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Vorfreude auf die Heim-WM mit »Papplikum statt Publikum«

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Er freut sich auf die Heim-WM in Oberstdorf: Skilangläufer Jonas Dobler vom SC Traunstein. (Foto: DSV)

Die Vorfreude steigt: Bereits am heutigen Samstag geht es für Skilangläufer Jonas Dobler (SC Traunstein) nach Oberstdorf, wo ab dem 23. Februar die Nordischen Ski-Weltmeisterschaften ausgetragen werden. Während bereits am Donnerstag, 25. Februar, die Sprints auf dem Programm stehen, geht es für die Distanzspezialisten Dobler und Lucas Bögl (SC Gaißach/Stützpunkt Ruhpolding) am Samstag, den 27. Februar mit dem Skiathlon erstmals richtig zur Sache.


»Das ist ein attraktives Format«, freut sich der Traunsteiner. Ebenso wie darauf, bei der WM ein »Heimspiel« zu haben – wenn auch ohne Fans, nach dem Motto: »Papplikum statt Publikum«.

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Sowohl der Saisonverlauf als auch der Verlauf der bisherigen WM-Vorbereitung lassen den Angehörigen des Zoll-Skiteams den Titelkämpfen zuversichtlich entgegenblicken. Allerdings verlief für den 29-Jährigen in den bisherigen Wettkämpfen nicht alles nach Wunsch. Das galt insbesondere für die Tour de Ski.

»Da war die Bilanz gemischt, ich war nicht ganz zufrieden. Ich bin leider beim ersten Distanzrennen (15 km klassische Technik, im Massenstart, d. Red.) gestürzt«, erinnert sich Dobler. So kam er nur als 39. ins Ziel. »Das wirft einen gerade bei so einer Tour zurück. Da ist man für das Verfolgungsrennen schon in einer ungünstigen Position und schleppt den Zeitrückstand über die ganze Tour mit. In der Verfolgung musste ich mich erst einmal herankämpfen – und habe dafür am Schluss des Rennens etwas bezahlt« berichtet er. Mit der 23. Nettozeit in Val Müstair (Schweiz) verbesserte er sich aber noch auf Rang 31.

In Toblach (Italien) überzeugte er über 15 km Freistil als Zwölfter, »in der Verfolgung haben mit am Schluss etwas die Körner gefehlt«, kommentiert er seinen 18. Platz. Beim Massenstart (KT) in Val di Fiemme (Italien) kam ein Stockbruch hinzu, »sonst wäre Platz 17 statt 23 möglich gewesen.« Auf der Schlussetappe fehlten ihm auf Rang 20 nur 6,8 Sekunden auf den 15. Platz.

Und wie verkraftet man die Belastungen der Tour? »Nach der Tour fühlt man sich immer in der ersten Woche noch wohl, man ist noch im Modus – da würde ich auch noch eine neunte Etappe mitnehmen«, lacht Dobler.

Ab der zweiten Woche werde es »zäher und härter.« Davon dürfe man sich nicht beirren lassen. »Ich weiß aus früheren Jahren, dass das normal ist, da muss man durch.« Das gelang, in Lahti (Finnland) gab's Rang 20 und mit der Staffel den vierten Platz.

Dabei wurde das russische Team wegen einer unfairen Aktion von Schlussläufer Alexander Bolschunow auf Finnlands Joni Mäki disqualifiziert. Der Russe – souveräner Gesamtsieger der Tour de Ski – hatte sich über den harten Zweikampf auf der Ziellinie geärgert. Und wohl auch darüber, »dass Mäki halt auch alle Attacken mitgegangen ist. So einen Widerstand ist Bolschunow gar nicht mehr gewohnt.«

Zwar hat Dobler selbst im Zielsprint bislang keinen ähnlich harten Zweikampf absolvieren müssen, »aber solche Situationen wie da hast du im Massenstart häufig. Das geht halt oft unabsichtlich, weil man sich permanent beharkt.« Auch beim Skiathlon sei dies der Fall. »Da darf man sich halt nicht von der Hektik anstecken lassen. Die ersten zehn Kilometer sind fast immer ein Hauen und Stechen, da muss man versuchen, möglichst kraftsparend durchzukommen.«

Nach dem Weltcup in Falun (Schweden) ging es für die deutschen Distanzläufer bereits in die unmittelbare WM-Vorbereitung. »In Toblach (Italien) hatten wir ein Höhen-Ausdauertraining. Da konnte man endlich wieder gut eine Woche lang Grundlagentraining machen.« Zuletzt ging es für die deutschen Athleten bereits zwischendurch drei Tage nach Oberstdorf, wo intensive Einheiten auf dem Programm standen.

Auf diesen Trainingsblock folgte eine Erholungsphase in der Heimat, »zwei bis drei Tage« ging es nur sehr ruhig zur Sache. Da der ursprünglich für dieses Wochenende in Nove Mesto (Tschechien) geplante Weltcup abgesagt wurde, reist das DSV-Team bereits heute nach Oberstdorf. »Dort machen wir am Sonntag noch ein schnelles Training – eine Art internen Wettkampf – um wieder in den Rhythmus zu kommen.«

In den folgenden Tagen geht es darum, die Voraussetzungen für einen guten WM-Auftakt zu schaffen. Dass dieser für die Distanzläufer mit dem Skiathlon (2 x 15 km) erfolgt, freut Dobler: »Den mag ich gerne, das finde ich ein cooles Format.« Dass ihm dieses zu liegen scheint, hatte er beim Weltcup 2020 in Oberstdorf als Elfter bewiesen. »Ich hoffe, dass es bei der WM wieder in diese Richtung geht. Ich will gut zurechtkommen«, hofft der 29-Jährige. Als sein nächster Wettkampf sind die 15 Kilometer Freistil am Mittwoch, den 3. März, vorgesehen.

Beide Rennen sind für die Athleten enorm wichtig, denn »danach wird die Staffel aufgestellt«, weiß Dobler. In dieser würde er gerne mitmischen, ebenso »wie möglichst beim 50-Kilometer-Lauf.« Dieser bildet traditionell den Abschluss der Titelkämpfe.

Die Vorfreude ist trotz der Corona-Pandemie groß. Zum einen, weil Dobler in der Vorbereitung sehen konnte, »dass das richtig gut war.« Die intensiven Belastungen habe er gut verkraftet, »ich merke jetzt schon, dass ich das schon öfter mitgemacht habe.« Und: »Ich weiß inzwischen, was in der Vorbereitung das Richtige für mich ist.« Dennoch müsse man »abwarten, was das bei der WM wirklich wert ist.«

Dabei müssen sich die Sportler wieder – wie schon in der ganzen Saison – auf entsprechende Hygieneregeln einstellen. Bislang hat sich das Konzept in dieser Saison sehr gut bewährt. Die erhoffte Unterstützung durch die deutschen Fans muss zwar ausfallen, aber immerhin gibt es ein »Papplikum« statt des Publikums: Interessierte konnten sich Pappfiguren kaufen, die dann auf der Tribüne aufgestellt werden.

»Nicht von Pappe« ist dagegen die Konkurrenz bei der WM. Doch Dobler und seine Teamkollegen wollen sich davon nicht beirren lassen ... who

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