Vorsitzender des Skiverbands Chiemgau zieht Bilanz über Corona-Winter – Sommerpläne liegen »in der Schublade«

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Bernhard Kübler und sein Team hatten in der abgelaufenen Winter-Saison aufgrund der Corona-Pandemie viel zusätzliche Arbeit – und das, obwohl fast alle Wettkämpfe ausfallen mussten. Der Vorsitzende des Skiverbands Chiemgau hofft jetzt, dass sich die Situation in den nächsten Monaten endlich deutlich entspannen wird.

Die Corona-Krise hat auch die Arbeit des Skiverbands Chiemgau in vielen Bereichen erschwert und teilweise sogar unmöglich gemacht. So musste etwa im Nachwuchsbereich die beliebte Langlauf-Tournee ganz abgesagt werden. Der Vorsitzende Bernhard Kübler kann der Situation dennoch auch etwas Positives abgewinnen, wie er im Gespräch mit unserer Sportredaktion verrät. Dennoch hofft er freilich auch darauf, dass sich die Pandemie-Lage in den nächsten Monaten deutlich verbessern wird. Tritt das ein, hat der Skiverband Chiemgau für die nächsten Monate jedenfalls einige Pläne für Sommerwettkämpfe und auch für die 100-Jahr-Feier in der Schublade liegen, die dann rausgezogen und schnell umgesetzt werden sollen.


Keine Wettkämpfe im Amateur- und Nachwuchsbereich, kaum oder nur sehr erschwerte Trainingsmöglichkeiten: Die Corona-Pandemie hat auch dem Skiverband Chiemgau in diesem Winter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

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Es ist natürlich, was den Wettkampfsport auf Gauebene anbelangt, nicht so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben letztlich nur geschaut, dass wir retten konnten, was zu retten war. Das heißt: Wir haben versucht, unsere Kaderathleten auf Gauebene, so gut es eben ging, zu betreuen. Wir machen aber nicht nur Leistungssport, sondern eben auch Breitensport und da muss man ganz klar sagen: Die Masse hat leider nicht trainieren können. Das hat uns unwahrscheinlich geschmerzt.

Es ist jetzt auch eine Debatte um die Nachwuchsarbeit entbrannt. Sehen Sie für die Zukunft Probleme?

Ob durch die Krise jetzt Lücken gerissen worden sind, können wir aktuell noch nicht sagen. Generell wird es jetzt aber nochmals einen Umbruch in der Verbandsstruktur des Bayerischen Skiverbands geben. Die Zuständigkeiten werden neu aufgeteilt und dadurch kommt in den nächsten Jahren auch auf den Skiverband Chiemgau einiges an Arbeit dazu. Wir werden dann deutlich mehr leisten müssen.

Zurück zum Corona-Winter. Gab's auch irgendeinen positiven Aspekt?

Ja, in der Tat! Gerade im Langlauf- und Biathlon-Bereich gab's durch den Ausfall der Schülercups viel weniger Wettkampfstress. Die Trainer konnten sich deshalb ganz gezielt auf die technische Ausbildung der Kinder fokussieren. Es ist etwa auf die Lauftechnik viel Wert gelegt worden, um hier nach vorne zu kommen. In diesem Bereich haben also sicherlich viele Sportler im Rahmen unserer Trainingsmaßnahmen profitieren können.

Ein Aushängeschild des Skiverbands Chiemgau ist die Langlauf-Tournee. Wie sehr hat es Sie getroffen, dass diese corona-bedingt komplett abgesagt werden musste?

Die Enttäuschung ist sehr groß gewesen. Wir haben uns ja Konzepte überlegt, wie wir das Ganze über die Bühne bringen können. Wir haben zum Beispiel mit Veranstaltungen in der Chiemgau-Arena, bei denen wir jeweils nur einen Jahrgang ins Stadion gelassen hätten, geplant. Das war alles durchgespielt, durchgedacht, durchgetestet – und dann hat es plötzlich geheißen: Es geht gar nichts.

Dabei sollte der Sport doch eigentlich Teil der Lösung sein...

Wir vertreten die Meinung, dass das ganze Corona-Geschehen nicht mit dem Sport zusammenhängt. Gerade für die Kinder wäre es enorm wichtig, dass sie sich an der frischen Luft bewegen und auch ein bisschen Kontakt mit ihren Altersgenossen haben. Die ganzen Vorschriften sind teilweise auch nicht mehr nachzuvollziehen. Umso mehr freut es mich, dass in dieser Woche der BSV eine Aktion in den sozialen Medien gestartet hat, die aufgrund des immensen Zuspruchs innerhalb kürzester Zeit dafür gesorgt hat, dass die Staatsregierung es nunmehr zulässt, dass auch bei einer Inzidenz über 100 bis zu fünf Kinder unter 14 Jahren mit entsprechenden Auflagen ihren Sport – auch mit Trainer – ausüben dürfen.

Gab's im Skiverband Chiemgau einen Corona-Fall, der im Zuge eines Trainings entdeckt worden ist?

Uns ist im ganzen Winter nichts bekannt geworden, dass wir einen Ansteckungsfall bei unseren Maßnahmen hatten. Sie sind alle nach strengen Hygieneauflagen abgehalten worden.

Einige Vereine melden bereits Mitgliedsaustritte. Wie sind Ihre Erfahrungen diesbezüglich?

Wir haben bis jetzt noch keine Rückmeldungen in diese Richtung bekommen. Das wird sich wahrscheinlich erst in den nächsten Monaten zeigen.

Rechnen Sie noch mit einer Austrittswelle?

Was das Ganze an Auswirkungen haben wird, können wir jetzt noch nicht absehen. Ich bin aber positiv gestimmt, dass das nicht passieren wird. Alle Vereine haben sich sehr bemüht, trotz der Umstände ein Angebot für ihre Sportler bereitzustellen. Es ist also nicht so, dass gar nichts mehr passiert ist. Jeder hat geschaut, dass im Rahmen der erlaubten Grenzen etwas angeboten wurde.

Zuletzt gab es eine Spendenaktion, die der WSV Aschau ins Leben gerufen hat. Der Nachwuchs war mit Feuereifer dabei. Man sieht daran, den Kindern ist der Sport wichtig...

Die Aktion hat mich von den Socken gehauen. Es zeigt aber auch, wie wichtig den Kindern die Gemeinschaft ist. Das hat man aber auch bei einer anderen Aktion gesehen, die der Deutsche Skiverband gemeinsam mit dem BSV initiiert hat. Bei dieser Challenge haben die ausrichtenden Vereine eine Strecke markiert, jeder konnte diese dann innerhalb eines bestimmten Zeitraums für sich allein absolvieren und seine Daten (Laufzeit, Wetter, Temperatur, Schneebeschaffenheit usw.) hochladen. Es gab darauf eine unwahrscheinlich hohe Resonanz. Alles in allem war das eine schöne Aktion, um zu zeigen, wir sind noch da!

Hoffen Sie jetzt, dass zumindest im Sommer wieder einigermaßen normal trainiert werden kann?

Im April und Mai ist jetzt in der Regel trainingsfrei. Bis Juni wendet sich das ganze Geschehen dann hoffentlich endlich zum Positiven.

Plant der Skiverband aktuell Sommerwettkämpfe?

Das machen wir ja immer. Es sind beispielsweise Roller-Veranstaltungen geplant, aber auch Leistungsvergleiche in Athletik- und koordinativen Bereichen. Das liegt alles in der Schublade. Wenn wir wissen, wir dürfen es machen, dann werden wir konkret mit den Planungen starten. Solange wir aber nicht wissen, was kommen wird, werden wir keine Ausschreibung veröffentlichen.

Immer mehr Vereine und Verbände melden, dass auch die Sponsoren abspringen. Wie sieht es in diesem Bereich für den Skiverband Chiemgau aus?

Wir haben von unseren Sponsoren immer positive Rückmeldungen bekommen. Ganz aktuell sind wir dabei mit Infomax, einem unserer wichtigsten Sponsoren, den Vertrag zu verlängern. Mit unserem Hauptsponsor, der Sparkasse, haben wir zudem ein völlig neues Konzept erarbeitet. Schade, dass wir das diesen Winter noch nicht präsentieren konnten. Auch mit den Firmen Bioteaque und Predigtstuhlbahn haben wir zuverlässige Partner an unserer Seite, die sich langfristig engagieren wollen. Dafür sind wir sehr dankbar. Natürlich sind wir weiterhin auf der Suche nach regionalen Firmen, die unsere Arbeit wertschätzen und die Kinder und Jugendlichen auf dem Weg zur Weltspitze unterstützen wollen.

Das heißt, finanziell ist man gut aufgestellt?

Beide Landkreise und unsere Sponsoren stehen zu uns, wir haben bislang keine Probleme. Aber wir sind nicht der reichste Verband – im Gegenteil: Der SVC ist der Verband mit dem geringsten Budget innerhalb des BSV und wir suchen deshalb immer nach Möglichkeiten, unsere finanziellen Mittel erweitern zu können.

Die Weltcup-Starter in den Reihen des Skiverbands Chiemgau blicken auf eine erfolgreiche Saison zurück. Gibt es da jemanden, den Sie hervorheben möchten?

Zunächst einmal: Wir freuen uns über alle Erfolge unserer Sportler! Ramona Hofmeister und Markus Eisenbichler waren diese Saison unwahrscheinlich erfolgreich. Sie sind Top-Athleten und Vorbilder für unseren Nachwuchs. Wir sind sehr froh, dass wir zwei so tolle Sportler in unseren Reihen haben.

Für seine Erfolge hat Markus Eisenbichler auch die neu geschaffene »Große Schneeflocke« des Skiverbands Chiemgau erhalten...

Die Ramona und auch weitere Sportler bekommen diese selbstverständlich auch noch! Mit Markus Eisenbichler hat sich das spontan beim Weltcup-Finale in Planica ergeben, weil mit Sebastian Schwarz einer meiner Stellvertreter dort vor Ort war. Der Markus hat sich dann auch richtig gefreut darüber.

Wann werden die anderen Schneeflocken übergeben?

Sobald wir die Möglichkeit haben, das in einem würdigen Rahmen zu machen. Aktuell können wir ja aufgrund der geltenden Corona-Vorschriften keine Sportlerehrung durchführen. Aber wir wollen das eben auch nicht im stillen Kämmerlein machen.

Welche Schneeflocken gibt es eigentlich?

Es gibt die Schneeflocke in zwei Größen. Die kleinere ist für den Schülerbereich und für nationale Erfolge und die große ist für internationale Triumphe. Wir möchten unseren Sportlern damit Dank und Anerkennung für ihre Leistungen aussprechen.

Herausragend war in diesem Winter auch das Weltcup-Finale der Snowboarder am Götschen...

Der WSV Bischofswiesen hat das in Zusammenarbeit mit dem SK Berchtesgaden und dem Skiclub Hammer absolut genial abgewickelt. Das war für den Verein schon ein Wahnsinnsaufwand – mit den ganzen Testungen und den ganzen Abschottungen. Da muss man den Hut davor ziehen, das war eine gewaltige Leistung und eine tolle Werbung für den Sport.

Aber auch diese Veranstaltung durfte nur ohne Fans stattfinden – wären die Zuschauer das I-Tüpfelchen gewesen?

Klar! Ich hoffe, dass die gute Stimmung aber einigermaßen durch die Fernsehbilder rübergekommen ist.

Zuletzt gab es auch positive Nachrichten: Die Kälbersteinschanze in Berchtesgaden wird saniert. Ist das auch aus Sicht des Skiverbands Chiemgau ein gutes Zeichen?

Dass dafür jetzt die Mittel freigegeben werden, ist natürlich eine ganz tolle Geschichte. Da hat es vielleicht auch eine Rolle gespielt, dass die Deutsche Jugendmeisterschaft Skisprung/Nordische Kombination im vergangenen Jahr noch auf der Schanze gewesen ist. Diese Veranstaltung hat den einen oder anderen DSV-Funktionär wohl überzeugt, dass das Geld dort gut angelegt ist.

Damit gibt es bald ganz neue Perspektiven ...

Ja, es ist allerdings nur ein Schritt. Unser Wunschzettel wäre schon noch ganz schön lang. Aber wir sind erst einmal froh über dieses positive Signal.

Gibt es eigentlich schon einen Nachfolger für den zurückgetretenen Sportwart Alpin, Werner Bartholomeus?

Wir führen, was seine Nachfolge anbelangt, Gespräche. Wir wollen jetzt aber noch nichts überstürzen. Wir hoffen, irgendwann eine Versammlung machen zu können und auf dieser wollen wir die Personalie dann öffentlich machen.

Bis dahin ist die Stelle weiter kommissarisch besetzt, oder?

Ja! Ausgerechnet in dem Bereich gab's in diesem Winter jede Menge Arbeit. Günther Strohhammer hat das aber hervorragend in die Hand genommen. Es ist vor allem darum gegangen, wer darf trainieren und wer nicht. In Absprache mit den DSV- und den BSV-Trainern hat er als kommissarischer Sportwart dann jede Woche eine Liste erstellen müssen. Diese Sportler durften dann unter Einhaltung der Corona-Vorschriften trainieren. Das war eine große Aufgabe. Da möchte ich auch den Trainern, die dabei mitgeholfen und alles mitorganisiert haben, nochmals Danke sagen! 

Wie ist die Arbeit in der Vorstandschaft ansonsten gelaufen – gab's Änderungen in den Abläufen?

Es sind in der Tat viele Sachen dazugekommen, die wir im normalen Geschäftsbetrieb nicht hatten. Mit Jürgen Gstatter ist einer meiner Stellvertreter im Gesundheitswesen tätig. Er hat die Aufgabe übernommen, dass wir aus dem ganzen Wust der Mitteilungen zur Corona-Krise, die wir vom DSV, BSV und BLSV bekommen haben, rauszuziehen, was für uns relevant ist und dann entsprechend zu verteilen. Auch unsere Bus-Flotte ist neu zu beschaffen gewesen. Das fällt normalerweise auch nicht jedes Jahr an. Ich muss meinen Mitstreitern ein Kompliment aussprechen: Die Vorstandschaft hat vorbildlich zusammengearbeitet.

In diesem Jahr steht eigentlich die 100-Jahr-Feier des Skiverbands Chiemgau an. Wie sehen aktuell die Planungen aus?

Wir haben die Entscheidung über die Feier nach hinten geschoben. Das Ganze ist ja mit viel Arbeit verbunden. Wir haben jetzt gesagt, wenn wir wissen, dass wir einen Festabend machen können, dann bringen wir es zum Laufen. Solange wir das nicht wissen, werden wir auch nichts machen. Man hat es ja vergangenes Jahr beim SC Ruhpolding gesehen. Der Verein hat eine ganz tolle Geschichte zu seinem Jubiläum aufgezogen und dann konnte er alles nur im kleinen Kreis feiern. Das ist so schade.

Denken Sie, dass die Winter-Saison 2021/2022 wieder normal laufen kann?

Das ist die Hoffnung! Einen Winter hatten wir jetzt mit zu viel Schnee, dann kam einer mit zu wenig Schnee, jetzt gab's den Corona-Winter. Es wäre einfach sehr schön, wenn es wieder einmal ganz normal laufen könnte.

Stephanie Brenninger

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Er ist eines der Aushängeschilder des Skiverbands Chiemgau: der Siegsdorfer Skispringer Markus Eisenbichler.
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