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Vorbereitung mal anders: Rollen-Training im Hotelzimmer

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Training mal anders: Der Siegsdorfer Radprofi Daniel Bichlmann sitzt zurzeit in Bangkok in Quarantäne und trainiert in seinem Hotelzimmer auf der Rolle. Der 32-Jährige wird nächste Woche mit seinem Team Bike Aid bei der Thailand-Rundfahrt starten.

Was für eine ungewöhnliche Vorbereitung auf eine Rundfahrt! Der Siegsdorfer Radprofi Daniel Bichlmann sitzt zurzeit fast täglich 24 Stunden nur in seinem Hotelzimmer im Bangkok rum. Der Grund: Sein Team Bike Aid nimmt an der Thailand-Rundfahrt teil. Doch, um überhaupt starten zu dürfen, muss das saarländische Profiteam in Thailand eben erst einmal 14 Tage in Quarantäne verbringen. Thailand tritt so der Coronavirus-Pandemie entgegen.


»Die Vorfreude auf eine Rundfahrt war schonmal größer«, erzählt der 32-Jährige deshalb und ergänzt: »Jetzt überwiegt dann erst einmal die Vorfreude, wieder aus dem Hotelzimmer rauszukommen.«

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Die sechstägige Rundfahrt in Thailand startet am Dienstag. Ein paar Tage haben Bichlmann und seine Kollegen jetzt also noch in der Quarantäne vor sich. Einmal am Tag dürfen sie sich für rund 45 Minuten am Pool des Hotels zusammensitzen. »Das wird hier schon alles sehr streng eingehalten«, sagt Bichlmann. »Das wurde uns im Vorfeld auch anders vom Veranstalter kommuniziert.« Aber man müsse das eben jetzt so akzeptieren und das Beste aus dieser Situation machen.

Kulinarisch wird das Team jedenfalls Tag für Tag verwöhnt. »Die thailändische Küche ist super lecker«, betont Bichlmann, der auch nach wie vor Mitglied beim RSV Traunstein ist. Gegessen wird freilich auch auf den Zimmern. »Es läuft wirklich alles kontaktfrei ab«, sagt der Sportler, der neben seinem Profi-Dasein auch bereits ein zweites Standbein als Kaminkehrer aufgebaut hat.

Und was macht man den ganzen Tag so auf dem Hotelzimmer? »Man kämpft freilich so ein bisschen gegen die Langweile«, erzählt Bichlmann. Man halte Kontakt in die Heimat, man pflege sein Rad und »ich lese viel«. Insgesamt habe er sechs Bücher nach Thailand mitgenommen. »Davon habe ich schon zwei gelesen und eines ist schon im letzten Drittel.« Und, obwohl seine Teamkollegen ja gleich nebenan wohnen, darf man sich die meiste Zeit nicht sehen und so gibt es täglich auch Videokonferenzen zwischen den Sportlern. »Man bekommt die Tage schon rum«, lacht der Profi.

Zuletzt war Bichlmann mit dem Team schon bei der Rumänien-Rundfahrt im Einsatz – ganz ohne Quarantäne übrigens. Und: Bike Aid war bei diesem Re-Start nach der Corona-Zwangspause auch überaus erfolgreich unterwegs. »Das war absolut großartig«, freut sich Bichlmann auch immer noch über den Erfolg. Man habe dabei unter anderem die Mannschaftswertung gewonnen. »Das war so ein richtig schönes Ding«, schwärmt er. Schließlich sei die Saison Corona-bedingt in diesem Jahr eben sehr kurz. »Und da jetzt so ein tolles Erfolgserlebnis zu haben, das ist schon etwas ganz Besonderes.«

Auch weil, hebt Bichlmann weiter hervor, »da eben auch mal so Helfer wie ich aufs Podium kommen«. Und der Erfolg in Rumänien hat dem Team auch viel Auftrieb für die kommenden Aufgaben gegeben, ist sich Bichlmann sicher. Für die Moral sei das ganz wichtig gewesen. »Die unermüdliche Arbeit in der Corona-Zeit hat sich doch noch gelohnt.«

Und das ganze Training soll sich jetzt eben auch in Thailand auszahlen. Allerdings ist die aktuelle Vorbereitung ganz anders als sonst. Die Einheiten finden nämlich aktuell freilich eben auch im Hotelzimmer statt – und zwar auf der Rolle! »Die Grundlagen sollten ja da sein«, sieht Bichlmann darin aber kein Problem. »Beim Rennen können wir dann hoffentlich zeigen, dass man sich auch 14 Tage auf der Rolle fit halten kann.« Zweimal am Tag wird in kurzen, aber intensiven Einheiten trainiert. »Das ist schon sehr eintönig«, findet Bichlmann.

Und das, obwohl er und seine Kollegen dabei auch eine virtuelle Plattform nutzen. Das seien für ihn ganz neue Trainingsmöglichkeiten, gesteht er. Für ihn sei das aktuell ein notwendiges Übel. Denn: »Für mich findet Radsport draußen statt«, macht der Profi deutlich. Und zwar auch bei Wind und Wetter. »Das geht mit dem richtigen Material und Ausrüstung auch alles. Bichlmann ergänzt: »Wenn so der Radsport der Zukunft aussieht, dann werde ich meine Karriere beenden, denn darauf habe ich keine Lust.«

Allerdings will der Siegsdorfer auch nicht übermäßig jammern. »Wir bei Bike Aid haben trotz Corona noch ein volles Renn-Programm. Da sind wir im Vergleich zu anderen Rennställen schon privilegiert«, weiß er. »Wir haben aus diesem Seuchenjahr schon ein paar coole Sachen mitnehmen können.« Für ihn sei Thailand radsportlich gesehen auch ein neues Land. »Das hier ist also wirklich rundum eine coole Geschichte für mich.«

Und auch das Team ist heiß auf die Rundfahrt. »Nach einer so vielversprechend Rumänien-Rundfahrt wollen wir hier natürlich auch auf Etappensiege fahren«, macht Bichlmann deutlich. Und sein Teamkollege Nikodemus Holler könne auch im Gesamtklassement weit nach vorne fahren. »Ich bin jetzt mal sehr optimistisch: Wir wollen aufs Treppchen kommen und zwei Tagessiege einfahren«, sagt Bichlmann. »Denn es soll sich ja auch fürs Sparschwein lohnen.«

Und er hat auch immer im Hinterkopf: »Jedes Rennen kann das letzte sein in diesem Corona-Jahr. Deshalb wollen wir hier jetzt nochmals richtig reinhauen.« Aktuell steht noch die Rundfahrt in Guatemala auf dem Rennkalender von Bike Aid. »Ob das reisetechnisch zu organisieren sein wird, lässt sich aber noch nicht sagen.«

Sein Wunsch für 2021 steht ebenfalls schon fest: »Das nächste Jahr läuft dann hoffentlich wieder in geordneten Bahnen ab und wir haben dann hoffentlich auch wieder eine volle Saison vor uns.« Aktuell hat Daniel Bichlmann seinen Vertrag bei Bike Aid noch nicht verlängert. »Mitte Oktober stehen die finalen Gespräche an, ob ich dann beim Team bleiben kann«, sagt er. »Ich bin momentan aber sehr zuversichtlich, dass das klappt und ich würde auch sehr gerne bleiben.« SB

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