Wenn der Kopf am Schießstand Achterbahn fährt ...

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Inzwischen auch beim Fernsehen eine gefragte Gesprächspartnerin: Vanessa Hinz vom Stützpunkt Ruhpolding, die in dieser Saison im Biathlon-Weltcup Furore macht. (Foto: Wukits)

Für Vanessa Hinz wird diese Woche eine ganz besondere werden. Die 22-jährige Biathletin wird zum ersten Mal bei einem Weltcup in der heimischen Chiemgau-Arena in Ruhpolding an den Start gehen. »Ich habe mir vor zwei Jahren mit meinen Eltern die Heimrennen live angeschaut und schon oben auf der Tribüne Gänsehaut bekommen. Damals spürte ich auch das Kribbeln, unbedingt mal da selbst laufen zu wollen«, sagt die für den SC Schliersee startende Sportlerin.


»Jetzt habe ich dieses Ziel erreicht, so ein Heimweltcup ist schon was besonders.« Das erste »Heimfeeling« hat sie in der vergangenen Woche beim Weltcup in Oberhof erlebt. Getragen von den Tausenden von Zuschauern erreichte sie im Sprint den siebten Platz. Ihr bisher zweitbestes Ergebnis im Weltcup. Kurz vor Weihnachten schaffte sie mit dem sechsten Platz in Hochfilzen die Norm für die Weltmeisterschaft. Dazu stand sie mit der deutschen Staffel ganz oben auf dem Podest. Aktuell belegt sie im Gesamtweltcup derzeit den 15. Platz.

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Eine erstaunliche Bilanz, schließlich ist Vanessa Hinz erst 2012 zum Biathlon gekommen. Zuvor war sie Langläuferin. »Ich habe diesen Wechsel nie bereut, trotzdem habe ich mir diesen Schritt lange überlegt«, sagt sie rückblickend. »Ich bin ja nicht zum Biathlon gewechselt, weil ich keine Erfolge mehr im Langlauf hatte. Sondern weil ich einfach so viel Gefallen an der neuen Sportart hatte.« Bereits im vergangenen Winter bestritt Vanessa Hinz erste Weltcuprennen und war sogar Ersatzfrau für die Olympischen Spiele in Sotschi, blieb aber zu Hause auf Abruf.

Der Knoten ging aber in diesem Winter so richtig auf. Nach drei durchwachsenen Rennen zum Auftakt in Östersund knackte sie bereits in Hochfilzen die Norm zur Weltmeisterschaft. »Es war eines meiner großen Ziele in diesem Winter. Natürlich ist es schön zu wissen, diese Hürde so früh im Winter geschafft zu haben.«

Zusammen mit ihrem Stützpunkttrainer Tobias Reiter hat sich die 22-Jährige im Sommer gut vorbereitet. Schwächen wurden beseitigt. »Ich habe da schon gespürt, wie ich mich im Vergleich zu den anderen verbessert habe. Doch Rollern auf Beton ist was anderes als Langlaufen auf Schnee.« Auch Tobias Reiter ist über die Entwicklung seines Schützlings erfreut. »Die Ergebnisse sind positiver als erwartet. Dennoch gilt es weiter bescheiden zu bleiben. Wir sind bisher sehr zufrieden, es wird sicherlich auch Schwankungen geben«, gibt sich Reiter gewohnt zurückhaltend.

Dabei schnupperte Vanessa Hinz beim Weltcup in Pokljuka bereits am Podium. Beim Massenstart setzte sie beim letzten Schießen in aussichtsreicher Position zwei Schüsse neben das Ziel und so wurde es der elfte Platz. »Da ist der Kopf Achterbahn gefahren. So eine Situation hatte ich noch nie gehabt, das muss ich noch lernen«, meinte sie. Die Entwicklung der jungen Biathletin hat auch viel mit der Philosophie von Tobias Reiter zu tun. »Wir haben einige Details verändert aber sonst nichts Besonderes«, meint er lächelnd.

Den Staffelsieg in Hochfilzen habe sie zunächst gar nicht so realisiert, erzählt sie rückblickend von ihrem bisher größten Erfolg. »Erst als ich auf dem Podium gestanden bin, ist mir klar geworden, was wir erreicht haben. Eine Staffel ist etwas ganz Besonderes, da ist die Nervosität bei mir höher als bei einem Einzelrennen.« Die Staffel scheint ihr zu liegen, bei der Europa- und der Juniorenweltmeisterschaft 2013 stand sie jeweils im siegreichen Quartett.

Die jüngsten Erfolge haben Vanessa Hinz auch zu einer begehrten Gesprächspartnerin für die Medien gemacht. Auch die Klicks auf ihrer Facebook-Seite haben sich schnell verdoppelt und der Briefträger bringt seit den vergangenen Wochen mehr Post. »Es ist ein schönes Gefühl zu wissen, dass so viele Menschen mit einem mitfiebern und mich unterstützen.«

In ihrem Umfeld habe sich nichts geändert, sagt sie. »Ich bin immer noch die gleiche Person für meine Familie und Freunde und auch die Trainer.« Vor allem Tobias Reiter am heimischen Stützpunkt ist dabei für sie ein wichtiger Mosaikstein für ihre weitere Entwicklung. »Er ist ein junger, engagierter Trainer. Er weiß wie wir Sportler uns fühlen und denken. Ich bin ein Mensch der die Strukturiertheit und das zielbewusste liebt. Daher kommt mir die Art und Weise von Tobi und auch Remo (Krug) und ihrem Trainingsstil sehr entgegen«, meint sie. SHu

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