Was für ein genialer Saisonabschluss: Hannes Namberger krönt sein überragendes Jahr mit einem Sieg

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Die letzten Meter eines unglaublichen Rennens: Der Ruhpoldinger Hannes Namberger bejubelte seinen Sieg auf Madeira. (Fotos: Madeira Ultra Trail)
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Wunderbare Trails, tolle Aussichten: Hannes Namberger konnte trotz der Strapazen auch ein wenig die wunderbare Landschaft auf der portugiesischen Insel genießen.

Was für eine grandiose Leistung: Einen schöneren Saisonabschluss hätte sich Hannes Namberger nicht wünschen können! Der Ruhpoldinger Extrem-Bergläufer (Dynafit) krönte seine starke Saison mit dem Sieg beim Madeira Island Ultra Trail (MIUT). Er gewann auf der portugiesischen Insel über die anspruchsvolle Königsdistanz über 115 Kilometer und 7500 Höhenmeter mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz. »Es war der perfekte Abschluss einer langen Saison«, kommentierte Namberger kurz nach seiner Rückkehr nach Deutschland im Gespräch mit unserer Sportredaktion seinen jüngsten Coup ganz bescheiden.


Dabei hätte er allen Grund gehabt, richtig auf die Pauke zu hauen. Er kam nach exakt 14:00,36 Stunden im Ziel an und hatte sage und schreibe 41:13 Minuten (!) Vorsprung auf den Zweitplatzierten Dimitry Mityaev (Adidas Terrex). Dritter wurde der Schweizer Jean Phillipp Tschumi (Hoka One One) in 14:49:28 Stunden.

Hannes Namberger war von Beginn an in der Spitzengruppe dabei. Diese war anfangs auch noch sehr groß, reduzierte sich aber sehr schnell auf wenige Läufer. Bis Kilometer 62 war Namberger nur noch mit einem weiteren Kontrahenten unterwegs. »Dann konnte ich mich aber auch von ihm immer weiter absetzen«, erzählte der Ruhpoldinger, der seinen Vorsprung kontinuierlich ausbauen konnte.

Doch trotz seiner deutlichen Führung freute sich Hannes Namberger nicht zu früh. »Man muss immer extrem konzentriert sein«, betonte er. »Ein falscher Tritt und schon kann es vorbei sein.« Und deshalb »kann man sich auch wirklich erst kurz vorm Ziel ganz sicher sein, dass man gewinnen wird«.

Und in der Tat musste Namberger auch einige bange Minuten im Rennen überstehen. Der offizielle GPS-Track auf seiner Uhr, den die Athleten zu ihrer Sicherheit vor dem Rennen auf ihre Uhren laden müssen, wich plötzlich von der offiziellen Ausschilderung ab. »Da schießt schon das Adrenalin kurz mal hoch«, gestand Namberger. Er blieb aber ruhig und orientierte sich kurz. »Dafür habe ich zwar ein paar Extra-Meter in Kauf nehmen müssen, aber sicher ist sicher«, lachte er im Nachhinein über die Situation. Und dann ging's auf dem richtigen Weg weiter – und bis zum Ziel gab's jetzt auch keine Probleme mehr.

Trotz der ganzen Strapazen während des Rennens konnte Hannes Namberger den Lauf auch etwas genießen. Los ging es ja um Mitternacht in Porto Moniz. »Es ist cool in der Nacht zu laufen, auch wenn es nicht ganz so einfach ist«, hob er hervor. »Das ist schon auch eine Sache, die man trainieren muss.« Aber es sei nachts eine ganz eigene und schöne Stimmung.

Der Sonnenaufgang sei auch wunderbar gewesen, betonte er noch. »Man bekommt das auch alles mit«, erzählte er. Madeira sei auch wunderbar zum Laufen. »Es gibt dort viele schöne Wege.« Aber eben auch ganz viele steile Anstiege und Treppen, die teilweise auch ganz schön rutschig seien. »Aber das macht ja den Reiz dieser Rennen aus.« Und so ging es für die Läufer einmal quer über die Insel, unter anderem ging's dabei hinauf zum Pico Ruivo und zum Pico do Areeiro, bis zum Ziel am Hafen von Machico.

Und jetzt? »Jetzt ist erst einmal eine lange Pause angesagt«, sagte Namberger, der in diesem Jahr ja auch den Lavaredo Ultra Trail in Italien gewonnen und dabei in 12:02:12 Stunden einen neuen Streckenrekord über die 120 Kilometer mit 5800 Höhenmetern aufgestellt hatte. Rund sechs Wochen lang werde er sportlich nur das machen, auf was er Lust habe, sagte er.

Dann beginnt aber schon wieder die Vorbereitung auf die neue Saison – und auch für 2022 hat der sympathische Ultraläufer ehrgeizige Pläne. Er will unbedingt wieder in Frankreich beim Ultra-Trail Mont Blanc starten. In diesem Jahr wurde er in Chamonix über die 170 Kilometer lange Strecke mit 10 000 Höhenmetern starker Sechster. »Es gibt in unserer Szene nichts Größeres und deshalb werde ich meine Saison um diesen Wettkampf drumherumplanen«, betonte er. Dabei wird er sich erneut mit der Weltspitze der Ultra-Bergläufer messen. Doch die starke Konkurrenz braucht Hannes Namberger nicht scheuen, wie er in diesem Jahr mit einer ganz starken Saison sehr eindrucksvoll bewiesen hat. Auf Madeira setzte er dem Ganzen mit seinem überragenden Sieg über die Königsdistanz nun noch das i-Tüpfelchen auf.

SB

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