Wenn aus Wintersportlern Wassersportler werden

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Die Teilnehmer des Benefiz-Golfturniers, darunter Tobias Wendl (in roten Knickerbocker) und Veranstalter Franz Wimmer (Zweiter von rechts), ließen sich trotz des Regens die gute Laune nicht verderben. (Foto: Schraufstetter)

Unter dem Motto »Golfen – Feiern – Gutes tun« fanden jetzt zum siebten Mal die Wimmer-Carbontechnik-Open in Ruhpolding statt. Dabei wurden aus hoch dekorierten Wintersportlern im wahrsten Sinne des Wortes Wassersportler ...


Obwohl sich der Rauschberg in dichte Wolken verhüllt hatte, herrschte im Clubhaus des Golfclubs Ruhpolding schon am frühen Morgen reges Treiben. Die Teilnehmerliste des Charity-Golfturniers las sich wie das »Who is who« des deutschen Wintersports. Neben den Olympiasiegern von Sotschi 2014 im Rodel-Doppelsitzer, Tobias Wendl und Tobias Arlt, schlugen auf dem 18-Loch-Platz auch die ehemalige Slalom-Olympiasiegerin Hilde Gerg, Ex-Bob-Olympiasieger Christoph Langen, der Bob-Weltmeister von 2011, Manuel Machata, der frühere österreichische Doppelsitzer-Rennrodler Tobias Schiegl, die aktiven Schweizer Bobfahrer Gregor Baumann, Remo Bodmer und Daniel Bruhn sowie die Schweizer Boblegende Ivo Rüegg auf.

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Die meisten von ihnen haben sich von Franz Wimmer die Bob- und Rodelschlitten bauen lassen und mit dem Material »Made in Traunstein-Wolkersdorf« bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen unzählige Medaillen errungen. Trotz der Beendigung ihrer aktiven Laufbahn sind viele dieser Weltklassesportler dem »Wimmer-Franze« weiterhin freundschaftlich verbunden und stellen sich jedes Jahr bei dem Charity-Golfturnier in den Dienst der guten Sache. Und so wurde beim Weißwurst-Frühstück im Clubhaus nicht nur rege gefachsimpelt, sondern auch ausgelassen Wiedersehen gefeiert.

Der leichte Nieselregen wechselte in einen kräftigen Schauer über. Deshalb ging es erst eine Stunde später als ursprünglich geplant für die 70 Teilnehmer aufs Grün. »Wir fangen später an, weil’s da wettermäßig noch schlechter wird«, witzelte der Gastgeber, Franz Wimmer, und lächelte schelmisch. Petrus schien’s gehört zu haben. Aus dem Schauer wurde ein unangenehmer Dauerregen bei äußerst frischen Außentemperaturen – aber alle Turniergolfer hielten bis zum letzten Loch durch.

»Es ist ein sehr familiäres Turnier«

So locker und fröhlich wie im Clubhaus ging es auch auf dem Golfplatz zu. »Es ist ein sehr familiäres Turnier. Alle gehen sehr unkompliziert miteinander um«, berichtete Lisa Marie Ressle, die zusammen mit Maria Fembacher die Benefizveranstaltung organisierte. »Das Golfspielen hat für mich vorrangig eine Sozialstellung«, betonte auch Christoph Langen, Weltklasse-Bobfahrer und jetziger Bundestrainer: »Natürlich ist man ehrgeizig, da kommt halt wieder der Sportler in einem durch. Aber im Vordergrund steht, mit Freunden etwas gemeinsam zu unternehmen und Spaß zu haben. Und wenn einmal ein Schlag daneben geht, gerät keiner von uns in die Golfkrise.« Kein Wunder, dass Langen bei einem sehr guten Handicap von 17,5 dem Turnier gelassen entgegensah.

Die beiden »Tobis« Wendl und Arlt betreiben den Golfsport im Sommer als Ausgleich zu dem anstrengenden Kraft- und Techniktraining der Rennrodler. »Beim Golf denkt man nicht ans Rodeln und wir reden auch nicht darüber. Das macht den Kopf frei«, sagte Tobias Arlt, der ein Handicap von 26 vorzuweisen hat. Und sein Teamkollege und sehr guter Freund Tobias Wendl ergänzte: »Leider haben wir das Golfspielen in diesem Sommer wegen des schlechten Wetters etwas vernachlässigt.«

Auf dem Golfplatz, der sich trotz des Regens in einem sehr guten Zustand präsentierte, wurde viel gescherzt. »Golf wird mit und im Kopf gespielt. Um den Geist des Golfspiels zu erleben, muss man ,frei sein’. Freude ist die Voraussetzung für persönliche Golferlebnisse. Wer nicht lacht, der locht auch nicht«, erklärte Golftrainer Eugen Wallner, der sieben Interessierte im Alter zwischen 12 und 72 beim Schnuppertraining unterstützte. Geboren wurde die Idee, Freunde zu treffen, sich gemeinsam sportlich zu betätigen und Gutes zu tun im Jahr 2008. Was ursprünglich als Firmenfest für Mitarbeiter und Freunde in der neuen Werkshalle gedacht war, entwickelte sich durch die intensive Freundschaft von Franz Wimmer zu dem mehrfachen Paralympics-Goldmedaillengewinner Martin Braxenthaler schnell zur Benefizveranstaltung.

Seit vielen Jahren wird die Stiftung »Wings for life« zur Erforschung von Rückenmarkserkrankungen und -verletzungen unterstützt, mit dem Ziel, Querschnittslähmung in naher Zukunft heilen zu können. Heuer wurden 33 000 Euro für die Stiftung mit ihren weltweit 110 Förderprojekten gesammelt. Weitere 7000 Euro flossen in den »Bunten Kreis Traunstein«. Die sozialmedizinische Nachsorge am Klinikum Traunstein kümmert sich um zu früh oder krank geborene Kinder und deren Eltern. Hannes Arch, Kunstflugpilot und Botschafter von »Wings for Life« sowie Dr. Tobias Trips, Ärztlicher Leiter, und Anita Wimmer, Pflegerische Leiterin von »Der Bunte Kreis Traunstein« zeigten sich tief beeindruckt von der enormen Unterstützung und den großzügigen Spenden.

Auf dem Wimmerschen Betriebsgelände wurde dann mit Livemusik der »Hurricans«, Versteigerung, Tombola, Buffet und Goaßlschnalzern weitergefeiert. Die Moderation übernahm in bewährter Weise Harald von Knoerzer. Auf die spektakuläre Kunstflugeinlage warteten die Gäste allerdings vergebens. »Das gab’s noch nie, dass das Wetter so schlecht war, dass wir auf die Darbietungen von Hannes Arch verzichten mussten«, stellte Franz Wimmer etwas enttäuscht fest.

450 Gäste und jede Menge gute Laune

Der guten Laune tat die Absage der Flugschau indes keinen Abbruch. Unter die etwa 450 Gäste mischten sich auch die Goldrodler von Sotschi, Natalie Geisenberger und Felix Loch, Extrembergsteiger Alexander Huber, Paralympics-Medaillengewinner Gerd Schönfelder, der ehemalige Skilangläufer Tobias Angerer, Skicrosser Tommy Fischer, die früheren Biathleten Peter Angerer und Jens Steinigen sowie Herbert Fritzenwenger, Präsident des Golfclubs Ruhpolding, Monoskifahrer Karl Lotz und Rodellegende Georg Hackl.

Im Rahmen der Abendveranstaltung wurden auch die Sieger des Golfturniers gekürt. Franziska Beil (Golfclub Ruhpolding) gewann die Bruttowertung der Damen, Florian Troll vom Golfclub Chieming setzte sich gegen seine männlichen Konkurrenten durch. Die Nettowertung C (Handicap 27 bis 58) entschied Manuel Machata (47 Nettopunkte) vor Martin Helmberger (44) und Josef Nehren (40) für sich. Die Nettowertung B (Handicap 18 bis 26) ging an Klaus Lederbauer (36 Nettopunkte). Er verwies Tobias Arlt (35) und Anton Beckerbauer (34) auf die weiteren Plätze. Zum Abschluss des offiziellen Teils würdigte Franz Wimmer herzlichst alle Spender und Sponsoren für ihr Engagement und kündigte für 2015 bereits die Neuauflage des beliebten Charity-Golfturniers an. mia

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