Weber lobt: »Eine schöne Sache«

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Er war als Streckenposten beim Kartrennen dabei und hofft im Eisspeedway auf eine halbwegs normale Saison: Hans Weber vom MSC Teisendorf. (Foto: Weitz)

Ein WM-Teilnehmer beim Nachwuchs-Wettkampf: Das war beim DMV-Kartrennen des MSC Teisendorf zuletzt der Fall. Denn beim ersten DM-Vorlauf, den der MSC ausrichtete, half auch Eisspeedway-Pilot Hans Weber als Streckenposten mit. Der 37-Jährige zeigte sich begeistert: »Das war eine schöne Sache. Da kommen alle zusammen.«


Erleichtert war Weber auch darüber, dass trotz der Hochwasser-Situation das Rennen überhaupt stattfinden konnte. Deshalb war es ihm auch ein Anliegen, hier mitzuhelfen: »Da ist jeder Mann wichtig. Und für die Kinder war es einfach wichtig, dass das stattfinden konnte.«

Weber fuhr »ganz früher« auch selbst mit dem Kart, »das hat mir auch viel Spaß gemacht.« Seit vielen Jahren ist er nun im Eisspeedway aktiv. Er wurde 2019 hinter einem Quartett der dominierenden russischen Piloten WM-Fünfter und im Winter darauf WM-Siebter (als zweitbester nicht-russischer Fahrer) sowie erstmals Deutscher Meister. Im Winter 2021 fielen bis auf den Grand Prix in Togliatti (Russland) – bei dem Weber nicht am Start war – alle Veranstaltungen aus. Doch der gelernte Maschinenbau-Techniker – er hat sich inzwischen selbstständig gemacht – arbeitete weiter daran, technisch auf einen immer besseren Stand zu kommen. Im Vorjahr entwickelte er einen neuen Stoßdämpfer und arbeitete bereits seit 2015 an einem neuen Fahrwerk – 2020 baute er ein komplett neues Fahrwerk auf. Schließlich ist dies entscheidend dafür, wie die Piloten die Motorleistung auch tatsächlich auf die Piste bringen und wie sie durch die Kurven fahren können.

Bei der Entwicklung erweist sich die Kombination, als Fahrer auch gleichzeitig Fahrwerks-Tuner zu sein, als sehr hilfreich. Denn der Techniker muss möglichst auf Anhieb verstehen, »was du als Fahrer brauchst. Das ist aber oft schwierig, weil meist erst der Tuner etwas herrichtet und dann der Fahrer erst einmal mehrere tausend Kilometer (nach Schweden oder Russland, d. Red.) fährt und bei der Rückkehr dann berichtet, wie es lief.« Weber dagegen kann im Training sofort selbst sehen, »ob das, was ich gemacht habe, wie gewünscht funktioniert, und welche Änderungen noch nötig sind.« Weber hatte 2015 bei einem Trainingslager in Blagowestschensk (Russland) festgestellt, »dass die Motorräder bei denen alle sehr gut lagen. Die Russen wissen einfach über ihre Clubs und mit ihren Routiniers, was an der Maschine zu tun ist.«

Dieses Wissen werde in Russland in den Clubs weitergegeben. In Deutschland – wo es auch viel weniger Fahrer gibt – hakt es in dieser Hinsicht weitgehend.

Das will Weber ändern: »Deshalb habe ich mich selbst damit befasst und will dies auch hobbymäßigen Fahrern zur Verfügung stellen.« Klar sei auch, dass »ich natürlich nicht gleich alle Geheimnisse preisgeben will. Aber wenn ich aufhöre, sollen diejenigen, die nachkommen, dann auch wirklich bereit sind.«

Weber ist mit seinem Material inzwischen sehr zufrieden. »Ja, damit kann ich mithalten. Bei der Team-Weltmeiserschaft war ich zuletzt sogar bis auf Daniil Iwanow der punktbeste Fahrer im Feld.« Bedauerlich dabei sei: »Vor zehn Jahren hätte ich vielleicht noch mehr Leistung abrufen können – aber erst jetzt habe ich das Material dazu.«

Dieses Material könnte sogar noch besser werden. Denn »ich habe eine neue Maschine gekauft, die in zwei bis drei Wochen da sein wird. Die will ich dann neu aufbauen.«

Ansonsten ist die Vorbereitung angesichts seiner beruflichen Tätigkeit allerdings eher eingeschränkt, zumal Weber auch häufiger auf Montage unterwegs ist. Bei der körperlichen Fitness sei bis zum Winter noch einiges zu tun. Auch das bei vielen Fahrern beliebte Motocross-Fahren übt er nur selten aus. Zum einen aus Zeitmangel, zum anderen, »weil es zwar Spaß macht, aber eben doch eine andere Sportart mit einem ganz anderen Fahrstil ist. Ich konzentriere mich beim Fahren lieber aufs Eisspeedway.« Dabei »habe ich den Vorteil, dass ich nur wenige Trainingsrunden brauche, bis ich fahrerisch wieder fit bin. Ich merke schnell, wie es passen muss. Was dann im Rennen herauskommt, ist natürlich auch immer von der Tagesform abhängig.«

Wie die Saison verläuft, ist auch stark von der Corona-Situation abhängig. »Es wird heuer wohl auch schwer, dass Rennen stattfinden können. Freiluftstadien haben dabei einen Vorteil, aber ich bin mir nicht sicher, ob die Saison so stattfinden kann wie geplant.« Das dürfe aber nicht dazu führen, die Vorbereitung schleifen zu lassen. Schließlich »muss ich in diesem Winter erst einmal die WM-Qualifikation fahren. Das muss ich schaffen – und dann mal sehen, was möglich ist.« Sollten Grand-Prix-Rennen stattfinden, will Weber so gut wie möglich gerüstet sein. Und beim Saisonende will er dann sagen können: »Das war eine schöne Sache.« who

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