»Von Wettkampf zu Wettkampf besser«

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Auch er trug zur aus deutscher Sicht erfreulichen Tour de Ski bei: Albert Kuchler aus dem Stützpunkt Ruhpolding. Foto: dpa

Nach dem herausragenden Abschluss bei der Tour de Ski (wir berichteten) ist die Stimmung bei den deutschen Skilangläufern bestens. Auch Trainer Frank Nitsch vom Stützpunkt Ruhpolding war begeistert vom Tour-Finale der Herren: »Das war phänomenal, da musste ich mir selbst die Augen reiben«, blickt er auf Rang drei für Friedrich Moch (WSV Isny) und auf Rang vier für Stützpunkt-Athlet Lucas Bögl (SC Gaißach) zurück.


Dies umso mehr, weil der 10-km-Wettbewerb in Skating-Technik diesmal nicht als Verfolgungsrennen ausgetragen wurde: Denn in der Verfolgung wird oft sehr taktisch im Hinblick auf die Gesamtposition in der Tour gelaufen, »da ist es leichter, mal eine vordere Zeit zu laufen. Aber im direkten Kampf im Feld ...«

Nitsch ergänzt: »Das hätte ich in dieser Form nicht erwartet, auch wenn wir wussten, dass das Format mit dem Anstiegslauf dem Lucas Bögl liegt. Dass er sogar den Johannes Klaebo überholen konnte, hat natürlich Kräfte freigesetzt«, freut er sich für den 31-Jährigen. Auch durch diesen gelungenen Abschluss sei noch einmal »ein Ruck durch die ganze Mannschaft gegangen« – zumal bei den Damen ja ohnehin Katharina Hennig (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal) sehr gut abgeschnitten habe. Aus der Sicht des gesamten deutschen Langlaufs sei es bei der Tour »von Wettkampf zu Wettkampf besser geworden.« Das lag mit daran, dass die Deutschen nach einer intensiven Vorbereitungsphase auf den ersten Etappen der Tour noch etwas mit müden Beinen an den Start gingen. Da es bei den diesmal nur sechs Wettkämpfen der Tour gleich zwei Sprints gab, »war das auch für unsere Distanz-Spezialisten Lucas Bögl und Albert Kuchler zu sprintlastig«, bilanziert Nitsch.

Dennoch könne auch Kuchler (SpVgg Lam) mit seinem Tour-Debüt zufrieden sein. Dies gelte vor allem für seinen 25. Platz beim 15-km-Massenstart in klassischer Technik in Val di Fiemme: »Dabei war an diesem Tag sein Ski nicht einmal optimal, da wäre noch mehr drin gewesen.«

»Noch ein bisschenzu viel Respekt«

Tags darauf beim letzten Anstieg der Tour (10 km Freistil) »hatte er ein bisschen viel Respekt.« So hielt sich der 23-jährige auf dem flachen Streckenteil noch zurück, um mit dem Tempo nicht zu überziehen. »Er hat erst am Anstieg begonnen, sich nach vorne zu schieben.« Doch das tat Kuchler mit großem Kampfgeist – und landete letztlich auf Rang 38. »Die Tour überhaupt durchzulaufen und dann sogar einmal unter die Top 30 zu kommen – das ist schon erfreulich«, lobt Nitsch; auch wenn es bei Kuchler gerade im Skating »noch einige Reserven« gebe. Der Lohn für Kuchlers gute Leistungen: Er darf auch am Wochenende 15./16. Januar beim nächsten Weltcup antreten. Der Veranstaltungsort steht noch nicht fest, möglicherweise springt aber Val di Fiemme als Ersatz für Les Rousses (Frankreich) ein.

Pech hatten aus dem Stützpunkt Andreas Katz (SV Baiersbronn) und Jonas Dobler (SC Traunstein). Dobler verzichtete – als Vorsichtsmaßnahme – beim Massenstart in Oberstdorf kurzfristig auf eine Teilnahme. »Das ist schade, denn gerade das Finale hätte ihm gut gelegen«, bedauert Nitsch, doch Dobler musste wegen »hohem Puls und etwas Herzrasen« verzichten. »Das klingt erst einmal erschreckend, aber die Ärzte haben ihn mehrfach durchgecheckt und klar festgestellt: Er ist absolut tauglich für den Leistungssport.« Wenn der 30-Jährige gelegentlich solche Symptome zeige, »kann er normalerweise schnell reagieren – aber diesmal war es einfach zu kurz vor dem Start.« Nun gelte es, eine gute Trainingsphase einzulegen, um optimal vorbereitet zu den Olympischen Spielen in Peking fahren zu können – die Norm hat Dobler bereits geschafft.

Für Katz dagegen lief es schon beim ersten Distanzrennen in Lenzerheide (Schweiz) nicht wie erhofft. »Er hat seine Form aus dem Continentalcup nicht mehr bestätigen können«, bedauert Nitsch. Im klassischen Stil – seiner ohnehin schwächeren Disziplin – hatte der 34-Jährige ohnehin keine hohen Erwartungen. Es folgte das überraschende Aus, denn Katz hatte das Zeitlimit (15 Prozent über der Siegerzeit) knapp überschritten. »Aber der Andi sieht das realistisch: Wir müssen jetzt schauen, dass er wieder zu Kräften kommt.« Daher biete das vorzeitige Aus sogar die Chance, dass dies schneller wieder geschehe.

Mit großem Aufgebotbeim Continentalcup

Während die Topläufer nun ein wenig Pause haben, ehe es in die unmittelbare Olympia-Vorbereitung geht, ist ein Großteil der Stützpunkt-Athleten an diesem Wochenende beim Continentalcup in St. Ulrich am Start. Dort stehen ein Freistil-Sprint sowie ein Distanzrennen in klassischer Technik auf dem Pogramm.

Dabei geht es unter anderem für Anian Sossau (SC Eisenärzt) und Florian Knopf (SLV Bernau) darum, sich für den am folgenden Wochenende geplanten Weltcup für einen Startplatz zu empfehlen. »Anian ist gefühlt gut drauf, das hat er auch mit seinem Sieg beim Dreikönigslauf des SV Oberteisendorf bewiesen«, freut sich Nitsch. Schwieriger sei die Lage für Knopf: Der 22-Jährige habe noch mit den Nachwirkungen seiner Booster-Impfung zu tun. »Im Training hatte er noch nicht ganz das Niveau von vor Weihnachten, da fehlt noch ein bisschen was.«

Ebenso am Start sind aus dem Stützpunkt Nadine Herrmann (Bockauer SV) sowie die Anwärter für die U-23-WM, das heißt Alexandra Danner (SC Lenggries), Kim Hager (SC/TV Gefrees), Sophie Lechner (TSV Marquartstein), Paul Gräf (WSV Asbach) und Alexander Brandner (WSV Bischofswiesen).

Für die Rennen in St. Ulrich erwartet Nitsch angesichts der nun kälteren Temperaturen gute Bedingungen. Diese hatte man zuletzt auch beim Training in der Heimat: »Bis Dienstag konnten wir ohnehin noch in der Chiemgau-Arena trainieren, jetzt ist diese für die Vorbereitungen auf den Biathlon-Weltcup für uns gesperrt. Aber wir hatten gute Bedingungen und fühlen uns gut vorbereitet.«

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