzdem immer noch gerne und will fit sein, das ist mein Anspruch. Außerdem hat es den Vorteil, ich kann mit meinen Mädels mittrainieren und hautnah dabei sein. Bei jungen Menschen muss man vorangehen, da ist eine gewisse Fitness von Vorteil.«

Auch mit dem notwendigen Respekt von seinen Sportlern hat er keine Probleme. »Ich rede mit ihnen auf Augenhöhe und nicht von oben herab. Eine gute Kommunikation erleichtert die Beziehung zum Athleten. Zu meiner Zeit war alles noch viel autoritärer. Trotzdem ist die Disziplin im Sport wichtig, auch das muss ich vermitteln«, beschreibt er seine Arbeit in diesem Bereich.

Ihm ist auch bewusst, dass der Anspruch im Biathlon in Deutschland sehr hoch ist. Deswegen heißt es ständig, die Augen offen zu halten, was die anderen Nationen machen. Norwegen, Schweden, Italien oder Frankreich haben starke Sportler. »Ziel muss es sein, dass wir es besser machen und die anderen Nationen auf uns schauen. Das ist eine unglaublich schwierige Aufgabe für die kommenden Jahre«, und erklärt es an einem Beispiel: »Wir in Deutschland haben knapp 600 aktive Biathleten, in Russland sind es etwa 200 000. Da findest du etwas leichter einen Superstar.«

Zur Arbeit eines Trainers gehört unbedingt der Blick über den Tellerrand, heißt konkret: Schauen, was die anderen Nationen machen. »Das klappt aber nur bedingt. Ich vergleiche das mit dem Fischen. Ein Fischer wird dir auch nicht seinen besten Platz zum Angeln verraten. So ist das halt auch im Sport, da hat jeder seine Geheimnisse.«

Genau beobachtet Birnbacher die weitere Entwicklung im Biathlon. Mittlerweile sei ein Punkt erreicht, bei dem es nur langsam und kontinuierlich aufwärts gehe. »Die dynamische Entwicklung wie damals vor rund 15 Jahren ist meiner Ansicht nach vorbei.« So hat er festgestellt, dass etwa die Leistungen bei Laufbahntests im Vergleich zu früher heutzutage nicht besser sind. Trotzdem bleibt der Weg an die Spitze nach wie vor steinig.

Vor allem der Übergang vom Junioren- in den Seniorenbereich ist sehr hart. »Das ist ein riesiger Sprung, das kenne ich aus eigener Erfahrung. Der Abstand ist in diesem Bereich sehr groß.« Laut Birnbacher muss sich deswegen an der Nachwuchsarbeit am Stützpunkt in Ruhpolding möglicherweise einiges ändern. »Wir haben engagierte Trainer, die großartige Arbeit leisten. Nur sind die meisten ehrenamtlich und haben nicht immer die Zeit dazu, die es brauchen würde. Das müssen wir kritisch hinterfragen, ob da was geändert werden muss.«

Auch die Talente sind gefordert

Gefordert sind jedoch auch die jungen Talente. »Schaffen werden es nur diejenigen, die mehr investieren und härter trainieren als die Masse. Die jungen Sportler müssen auch mal ins kalte Wasser geworfen werden, ohne sie zu verheizen. Dazu braucht es aber Typen, die dazu bereit sind. Wer in der Komfortzone bleibt, kommt nie rauf«, lautet seine deutliche Ansage.

Viel hält Andi Birnbacher von der Trainerausbildung in Deutschland, diese sei einmalig, betont er. Zu seinen eigenen Zielen als Trainer hat er eine klare Ausrichtung. »Wo ich momentan bin, das passt. In diesem Bereich kann ich mich die kommenden Jahre verwirklichen und viel lernen. Umgekehrt auch die Sportler von mir. Da bin ich Trainer, weiter oben im Herrenbereich ist man eher Coach in beratender Funktion. Irgendwo Cheftrainer zu werden, dazu bin ich noch nicht bereit«, gibt der Vater zweier Buben zu. SHu