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Biathlon-Weltcup: Vorbereitungen auf viele Szenarien und hoher Zeitdruck

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Er hofft, dass möglichst bald Klarheit über den Biathlon-Weltcup in Ruhpolding herrscht: Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer.

Wie viele Biathlon-Weltcups können im kommenden Winter in der Ruhpoldinger Chiemgau-Arena ausgetragen werden? Oder findet gar keiner statt?


Die Diskussionen darüber laufen auf Hochtouren, doch noch besteht keine Klarheit. Dafür aber Zeitdruck. Denn trotz akribischer Planungen für mehrere Szenarien: »Je früher wir Bescheid wissen, desto besser«, betont Ruhpoldings Bürgermeister Justus Pfeifer, der zugleich Präsident des Ruhpoldinger Weltcup-Organisationskomitees ist, in einem gespräch mit unserer Sportredaktion. Und konkretisiert: »Bis Anfang November sollten wir schon Bescheid wissen, ob ein, zwei, drei Weltcups – oder aber gar keiner – in Ruhpolding stattfinden sollen.«

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Spätestens dann müsste man auch Klarheit darüber haben, ob – und wenn ja, wie viele – Zuschauer zu den Wettkämpfen zugelassen werden. »Wir planen derzeit mit vier Szenarien bei den Zuschauerzahlen: Entweder ganz ohne Zuschauer, mit 25 Prozent Auslastung, mit 50 Prozent und mit 75 Prozent«, verdeutlicht Pfeifer, denn »wir müssen ja auf alles vorbereitet sein.« Zumal selbst Zusagen durch kurzfristige Entwicklungen »überholt« werde könnten. »Bei der Allianz-Arena war kürzlich auch eine Auslastung von 20 Prozent geplant, dann musste kurzfristig ganz ohne Fans gespielt werden«, verweist er auf das jüngste Bundesliga-Heimspiel des FC Bayern. Hier war wegen der Entwicklungen der Fallzahlen in München die Auflage erfolgt, ein »Geisterspiel« durchzuführen.

Sollte es einen »Geister-Weltcup« und damit gar keine Zuschauereinnahmen geben – die ja für die Veranstalter vor Ort im Normalfall die einzige Einnahmequelle seien – müssten Verbände und/oder Politik helfen, fordert Pfeifer. »Wir hoffen schon auf einen Ausgleich durch den Staat und die Verbände.«

Zumal für die ersten Weltcups im Dezember der Biathlon-Weltverband IBU ja den dortigen Organisatoren immerhin eine Zahlung zugesagt hat. Ob diese ausreichen würde, die Verluste zu kompensieren, ist jedoch unklar. Klar aber ist: »Wir können nicht einen immensen Verlust riskieren, den wir dann dem Ruhpoldinger Steuerzahler aufbürden.«

Das sieht auch Herbert Fritzenwenger junior so. Der Vorsitzende des Ski-Clubs Ruhpolding – und damit zugleich OK-Vizepräsident – sagt: »Es wäre wünschenswert, dass uns jemand zur Seite steht.« Ob der Weltcup in Ruhpolding stattfinden könne oder nicht, sei derzeit nicht seriös abzuschätzen. Der »normale« Ruhpoldinger Weltcup ist ja für den 12. bis 17. Januar 2021 geplant.

Vorbereitet sein wollen die Organisatoren aber in jedem Falle. Das gilt auch für die Hygienemaßnahmen: Der Deutsche Skiverband (DSV) und die IBU »haben ein Hygienekonzept erstellt, das etwa zu zwei Dritteln für alle Veranstalter zutrifft. Rund ein Drittel der Regelungen richtet sich dann nach den örtlichen Gegebenheiten – und den örtlichen Behörden«, berichtet Justus Pfeifer. »Schließlich steht die Gesundheit an erster Stelle.«

Ruhpoldings Bürgermeister hofft jedenfalls auf »klare Zusagen« darüber, wie viele Zuschauer in etwa zugelassen würden. Denn das hat große Auswirkungen auf die nötigen Aufbauten vor Ort. Zwar habe das Stadion auch ohne zusätzliche Maßnahmen »schon eine Kapazität von 2000 bis 3000 Zuschauern«, doch je nachdem, wie viele Fans tatsächlich ins Stadion dürften, müssten Aufbauten erfolgen, sanitäre Anlagen entsprechend ausgerichtet werden etc. Und die Aufträge dafür müssten eben möglichst bald erfolgen.

Die Unklarheit in der Zuschauerfrage hat auch dazu geführt, dass bereits zum Beginn des Lockdowns Mitte März der Vorverkauf für Tageskarten eingestellt worden war. »Nur Generalkarten verkaufen wir derzeit, das ist machbar.«

Sicher ist schon jetzt: »Ein VIP-Zelt und den Champions-Park wird es definitiv nicht geben.« Im Champions-Park, der im Ort Ruhpolding sonst für viel Stimmung rund um den Weltcup gesorgt hatte, waren ja auch immer am Abend die Siegerehrungen abgehalten worden. »Diese finden beim Weltcup 2021 alle in der Chiemgau-Arena statt«, verdeutlicht Pfeifer.

Auch touristisch hat der Weltcup für den Ort mit seinen ca. 7000 Einwohnern eine große Bedeutung. Hier sieht der Bürgermeister »mit einem lachenden und einem weinenden Auge« auf die Auswirkungen der Corona-Regelungen. Denn eine Absage des Weltcups wäre zwar ein Rückschlag, »aber viele der Fans haben trotzdem schon für diese Woche gebucht, weil sie dann halt eine ganz normale Urlaubswoche hier verbringen wollen.« Und ganz allgemein habe – wegen der zahlreichen Beschränkungen und Unsicherheiten bei Auslandsreisen – der Inlandstourismus stark zugenommen. »Natürlich ist das alles noch Spekulation, wie es sich genau auswirkt, aber vermutlich dürften es über die gesamte Reisesaison hin ähnlich viele Touristen wie sonst sein«, hofft er.

Organisatorisch jedenfalls sieht er die Chiemgau-Arena gut gerüstet. »Auch das Schneedepot ist derzeit gut gefüllt.« Allerdings hoffen die Organisatoren, dass noch Ende Dezember oder Anfang Januar entweder echter Schnee hinzukommt oder aber zumindest so kalte Temperaturen herrschen, dass noch zusätzlicher Kunstschnee hergestellt werden kann.

Denn sollten die Wettkämpfe wie erhofft stattfinden, möchte man Sportlern und Fans optimale Bedingungen bieten – und möglichst eine richtige Winterlandschaft ... who

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